Die­ser Teil der Rei­he „Was kann man noch Tol­les mit einem Tablet anstel­len?“ befasst dies­mal sich mit einem Zei­chen­pro­gramm, des­sen Ziel­grup­pe die Krea­ti­ven sind, also die, denen die meis­ten Sachen am fal­schen Ort und zur fal­schen Zeit ein­fal­len. Es gibt nicht weni­ge Men­schen, die Krea­ti­vi­tät als Belas­tung emp­fin­den oder als Zumu­tung, wenn sie einen „Krea­ti­ven“ tref­fen.1 Dabei sind die meis­ten Men­schen über­aus krea­tiv: näm­lich beim Lösen von Pro­ble­men und der Bewäl­ti­gung ihres All­tags. Jeder Mensch, der impro­vi­siert, löst ein Pro­blem krea­tiv, denn statt die Arme zu ver­schrän­ken und dar­auf zu war­ten, dass das Pro­blem von allei­ne ver­schwin­det, nutzt er die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel, um trotz­dem sein Ziel zu errei­chen. Auch wer sich eine Tele­fon­num­mer auf die Hand schreibt, weil gera­de kein Zet­tel auf­find­bar ist, löst ein Pro­blem kreativ.

Nun gibt es Jobs, in denen die­se Pro­blem­lö­sungs­krea­ti­vi­tät nicht so gefragt ist, und es gibt Berei­che, in denen dies gera­de­zu lebens­not­wen­dig ist. Und es gibt Tätig­kei­ten, für die es wich­tig ist, nicht auf etwas Bekann­tem auf­zu­bau­en, son­dern mit einem frei­en Tisch („clean sla­te“) anzu­fan­gen. Natür­lich ist es nahe­lie­gend, hier zunächst an Maler und Zeich­ner zu den­ken, an Men­schen, die vor einem lee­ren Blatt Papier oder einer lee­ren Lein­wand sit­zen und „aus dem Nichts“ etwas ent­ste­hen las­sen. Es gibt aber auch weni­ger ambi­tio­nier­te Beru­fe, in denen man Ent­wür­fe erstellt, sie modi­fi­ziert und irgend­wann in eine gebrauchs­fä­hi­ge Form umsetzt: Gar­ten­ar­chi­tek­ten, Land­schafts­pla­ner, Archi­tek­ten, Schau­fens­ter­de­ko­ra­teu­re, Web­de­si­gner, … – und sogar Tech­ni­sche Redak­teu­re (auch wenn man das klas­si­scher­wei­se bei denen nicht erwartet).

Gera­de für Letz­te­re kann es inter­es­sant sein, aus der typi­schen Anwen­dung der Notiz­block­skiz­zen aus­zu­bre­chen, um mit mehr und bes­se­ren Werk­zeu­gen auch bes­ser skiz­zie­ren zu kön­nen. (Das The­ma „Kom­men­tie­ren“ wur­de im ers­ten Teil betrach­tet, das „Visua­li­sie­ren“ folg­te im zwei­ten Teil. Nun geht es ans Skizzieren.)

Zeichnen und zeichnen lassen

Zeich­nun­gen sind für Tech­ni­sche Redak­teu­re ein zwei­schnei­di­ges Schwert: einer­seits wis­sen sie, dass sich vie­le Sach­ver­hal­te bes­ser in Bil­dern erklä­ren las­sen, ande­rer­seits scheu­en sie Vor­be­rei­tung und Umset­zung, die erfor­der­lich sind, um auch wirk­lich mit Hil­fe eines Bil­des bes­ser zu erklä­ren als mit Wor­ten. Oft ver­zich­ten die Redak­teu­re daher dar­auf oder sie bit­ten die Kol­le­gen in der Kon­struk­ti­on oder einen Gra­fi­ker (sofern zur Hand), denen sie dann wort­reich beschrei­ben, was sie möchten.

Man­ches aber lässt sich selbst mit vie­len Wor­ten oder ein­fa­chen Skiz­zen kaum beschrei­ben. Bei­spiels­wei­se Dar­stel­lun­gen, die in einer Bezie­hung nicht nur zum Text ste­hen, son­dern zusätz­lich zu einem Benut­zer oder Leser. Dazu zäh­len Icons oder Objek­te, die mit unter­schied­li­chen Strich­stär­ken und Stift­ar­ten dar­ge­stellt wer­den sol­len – meist natür­lich vor­kom­men­de Objek­te. Oder Objek­te, die zum bes­se­ren Ver­ständ­nis in eine natür­li­che Umge­bung gesetzt wer­den sollen.

Hier kom­men die bereits erwähn­ten Apps schnell an ihre Grenzen.

Adobe Draw

Ado­be Draw rich­tet sich an Men­schen, die unter­wegs eine Skiz­ze fest­hal­ten wol­len, um sie spä­ter auf dem Rech­ner aus­zu­ar­bei­ten. Da die App von Ado­be stammt, ist sie her­vor­ra­gend an die aktu­el­le Crea­ti­ve Cloud ange­bun­den. Wer einen Account besitzt, kann die Funk­tio­na­li­tät mit Hil­fe der App erheb­lich erweitern.

Aber mal von vorne.

Nach dem Star­ten bit­tet die App um die Aus­wahl eines gewünsch­ten Bild­for­mats (das lässt sich auch spä­ter noch ändern), um mit einer lee­ren „Lein­wand“ zu begin­nen. Man stellt das Zei­chen­werk­zeug (Stift, Pin­sel, etc.) auf die gewünsch­te Far­be ein, wählt Strich­stär­ke und Deck­kraft, und dann malt man mit dem Stift sehr flüs­sig auf der Glas­flä­che des Tablets.

Zusätz­lich bie­tet die App aber auch die Mög­lich­keit, meh­re­re Ebe­nen anzu­le­gen und die­se umzu­schich­ten, ihre Deck­kraft zu ver­än­dern oder sie zu löschen – wie bei den gro­ßen Brü­dern eben auch. Auf die­se Ebe­nen kön­nen auch bereits vor­han­de­ne For­men gelegt wer­den, die bei­spiels­wei­se mit Ado­be Cap­tu­re erstellt in einer Biblio­thek abge­legt wur­den.2

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Die Kom­po­si­ti­on aus Foto, „gecap­turetem“ Bild (das Kreuz) und Bema­lung mit Pin­sel. Rechts sind die Ebe­nen zu sehen.

Nach kur­zer Ein­ge­wöhn­nungs­zeit las­sen sich damit recht über­zeu­gen­de Figu­ren und For­men zeich­nen, die dann in der Pro­jekt­bi­blio­thek abge­legt wer­den. (Ein Pro­jekt kann auch meh­re­re Zeich­nun­gen umfas­sen, so dass sich zu einem The­ma gan­ze Blatt­samm­lun­gen zusam­men­stel­len lassen.)

Die Zeich­nung wird anschlie­ßend an einen Rech­ner mit einer Crea­ti­ve Cloud-Lizenz über­ge­ben – sofern er sich im glei­chen Netz­werk befin­det und mit dem glei­chen Account ange­mel­det ist. Zeich­nun­gen, die mit Draw erstellt wur­den, lan­den als SVG auf dem Rech­ner, der umge­hend das Pro­gramm startet.

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Die Gra­fik in Illus­tra­tor. Die Ebe­nen blei­ben erhalten.

Auf dem Rech­ner wird das Bild nach­be­ar­bei­tet. Dort erstell­te Grup­pen kön­nen dann wie­der in die Biblio­thek der Crea­ti­ve Cloud kopiert wer­den, wo sie auch für Ado­be Draw zur Ver­fü­gung ste­hen. Und da schließt sich der Kreis.

Einschränkung

Was momen­tan noch fehlt, ist die Mög­lich­keit, die Gra­fi­ken als PDF direkt in eine ande­re App zu kopie­ren. Sie muss der­zeit erst als PDF per „Sharing“ in einen ande­ren Cloud-Dienst expor­tiert werden.

Fazit

Eine sehr edle und auch sehr robus­te Vor­ge­hens­wei­se, Bil­der und Skiz­zen anzufertigen.

Die Ide­en muss man aller­dings selbst haben.


  1. Man erkennt sie ent­ge­gen land­läu­fi­ger Mei­nung nicht an der schwar­zen Bril­le oder Klei­dung – wer so her­um­läuft, folgt einem Mode­trend. 

  2. Ado­be Cap­tu­re ist eine eben­falls kos­ten­lo­se App, mit der sich Farb­pa­let­ten aus Bil­dern oder mit Hil­fe der Kame­ra erstel­len las­sen oder auch Fotos anhand ihrer Kon­tu­ren als Strich­gra­fi­ken erfasst wer­den kön­nen.