Es muss ja nicht Schie­fer sein: die etwas viel­sei­ti­ge­re Ver­si­on – das Tablet – tut es ja auch. Neben dem gerin­gen Form­fak­tor hat ein Tablet den Vor­zug, ohne eige­ne Tas­ta­tur aus­zu­kom­men. Die Hard­ware und das Betriebs­sys­tem sind auf die Ein­ga­be mit Fin­gern und Stift aus­ge­legt. Der Benut­zer navi­giert nicht mehr durch Ver­zeich­nis­se, um ent­we­der ein Pro­gramm oder ein Doku­ment zu fin­den – er steigt über eine App ein, die ihm auf dem Bild­schirm ange­bo­ten wird.

Wir inter­agie­ren mit einer Plat­te aus Glas, die auf der Rück­sei­te bedampft ist. Alles, was auf dem Glas sicht­bar ist, kann bedient wer­den, alles dahin­ter bleibt ver­bor­gen. Wäh­rend noch bei einem „tra­di­tio­nel­len“ Rech­ner der unge­üb­te Bedie­ner über drei Schnitt­stel­len mit einem Com­pu­ter inter­agier­te – Bild­schirm, Maus und Tas­ta­tur -, und die­se koor­di­nie­ren muss­te, gibt es jetzt nur noch eine: den Bild­schirm. Ent­spre­chend stei­gen natür­lich nicht nur die Erwar­tun­gen an die Benutz­bar­keit, son­dern auch an die Funk­tio­na­li­tät die­ser Schnitt­stel­le. War der Bild­schirm bis­lang ledig­lich die pas­si­ve (opti­sche) Kon­troll­in­stanz für die akti­ve Ein­ga­be per Maus und Tas­ta­tur, muss er auf einem Smart­pho­ne oder Tablet alle Funk­tio­nen gleich­zei­tig erfül­len kön­nen.

Umso wich­ti­ger ist daher, dass auch Apps den gestie­ge­nen Anfor­de­run­gen gewach­sen sind: auf klei­nen Glas­plat­te muss Navi­ga­ti­on eben­so wie das Lesen und auch die Ein­ga­be per Fin­ger oder Bild­schirm­tas­ta­tur mög­lich sein. Außer­dem wird Platz benö­tigt für zahl­rei­che Pro­gramm­funk­tio­nen, die nicht stän­dig zur Ver­fü­gung ste­hen müs­sen. Bei der rei­nen Text­ein­ga­be wie in die­sem Blog ist das noch tri­vi­al, denn dazu wird ein­fach eine Tas­ta­tur ein­ge­blen­det, die sich durch Tip­pen bedie­nen lässt. Kom­ple­xer wird es bei Apps, die auch die Mani­pu­la­ti­on von Bil­dern erlau­ben (Dre­hen, Zoo­men). Aber auch das ist ledig­lich die Umset­zung der bei­den Ein­ga­be­werk­zeu­ge Maus und Tas­ta­tur, wie sie schon vom tra­di­tio­nel­len Com­pu­ter bekannt sind.

Das „Revo­lu­tio­nä­re“ – um die­sen über­stra­pa­zier­ten Begriff zu ver­wen­den – ist jedoch die Ein­ga­be mit dem Fin­ger oder Stift: das Krit­zeln auf der Glas­plat­te.

Da Fin­ger (zumin­dest mei­ne Fin­ger) aber wesent­lich unge­nau­er sind, bie­tet sich die Ver­wen­dung eines Stifts an, wie er schon aus den Zei­ten eine Nokia Navi­ga­tor oder eine Mess­a­ge­Pad des aus­ge­hen­den letz­ten Jahr­tau­sends bekannt ist. Kom­bi­niert mit der extrem ver­bes­ser­ten Leis­tungs­fä­hig­keit der Tablets und ihrer Bild­schir­me – und der damit ein­her­ge­hen­den gerin­gen Ver­zö­ge­rung bei der Ein­ga­be – ver­fü­gen aktu­el­le Gerä­te über eine Benutz­bar­keit, die dem Zeich­nen auf einem Blatt Papier ent­spre­chen, aber mehr Funk­tio­nen wie Art des Stifts, Strich­brei­te oder -far­be ermög­li­chen.

In den fol­gen­den Arti­keln stel­le ich meh­re­re Apps vor, die einen teil­wei­se sehr unter­schied­li­chen Ansatz ver­fol­gen und auch unter­schied­li­chen Ansprü­chen genü­gen sol­len, wenn es dar­um geht, die Glas­plat­te zum Malen oder Krit­zeln zu ver­wen­den. Den Anfang machen Apps, bei denen die Ein­ga­be­mög­lich­keit per Stift als eine Ergän­zung gese­hen wird, um bei­spiels­wei­se einen vor­han­de­nen Text oder ein vor­han­de­nes Bild zu ergän­zen1

Word, Excel PowerPoint und OneNote

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Auch wenn es auf den ers­ten Blick ein wenig unge­wöhn­lich aus­sieht, die Platz­hir­schen unter den Text­ver­ar­bei­tun­gen oder Tabel­len­kal­ku­la­tio­nen als eine App zu benut­zen, mit der man auch zeich­nen kann, es funk­tio­niert tat­säch­lich.2

Aller­dings ist Word zumin­dest mit iOS nicht dafür aus­ge­legt, neue Zeich­nun­gen zu erstel­len, son­dern vor­han­de­ne Doku­men­te zu „bema­len“, also Kom­men­ta­re in das Doku­ment hin­ein­zu­ma­len – so wie man das auch mit einem bun­ten Stift auf einem Papier­aus­druck macht. Das Tablet dient daher tat­säch­lich als Ersatz für ein gedruck­tes Doku­ment. Da die Anmer­kun­gen direkt im Quell-Doku­ment gemacht wer­den kön­nen, statt es zuvor zu expor­tie­ren (bei­spiels­wei­se als PDF) ver­hal­ten sie sich im Doku­ment wie eine über dem Text lie­gen­de Gra­fik. Sie kön­nen ent­spre­chend auch wie­der gelöscht wer­den – aller­dings nur, wenn das Doku­ment auch im Quell­for­mat geöff­net wird. Expor­tiert man das Doku­ment bei­spiels­wei­se als PDF, wer­den die Anmer­kun­gen „ein­ge­ba­cken“ und sind nicht mehr zu ent­fer­nen.

Im Gegen­satz zum „klas­si­schen“ Drei­ge­stirn aus Word, Excel und Power­Point ent­spricht One­Note der Vor­stel­lung, Text und Noti­zen zu mischen oder ganz auf Text zu ver­zich­ten, um eine Skiz­ze anzu­fer­ti­gen. One­Note besitzt wie auch Ever­no­te die Mög­lich­keit, ein­fa­che geo­me­tri­sche For­men auto­ma­tisch zu erken­nen, so dass ein Kreis auch wirk­lich wie ein sol­cher aus­sieht.

Fazit: Die Funk­tio­na­li­tät ist ide­al für Kor­rek­tu­ren in vor­han­de­nen Office-Doku­men­ten, ein umständ­li­ches „Round-Trip­ping“ (Inhal­te exportieren/​drucken und wie­der ein­fü­gen) ent­fällt. Wer also nur mal kurz Word-Doku­men­te auf dem Tablet kom­men­tie­ren möch­te, benö­tigt kei­ne wei­te­re Soft­ware.

Penultimate und Evernote

Pen­ul­ti­ma­te war ursprüng­lich ein eigen­stän­di­ges Pro­dukt, das von Ever­no­te auf­ge­kauft wur­de, und nun voll­stän­dig in das „Öko­sys­tem“ von Ever­no­te inte­griert ist. Die App geht – wie auch Ever­no­te – von der Meta­pher der Notiz­bü­cher aus, die man bei­spiels­wei­se the­ma­tisch getrennt anle­gen kann, um ein­zel­ne Skiz­zen schnel­ler wie­der­zu­fin­den.

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Mit dem Hin­ter­grund „Mil­li­me­ter­pa­pier“ sind auch tech­ni­sche Skiz­zen in Pen­ul­ti­ma­te mög­lich.

Beim Anle­gen einer neu­en Zeich­nung zeigt die App aller­dings wirk­lich, wozu sie fähig ist: dem Benut­zer wird eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Line­a­tu­ren und Sei­ten­zah­len für sein „Zei­chen­pa­pier“ ange­bo­ten, so dass man das Tablet nicht nur für Frei­hand­zeich­nun­gen, son­dern auch für Maß-Skiz­zen oder ähn­li­ches ver­wen­den kann.

Durch die enge Ein­bin­dung in Ever­no­te wer­den die Skiz­zen auto­ma­tisch in ein Ever­no­te-Notiz­buch über­tra­gen, das dann frei­ge­ge­ben wer­den kann (oder man ver­schiebt die Zeich­nung in ein ande­res Notiz­buch). Sie steht dadurch unmit­tel­bar auf allen ver­knüpf­ten Accounts und Rech­nern zur Ver­fü­gung (sie­he auch Arbei­ten mit Ever­no­te).

Fazit: Wer Ever­no­te und ein iPad besitzt (Pen­ul­ti­ma­te gibt es nur für iOS), kommt ohne die­ses kos­ten­lo­se (!) Tool nicht her­um.

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In Ever­no­te ist das Zeich­nen eher rudi­men­tär. Dafür ist die Funk­ti­on aber nicht unbe­dingt gedacht.

Nicht ganz so umfang­reich ist die Zei­chen­funk­ti­on in Ever­no­te selbst, die der von One­Note ähnelt. Auch hier kann das Pro­gramm ein­fa­che geo­me­tri­sche For­men erken­nen, so dass man einen Kreis, Recht­eck oder eine Linie nur annä­hernd zeich­nen muss. Der Nut­zen der Zei­chen­funk­ti­on liegt aller­dings nicht so sehr in der Erstel­lung von Frei­hand­zeich­nun­gen, son­dern in der Kom­men­tie­rung ein­ge­scann­ter oder foto­gra­fier­ter Objek­te:

  1. Das Objekt mit Scann­ab­le ein­scan­nen (ein Tablet ver­fügt ja über eine leis­tungs­fä­hi­ge Kame­ra) und als Notiz in Ever­no­te über­tra­gen. Oder ein Objekt mit Ever­no­te foto­gra­fie­ren. Das Foto wird als Notiz ange­legt.
  2. Die Notiz zum Bear­bei­ten öff­nen.
  3. Werk­zeug (Stift, Text, Sym­bo­le etc.) aus­wäh­len und Anmer­kun­gen hin­ein­zeich­nen.
  4. Spei­chern und „Fer­tig“ tip­pen.

Fazit: Die Zei­chen­funk­ti­on in Ever­no­te ist mul­ti­funk­tio­nal und ergänzt das Leis­tungs­spek­trum erheb­lich. Ein gro­ßer Plus­punkt ist die Mög­lich­keit, Zeich­nun­gen, die bei­spiels­wei­se auf einem iPad ein­ge­fügt wur­den, auch Andro­id- und Win­dows-Benut­zern umstands­los zur Ver­fü­gung stel­len zu kön­nen.

Im fol­gen­den Teil 2 beschäf­ti­gen wir uns mit Nota­bi­li­ty, einer wirk­li­chen App für alles, was mit der Hand auf einem Tablet auch gemalt und gezeich­net wer­den kann.


  1. Zu die­sen Apps zählt auch die App „PDF Expert“, die in einem vor­he­ri­gen Arti­kel bereits vor­ge­stellt wur­de. 

  2. Alle Kom­po­nen­ten ste­hen mit einem kos­ten­pflich­ti­gen Office-365-Kon­to auch als kos­ten­lo­se Apps zur Ver­fü­gung, wobei die Doku­men­te natür­lich pri­mär über die Micro­soft-eige­ne OneCloud ver­teilt wer­den. Es sind aber auch ande­re Cloud-Ser­ver dazu geeig­net.