Es ist kein Schreib­feh­ler: „HAT“ ist die Abkür­zung für „Help Aut­ho­ring Tool“ – die Soft­ware, die von Tech­ni­schen Redak­teu­ren benutzt wird, um klas­si­scher­wei­se Online­hil­fen zu erstel­len. Online­hil­fen wie­der­um sind die manch­mal auch ner­vi­gen Tex­te, die sich dahin­ter ver­ste­cken. Dabei liegt das gar nicht an den HATs, an den Werk­zeu­gen. Rich­tig ver­stan­den, sind HATs neben einem sünd­haft teu­ren und umständ­lich zu kon­fi­gu­rie­ren­den CMS die ver­mut­lich ein­zig prak­ti­ka­ble Lösung, um den Anfor­de­run­gen einer „Indus­trie 4.0“ und der glo­ba­li­sier­ten Ver­mitt­lung und Ver­tei­lung kom­ple­xer tech­ni­scher Kennt­nis­se gerecht zu werden.

Klingt sehr abstrakt?

Szenario

Stel­len wir uns fol­gen­des (fik­ti­ve) Sze­na­rio vor:

Ein Unter­neh­men der Medi­zin­bran­che baut Kom­po­nen­ten, die in Tisch­ge­rä­te ver­baut wer­den, um den Blut­druck von Pati­en­ten zu mes­sen, aus­zu­wer­ten und zu pro­to­kol­lie­ren. Sol­che Gerä­te wer­den aber in zahl­rei­chen Arzt­pra­xen welt­weit ein­ge­setzt, da sie zur Früh­erken­nung von Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen die­nen. Für das Unter­neh­men ist das eine Gold­gru­be, denn die­se Erkran­kun­gen sind die am wei­tes­ten ver­brei­te­te Zivi­li­sa­ti­ons­krank­heit – und gleich­zei­tig die durch recht­zei­ti­ge Erken­nung am leich­tes­ten vermeidbare.

Die Geschäfts­lei­tung freut sich, denn das bedeu­tet inter­na­tio­nal stei­gen­de Umsätze.

Für das Unter­neh­men bedeu­tet dies aber auch, den Umgang und Ein­satz des Pro­dukts sorg­fäl­tig zu doku­men­tie­ren. Denn das Ziel­pu­bli­kum sind kei­ne Tech­ni­ker, son­dern medi­zi­ni­sches Per­so­nal, das sich zu Recht lie­ber um Men­schen küm­mert als um Maschi­nen.1

Für den Redak­teur bedeu­tet dies:

  1. Wel­che Infor­ma­ti­on wird wann und wie benötigt?
  2. Wie ver­ständ­lich schrei­be ich für mein Publi­kum, wel­che gedank­li­chen und sprach­li­chen Ver­knüp­fun­gen muss ich berücksichtigen?
  3. Wel­che Spra­chen spre­chen mei­ne Leser?
  4. Wel­che zusätz­li­chen Infor­ma­tio­nen benö­ti­gen mei­ne Leser?
  5. Wel­che Sach­kennt­nis von den Gerä­te­funk­tio­nen haben mei­ne Leser?
  6. Mit wel­chen Gerä­ten /​ Medi­en grei­fen mei­ne Leser auf die Infor­ma­tio­nen zu?
  7. Was muss der Benut­zer tun, um die Infor­ma­ti­on zu erreichen?

Der Unter­neh­mens­lei­tung ist es prin­zi­pi­ell egal, wie die Infor­ma­tio­nen an den Kun­den kom­men, solan­ge es nicht zu viel kos­tet. Die Wahl des Werk­zeugs obliegt der Redak­ti­ons­ab­tei­lung, die zwar nicht über die finan­zi­el­le Ver­fü­gungs­ge­walt ver­fügt, aber die ein­zi­ge Abtei­lung ist, die effi­zi­ent mit dem Werk­zeug arbei­ten muss.2

hat-skizze
Je mehr Aus­gän­ge (Kanä­le) ein HAT hat, des­to besser.

Kriterien

Im Grun­de ist es gar nicht schwer, denn kein Mensch kann die Zukunft vor­her­sa­gen. Des­halb wäre es kurz­sich­tig vom Redak­teur, sich bei der Wahl des Werk­zeugs von den aktu­el­len Anfra­gen lei­ten zu las­sen. Im Gegen­teil, es muss das Ziel sein, sich so vie­le Optio­nen wie mög­lich offen zu hal­ten: Je spä­ter die Ent­schei­dung fal­len muss, auf wel­chem Kanal (Print oder Online, PDF, Papier, HTML, eBook, etc.) die Publi­ka­ti­on statt­fin­den soll (oder auf wel­chen Kanä­len), des­to bes­ser. Wer erst in einen Kanal publi­zie­ren muss (bei­spiels­wei­se DOCX), um dann mit Auf­wand (und dadurch natür­lich feh­ler­an­fäl­lig) in einen ande­ren Kanal (bei­spiels­wei­se HTML) zu publi­zie­ren, der ver­geu­det kost­ba­re Res­sour­cen und ver­ur­sacht stei­gen­de Frus­tra­ti­on. Denn es genügt nur eine klei­ne und der gesam­te Pro­zess muss wie­der von vor­ne durch­lau­fen werden.

Es wäre also nur sinn­voll und zweck­mä­ßig, bei der Wahl der Soft­ware nicht nur einen mög­li­chen Aus­ga­be­ka­nal im Blick zu haben, son­dern mög­lichst viele.

Das kön­nen HATs.

Möglichkeiten

Ursprüng­lich dafür aus­ge­legt, Online­hil­fen zu erstel­len (also jene klei­nen Doku­men­ten­samm­lun­gen, die als Inter­net­sei­ten daher­kom­men), haben sie sich dar­über weit hin­aus ent­wi­ckelt: Meist basie­ren sie auf HTML, das mit her­stel­ler-eige­nen Ele­men­ten und Scripts ange­rei­chert wur­de. HTML aber hat wie sein gro­ßer Bru­der XML den Vor­teil der Tren­nung von Inhalt und Aus­se­hen. Das Lay­out und die Anmu­tung wird zen­tral von einer Datei gesteu­ert (CSS) und muss vom Redak­teur nicht ange­fasst wer­den. Letz­te­rer kann sich auf den Inhalt kon­zen­trie­ren. Das Lay­out selbst ist belie­big erwei­ter­bar und kann je nach Ziel­for­mat (oder Kanal) ange­passt vor­lie­gen. Ein PDF-Lay­out für die Mon­ta­ge mit gro­ßen Bil­dern, ein HTML-Lay­out für den Bedie­ner mit Ani­ma­tio­nen, ein eBook-Lay­out für den Ser­vice mit allen Tabellen …

Der Redak­teur wählt das gewünsch­te Lay­out aus, das HAT sucht sich die ent­spre­chen­den Inhal­te zusam­men und gibt die Infor­ma­ti­on im gewünsch­ten Kanal aus – und man­che HATs kopie­ren die fer­tig auf­be­rei­te­ten Infor­ma­tio­nen dann auch gleich auf den Ser­ver, von wo sie dann im Inter­net bereit­ge­stellt wer­den oder der Tech­ni­ker auto­ma­tisch über ein Update per Nach­richt oder E-Mail infor­miert wird.

Klar, Redak­ti­ons­sys­te­me kön­nen das auch und noch viel mehr. Aber die kos­ten auch ein Viel­fa­ches und sind wesent­lich auf­wän­di­ger bei der Imple­men­tie­rung. Oft genügt schon eine klei­ne­re Lösung, die fast genau­so kom­for­ta­bel, aber schnel­ler ein­setz­bar ist. Ein HAT beispielsweise…


  1. Nor­ma­le Men­schen“ also, die aus der Sicht des Tech­ni­kers auch „DAU“ genannt wer­den. 

  2. Manch­mal ver­sucht sich hier auch die Mar­ke­ting­ab­tei­lung ein­zu­mi­schen, die ja auch für Mes­sen oder Aus­stel­lun­gen Infor­ma­tio­nen erstellt, sie hat aber ande­re Anfor­de­run­gen und erschwert erfah­rungs­ge­mäß die Wahl eines geeig­ne­ten Werk­zeugs.