Adobe Illustrator: der „Halo“-Effekt

Unter „Igeln“ ver­steht man in der Illus­tra­ti­on das Zeich­nen von Num­me­rie­rungs­li­ni­en in eine Gra­fik, um bei­spiels­wei­se Bau­tei­le zu kenn­zeich­nen. Damit man in die Zeich­nung selbst nicht auch noch schwer zu ent­de­cken­de Buch­sta­ben oder Zif­fern hin­ein­malt, benutzt man Lini­en, die aus dem Zeich­nungs­ob­jekt her­aus­füh­ren und trägt außer­halb des Objekts die Bezeich­nung ein – und wenn man genü­gend Lini­en gezeich­net hat, sieht das Objekt wie ein Igel aus.

Klingt kom­pli­ziert, ist es aber nicht. Und den­noch gibt es Stol­per­stel­len.

Gera­de bei Strich­gra­fi­ken, wie sie in der tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on häu­fig zu fin­den sind auf­grund ihre höhe­ren Infor­ma­ti­ons­ge­halts, füh­ren zusätz­li­che Lini­en ger­ne dazu, vor lau­ter Stri­chen den Über­blick zu ver­lie­ren: Was ist Objekt, was ist Num­me­rie­rung?

Eine ers­te Hil­fe für den Betrach­ter besteht dar­in, die Lini­en nicht ver­ti­kal oder hori­zon­tal anzu­le­gen, son­dern in einem abwei­chen­den Win­kel wie 45°. Dadurch wird es für das Auge ein­fa­cher, zusam­men­hän­gen­de Lini­en zu unter­schei­den (Gestalt­ge­set­ze). Aller­dings sieht es wesent­lich „unor­dent­li­cher“ aus.

Außer­dem haben Strich­gra­fi­ken meist den Nach­teil, dass sie aus­schließ­lich in schwarz-weiß (zusätz­lich mit weni­gen Grau­stu­fen) gehal­ten wer­den. Man könn­te die Unter­scheid­bar­keit erhö­hen, indem man für die Num­me­rie­rungs­li­ni­en eine zusätz­li­che Far­be ein­führt – die­se kann aber ent­we­der die Druck­kos­ten erhö­hen oder auf einem Bild­schirm mit­un­ter schwer zu erken­nen sein.

Also doch schwar­ze Lini­en.

Wie aber unter­schei­det man sie dann vom Objekt – vor allem wenn es sich um zahl­rei­che Lini­en han­delt (bei­spiels­wei­se für ein Anschluss­pa­nel eines Elek­tro­nik­bau­teils)? Es gibt meh­re­re Mög­lich­kei­ten, die Num­me­rie­rungs­li­ni­en her­vor­zu­he­ben, aber beson­ders ele­gant ist es, die­sen Lini­en einen wei­ßen Rah­men zu ver­pas­sen, der die dar­un­ter lie­gen­den Lini­en und dunk­len Füll­far­ben1 des Objekts von der Num­me­rie­rungs­li­nie „fern­hält“.

Die­ser Trick erzeugt eine Art „Halo“, einen Schein um das Objekt her­um, der aber – da er Teil der Kon­tur ist – auch gemein­sam mit ihr ver­scho­ben wer­den kann. Es ist nur ein ein­zi­ges Objekt.

In Ado­be Illus­tra­tor ist das nicht schwie­rig:

  1. Das Objekt mar­kie­ren, das den Effekt erhal­ten soll – hier natür­lich die Linie.
  2. Die Palet­te „Aus­se­hen“ öff­nen (eng. „Appearan­ce“).
  3. In der Palet­te am unte­ren Rand auf der lin­ke Sei­te auf das Käst­chen mit der hel­len Fül­lung kli­cken. Dies erzeugt eine zusätz­lich Kon­tur­ei­gen­schaft („Stro­ke“).
  4. Die Kon­tur­ei­gen­schaft an die gewünsch­te Stel­le in der Palet­te ver­schie­ben. Die obe­re Kon­tur soll­te schma­ler sein als die dar­un­ter­lie­gen­de, sonst funk­tio­niert es nicht.
  5. Der unte­ren Kon­tur als Far­be „Weiß“ ver­pas­sen und eine deut­lich höhe­re Stär­ke als die Strich­stär­ke der Num­me­rie­rungs­li­nie.

Fer­tig. Um die­se Ein­stel­lun­gen nicht für alle Num­me­rie­rungs­li­ni­en wie­der­ho­len zu müs­sen, zieht man die Eigen­schaft mit gedrück­ter ALT-Tas­te auf alle ande­ren Lini­en, die genau­so aus­se­hen sol­len.

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Der „Halo“-Effekt lässt sich auch auf Zeich­nungs­ob­jek­te anwen­den, um sie her­vor­zu­he­ben. In das Bild hat sich übri­gens ein Feh­ler ein­ge­schli­chen – erken­nen Sie ihn?

  1. Bei­spiels­wei­se Dun­kel­grau oder schwarz. Schwarz nimmt man ger­ne, um Kunst­stoff anzu­deu­ten.