Unse­re Arbeits­welt ver­än­dert sich schnel­ler als es man­cher Zeit­ge­nos­se ver­ar­bei­ten kann. Das lässt sich nicht ändern. Man kann aber sein Werk­zeug und sei­ne Vor­ge­hens­wei­se an die Ver­än­de­run­gen anpassen.

Arbeiten vor „Urzeiten“

Es ist noch nicht lan­ge her, da hat der durch­schnitt­li­che Ange­stell­te mor­gens nach dem Kaf­fee sei­ne Stul­len in die Akten­ta­sche gesteckt, das Haus ver­las­sen, unter­wegs eine Tages­zei­tung gekauft und auf dem Weg zur Arbeit im Bus oder in der Stra­ßen­bahn die Schlag­zei­len gele­sen. Im Büro ange­kom­men, wur­de der Com­pu­ter ein­ge­schal­tet und wäh­rend die­ser noch die Bytes durch­zähl­te, ging man sich einen Kaf­fee holen, tausch­te sich mit Kol­le­gen über die neu­es­ten Inter­na aus und – am Arbeits­platz ange­kom­men – wur­den E-Mails gele­sen und das Arbeits­pen­sum des Tages durchgeplant.

Am Ende des Tages fuhr man den Rech­ner her­un­ter und mach­te sich auf den Heim­weg. Die Arbeit blieb lie­gen bis zum nächs­ten Tag, denn man konn­te und durf­te sie nicht mit nach Hau­se neh­men.1

Han­dys waren das zwei­fel­haf­te Pri­vi­leg der lei­ten­den Ange­stell­ten, die zwar damit ihren Sta­tus zeig­ten, aber dies auch mit dem Zwang zur stän­di­gen Erreich­bar­keit erkauf­ten. Der nor­ma­le Ange­stell­te hat­te zwar ein viel­leicht ein eige­nes Han­dy, da aber pri­va­te Tele­fo­na­te wäh­rend der Arbeits­zeit nicht tole­riert waren, blieb das Han­dy in der Akten­ta­sche. Beruf­li­che Num­mern (mehr als tele­fo­nie­ren konn­te man eh nicht) waren sowie­so nicht drauf, denn dazu hat­te man ja das Fir­men­te­le­fon. Am Frei­tag ging man frü­her nach Hau­se, weil am spä­ten Nach­mit­tag die IT-Abtei­lung die Netz­wer­ke und Com­pu­ter war­te­te, Updates ein­spiel­te oder Daten archivierte.

Arbeit war Arbeit und Schnaps war Schnaps.

Kein Mensch wäre dar­auf gekom­men oder hät­te es sogar begrüßt, wenn man ihm pro­gnos­ti­ziert hät­te, wie sei­ne gere­gel­te Arbeits­welt inner­halb von nur zehn Jah­ren kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nisch völ­lig umge­krem­pelt wür­de. Und was das für ihn bedeutet.

Neue Anforderungen

Auch wenn so wie oben beschrie­ben tat­säch­lich noch in man­chen Unter­neh­men oder Abtei­lun­gen gear­bei­tet wird – die­se Arbeits­wei­se stirbt aus, denn die stren­ge phy­si­sche Tren­nung zwi­schen Arbeit und Frei­zeit lässt sich in immer weni­ger Unter­neh­men und Abtei­lun­gen durchhalten.

Und sie ist auch nicht mehr not­wen­dig, denn die­se Tren­nung setzt straf­fe Hier­ar­chi­en vor­aus, die jedoch zu unfle­xi­bel sind, um krea­tiv und zügig die auf­tre­ten­den Pro­ble­me und Anfor­de­run­gen zu meis­tern: Wer kurz vor Fei­er­abend einen Anruf aus Indi­en bekommt, kann mit der Rück­fra­ge beim Chef nicht 16 Stun­den war­ten, bis die­ser mor­gens wie­der im Büro ist. Dann ist näm­lich mög­li­cher­wei­se ent­we­der das Pro­blem bereits eska­liert oder der Auf­trag weg.

Eine enge­re inter­na­tio­na­le Ver­net­zung der Infor­ma­tio­nen und der Kom­mu­ni­ka­ti­on erfor­dert mehr Fle­xi­bi­li­tät beim Ange­stell­ten – sowohl im Hin­blick auf sei­ne Ver­füg­bar­keit, als auch auf sei­ne Eigen­stän­dig­keit. Der durch­schnitt­li­che Ange­stell­te muss in Zukunft auch noch am Sams­tag erreich­bar sein – und daher auch die benö­tig­ten Infor­ma­tio­nen erhal­ten oder errei­chen können.

Auch wenn dies momen­tan eher der Arbeits­wei­se von Selbst­stän­di­gen ent­spricht – in einer Welt, die immer stär­ker ver­netzt ist, haben indus­tri­ell gepräg­te Arbeits­zeit­mo­del­le mit ihrer stren­gen Tren­nung kei­ne Chan­ce mehr. Die­se Ver­än­de­run­gen betref­fen aber nicht nur die gesell­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­on der Arbeits­welt (Stich­wort „post-indus­tri­ell“), auch die Tech­nik reagiert darauf.

Die Antwort der Technik

Die Tech­nik (sowohl als Vor­ge­hens­wei­se wie auch als Werk­zeug) kann – auch wenn sie das manch­mal vor­gibt – nicht gesell­schaft­li­che oder poli­ti­sche Pro­ble­me lösen. Dafür ist sie nicht da. Sie kann aber Werk­zeu­ge und Mit­tel anbie­ten, mit den Her­aus­for­de­run­gen bes­ser zurechtzukommen.

Da in einer zuneh­mend glo­ba­li­sier­ten Arbeits­welt die Kom­mu­ni­ka­ti­on eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen dar­stellt, beschäf­ti­gen sich auch gan­ze Indus­trie­zwei­ge fast aus­schließ­lich mit die­sem The­ma.2

Die Ant­wor­ten dar­auf kön­nen sich sehen las­sen: Inter­net, Smart­pho­nes und audio­vi­su­el­le Nach­rich­ten­diens­te errei­chen in kür­zes­ter Zeit mehr Men­schen als dies jemals in der Geschich­te mög­lich war.

Die­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel grei­fen dabei auf etwas zurück, das sowie­so schon die gan­ze Zeit „ein­ge­schal­tet“ ist, ob wir es wahr­neh­men oder nicht: unser Verstand.

Wäh­rend unse­rer Wach­zeit arbei­tet näm­lich unser Ver­stand unauf­hör­lich: beim Blu­men­gie­ßen kommt die Idee zu einer Ver­bes­se­rung der Arbeits­vor­be­rei­tung, beim Pen­deln im Bus beschließt man, das Gespräch mit dem Chef mit einem Ver­bes­se­rungs­vor­schlag zu ver­bin­den, auf dem Heim­weg über­legt man, sich über eine Unklar­heit schlau zu machen, die wäh­rend einer Bespre­chung auf­ge­tre­ten ist, außer­dem woll­te man dem Schul­freund noch zum Geburts­tag gra­tu­lie­ren – unab­läs­sig ver­ar­bei­ten wir Infor­ma­tio­nen. Wir den­ken, pla­nen, ver­wer­fen, kon­trol­lie­ren und bewer­ten unun­ter­bro­chen – auch wäh­rend wir uns auf den ers­ten Blick mit ganz ande­ren Din­gen befas­sen. Oft kom­men und gehen die Gedan­ken schnel­ler als man sie zu dem Zeit­punkt fest­hal­ten kann. Und nur kur­ze Zeit spä­ter sind sie schon wie­der ver­schwun­den. Die meis­ten der Gedan­ken sind es viel­leicht nicht wert, gespei­chert zu wer­den, aber das lässt sich zu die­sem Zeit­punkt noch nicht erken­nen. Wir müs­sen sie also zumin­dest kurz­fris­tig fixie­ren oder kom­mu­ni­zie­ren – denn für das Spei­chern ist der Ver­stand nicht gemacht (sie­he auch hier).

Werkzeuge

Eine ein­fa­che Lösung die­ses Pro­blems sind Notiz­blö­cke, in denen die Infor­ma­tio­nen gespei­chert und sor­tiert wer­den. Aller­dings: Nie­mand besitzt die Fähig­keit, sie unab­läs­sig zu fül­len und zu kon­trol­lie­ren, wäh­rend man eigent­lich etwas ande­res macht. Für Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung (die auch eine pro­duk­ti­ve Tätig­keit ist) benö­tigt man etwas Ruhe und und vor allem Kon­zen­tra­ti­on. Und bes­se­re Werkzeuge.

Für Foto­gra­fen ist die bes­te Kame­ra immer die, die sie gera­de dabei haben. So ist es auch mit den Werk­zeu­gen: das bes­te Werk­zeug, ist das, das gera­de zur Ver­fü­gung steht. Ein leis­tungs­fä­hi­ger Com­pu­ter nutzt mir im Bus wenig, wenn ich nur mei­ne E-Mails lesen und beant­wor­ten möch­te. Die wenigs­ten Lap­tops sind in der Lage, SMS oder Whats­App-Nach­rich­ten zu schi­cken. Und mit kei­nem Smart­pho­ne lässt sich ver­nünf­tig eine Prä­sen­ta­ti­on erstellen.

Vor der Wahl des Werk­zeugs steht daher die Fra­ge nach dem Ein­satz­zweck: „Was mache ich damit und was will ich damit machen?“ und „Zu wel­chem Zeit­punkt mache ich das?“ – Für die täg­li­che Auf­ga­ben­pla­nung benö­tigt man kei­ne Ren­der­farm, für einen Text ist aber ein Smart­pho­ne viel­leicht zu unprak­tisch. So wie es kei­ne Spra­che gibt, die alle ver­ste­hen, gibt es auch kein Werk­zeug, mit dem sich alle Arbei­ten zu jedem Zeit­punkt erle­di­gen lassen.

In der fol­gen­den Gra­fik habe ich daher skiz­ziert, wel­che der Werk­zeu­ge (sprich: Hard­ware), wann benö­tigt wird.

Tools

*) Nicht unbe­dingt benö­tigt bzw. nur ein­ge­schränkt nutzbar

Einschränkungen

Dass ein Smart­pho­ne natür­lich in (oder auf) einem Fahr­zeug vom Fah­rer nicht benutzt wer­den soll­te, ver­steht sich von selbst (außer mit Frei­sprech­an­la­ge). Auch in Büros wird die Ver­wen­dung eines eige­nen Smart­pho­nes nicht ger­ne gesehen.

Aber auch ein Lap­top ist unter­wegs nicht unbe­dingt „das Gel­be vom Ei“, da er nur zur Kom­mu­ni­ka­ti­on taugt, falls er ein Modem ein­ge­baut hat. Andern­falls muss man ihn mit einem Smart­pho­ne mit dem Inter­net ver­bin­den (sofern im Bus oder in der Bahn kein WLAN vor­han­den ist). Mobil sind die Daten zwar auf dem Lap­top, aber kom­mu­ni­zie­ren funk­tio­niert nur über Umwege.

Zuhau­se lie­gen meist kei­ne Arbei­ten an, für die ein sta­tio­nä­rer PC erfor­der­lich ist (außer für Com­pu­ter­spie­le, aber das nimmt bei den meis­ten Benut­zern nicht den gan­zen Tag ein). Für alle ande­ren Tätig­kei­ten tut es auch ein Lap­top, den man in der Woh­nung über­all hin­stel­len kann.

Fazit

Bevor man den Haus­halt mit Com­pu­tern voll­stellt oder beim Chef wegen eines Tablets vor­stel­lig wird, soll­te man wis­sen, wozu man das Geld aus­gibt und was man damit machen will. Die­se kri­ti­sche Refle­xi­on der eige­nen Bedürf­nis­se und Zie­le oder Wün­sche kann man näm­lich kei­nem Werk­zeug überlassen.

Denn letzt­lich ist es immer noch nur ein Werkzeug.

A fool with a tool is still a fool.“


Das Bild zu Beginn des Tex­tes stammt aus den USA. Auto­fah­ren ist auch unter dem Gesichts­punkt der Pro­duk­ti­vi­tät die inef­fi­zi­en­tes­te Form der Mobilität.


  1. Abge­se­hen davon, dass es wenig pro­duk­tiv ist, sich nach einem lan­gen Arbeits­tag auch noch am Fei­er­abend damit zu beschäf­ti­gen, wird es auch von Unter­neh­men nicht ger­ne gese­hen, wenn Infor­ma­tio­nen auf die­se Wei­se das Unter­neh­men ver­las­sen. 

  2. Nach dem Hen­ne-und-Ei-Prin­zip ent­stand in der glo­ba­li­sier­ten Wirt­schaft der Bedarf an glo­ba­li­sier­ter Tech­no­lo­gie, die dann wie­der­um eine Umstel­lung der Arbeits­ver­hält­nis­se nach sich zieht. Es ist also nicht so, dass das iPho­ne an der Glo­ba­li­sie­rung schuld wäre: selbst wenn man alle Smart­pho­nes ver­bie­tet, wer­den Sport­schu­he immer noch in Ost­asi­en pro­du­ziert – weil dies die größ­te Ren­di­te ver­spricht. Und der Kaf­fee käme wei­ter­hin aus den Tro­pen, auch wenn es in Island kein Inter­net gibt. Der welt­um­span­nen­de Han­del hat die Tief­see­ka­bel „erzeugt“, nicht umge­kehrt. Die Ableh­nung „moder­ner“ Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie ist in die­ser Hin­sicht an Sinn­lo­sig­keit kaum zu über­bie­ten.