Eigent­lich schrei­be ich nicht über Hard­ware. Ers­tens bin ich dazu nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert, und zwei­tens ist das an die­ser Stel­le auch nicht der rich­ti­ge Platz. Hier geht es nor­ma­ler­wei­se um Werk­zeu­ge im Umfeld der Tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on. Ande­rer­seits: Viel­leicht gera­de deshalb.

Alltag

Geneh­mi­gen wir uns einen Aus­flug in die Arbeitswelt.
Ein Blick auf den Schreib­tisch des Tech­ni­schen Redak­teurs offen­bart Bewähr­tes: Da steht ein Tele­fon (bei Selbst­stän­di­gen auch ger­ne ein Smart­pho­ne), ein Com­pu­ter mit Bild­schirm und Tas­ta­tur und Maus, eine Kaf­fee­tas­se (oder Tee), ein Dru­cker ist in erreich­ba­rer Nähe und eine Men­ge Papier und Stif­te lie­gen herum.
Manch­mal lun­gert noch einer die­ser omi­nö­sen abschließ­ba­ren Roll­con­tai­ner unter dem Tisch, des­sen Exis­tenz sich ab und zu vor allem im Som­mer schmerz­haft bemerk­bar macht, wenn die Füße nicht in dicken Schu­hen ste­cken.1 Auf dem Tisch sam­meln sich in den Ecken die Krü­mel zwi­schen­durch ver­zehr­ter Kek­se und ein dicker Sta­pel von Abla­ge­fä­chern füllt sich auf geheim­nis­vol­le Art immer wie­der neu – Sie wis­sen, was ich meine.

Früher

Nun ist es aber so, dass bis zur letz­ten Jahr­tau­send­wen­de der Arbeits­platz des Tech­ni­schen Redak­teurs mit der Tätig­keit einer Spin­ne ver­gleich­bar war: wie eine Spin­ne im Netz war­te­te der Redak­teur dar­auf, dass die Infor­ma­tio­nen zu ihm geflo­gen kamen und dann kraft der Ein­zig­ar­tig­keit und Unbe­liebt­heit sei­ner Arbeit alles auf sei­nem Tisch lan­de­te. Jede Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen von „A“ wie „Arbeits­blatt“ bis „Z“ wie „Zahn­rad­schmie­rung“ muss­te über sei­nen Schreib­tisch und damit durch den Abla­ge­sta­pel und die Tas­ta­tur in den Com­pu­ter unter dem Tisch. In die­sem wur­den die Infor­ma­tio­nen ver­ar­bei­tet, per Daten­trä­ger oder Kabel an die ande­ren Abtei­lun­gen und den Dru­cker wei­ter­ge­lei­tet und danach die Rück­mel­dun­gen wie­der ein die­sen Kreis­lauf aus sta­tio­nä­rem Rech­ner und Papier­aus­ga­be eingespeist.
Damit kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se auf­kom­men: das ist immer noch weit ver­brei­tet. Vor allem in klei­nen Unter­neh­men, die auch tech­no­lo­gisch damit kämp­fen, in die­sem Jahr­tau­send anzu­kom­men. Denn die Pro­zes­se, wie Sie oben beschrie­ben sind, gel­ten ja nicht nur für die Tech­ni­sche Redak­ti­on, son­dern für alle Infor­ma­ti­ons­läu­fe in der Orga­ni­sa­ti­on2. Allen gemein­sam ist eine gewis­se Resi­li­enz gegen­über Anpas­sungs­pro­zes­sen, selbst wenn die­se lang­fris­tig mehr Effi­zi­enz versprechen.

Aber zurück zur Technischen Redaktion

Die sta­tio­nä­re Arbeits­wei­se ist im Zuge der Glo­ba­li­sie­rung zuneh­mend unter Druck gera­ten: es wird auch vom Redak­teur ver­langt, dass er zu den Pro­duk­ten geht und nicht die Pro­duk­te auf sei­nem Schreib­tisch oder in der Hal­le um die Ecke ste­hen. Glo­ba­li­sie­rung bedeu­tet ja auch, dass ein Pro­dukt nur noch teil­wei­se lokal her­ge­stellt wird. Zuneh­mend wer­den Kom­po­nen­ten von spe­zia­li­sier­ten Her­stel­lern welt­weit gefer­tigt und direkt an den Ort gelie­fert, an denen das fer­ti­ge Pro­dukt in Betrieb genom­men wird – im Anla­gen­bau ist das nor­mal, es gilt aber auch für rela­tiv über­schau­ba­re Pro­duk­te wie Kame­ra­sys­te­me oder Sensoren.
Vom Tech­ni­schen Redak­teur wird zuneh­mend ver­langt, dass er das voll­stän­di­ge Pro­dukt doku­men­tiert und nicht von allen Kom­po­nen­ten, die nicht auf sei­nen Tisch pas­sen oder in der Hal­le um die Ecke ste­hen, ein­fach eine Bau­teil­zeich­nung oder eine Pro­dukt­spe­zi­fi­ka­ti­on an die Doku­men­ta­ti­on „anpappt“. Nur bei­le­gen genügt näm­lich nicht. Mit ande­ren Wor­ten: Wenn der Berg nicht zu Moses kommt, muss Moses zum Berg. Der Tech­ni­sche Redak­teur ist zuneh­mend gefragt, mobil zu wer­den. Er fährt für die Recher­che und Kun­den­ter­mi­ne, für Bespre­chun­gen und auch zur Abklä­rung von Sach­fra­gen zum Pro­dukt, weil sich man­cher Sach­ver­halt eben nur durch per­sön­li­chen Kon­takt oder Umgang mit dem Pro­dukt ver­ste­hen las­sen.3
Nun kann man zu einem Ter­min fah­ren, sich dort alle Daten zei­gen las­sen, Stich­punk­te auf einem Block notie­ren und dann am nächs­ten Tag ver­su­chen, aus dem schlau zu wer­den, was man sich auf­ge­schrie­ben hat­te (falls man über­haupt Noti­zen gemacht hat) – nur um fest­zu­stel­len, dass man die Hälf­te ver­ges­sen hat­te zu fra­gen oder sich Fol­ge­pro­ble­me erge­ben, die schnel­ler auf­ge­fal­len wären, hät­te man sich bes­ser vor­be­rei­tet oder zwi­schen­durch nachgefragt.

mobileistung

Technik

Eigent­lich wür­de ein Schreib­block genü­gen. Eigent­lich. Dann aber kann man bei­spiels­wei­se auf der Rück­fahrt von der Bespre­chung oder der Recher­che die Inhal­te, die jetzt noch frisch im Gedächt­nis sind, nicht anhand der Noti­zen auf­be­rei­ten. Außer­dem kann man nicht kon­trol­lie­ren, ob die in Aus­sicht gestell­ten Ter­mi­ne und Zusa­gen so über­haupt umsetz­bar sind – und man kann auch kei­ne Auf­wands­ab­schät­zung trei­ben, die sich kom­mu­ni­zie­ren lie­ße. Denn Ter­min­ka­len­der, Kon­takt­da­ten, Fotos und Noti­zen befin­den sich auf sehr unter­schied­li­chen Medi­en. Wer einen Notiz­block hat, benö­tigt also noch wie frü­her zumin­dest ein Tele­fon mit Adress­buch und Kalen­der. Die Bil­der sind in der Kame­ra – aber vor allem die Noti­zen und die Skiz­zen lie­gen trotz­dem immer noch auf Papier herum.
Um Abhil­fe zu schaf­fen, kann man zumin­dest die Noti­zen per Kame­ra des Smart­pho­nes foto­gra­fie­ren und in einem digi­ta­len Notiz­buch able­gen. Oft hel­fen die­se digi­ta­len Notiz­bü­cher auch dabei, zusätz­lich Noti­zen zu den Bil­dern hin­zu­zu­fü­gen (sie­he auch Das Ever­no­te-Scann­ab­le-Team: Davon träu­men Smart­pho­nes). Aller­dings befin­den sie sich auf einem Smart­pho­ne, das zwar extrem trag­bar und mobil ist, aller­dings hin­sicht­lich der Leis­tungs­fä­hig­keit zu wün­schen übrig lässt:4 Der Bild­schirm eines Smart­pho­nes ist trotz der fast schon unhand­li­chen Grö­ße eigent­lich immer noch zu klein, um dar­auf zu schreiben.
Vie­le Redak­teu­re grei­fen daher zu einem Lap­top, bei dem man zwar in Hin­blick auf rei­ne Rechen­power im Ver­gleich zum sta­tio­nä­ren Rech­ner Abstri­che machen muss, die aber zumin­dest trag­bar sind und damit eigent­lich fast schon in die Kate­go­rie der Mobil­ge­rä­te fal­len, auch wenn sie nicht deren Viel­sei­tig­keit im Hin­blick auf Aus­stat­tung (Bewe­gungs­sen­sor, GPS etc. besit­zen. Abge­se­hen davon, dass Redak­teu­re die schie­re Rechen­power der sta­tio­nä­ren Rech­ner (PCs) so gut wie nie aus­rei­zen, kom­men jene fast nur noch des­halb zum Ein­satz, weil sie so bil­lig sind. Und des­we­gen ste­hen sie in den Redak­ti­ons­stu­ben auch noch her­um: die Arbeits­welt ver­langt zwar zuneh­mend nach Mobi­li­tät, der güns­ti­ge Preis zwingt den Redak­teur aber dazu, wei­ter­hin inef­fi­zi­ent zu arbei­ten, weil er sein Arbeits­ge­rät nicht mit­neh­men kann. Es ist ein Dilem­ma: spart man das Geld für ein bes­se­res Werk­zeug, kos­tet die man­geln­de Effi­zi­enz Geld.5

Ausweg

Es ist daher nur all­zu ver­ständ­lich, wenn Redak­teu­re ver­su­chen, sich zumin­dest Lin­de­rung zu ver­schaf­fen, indem sie auf Lap­tops aus­wei­chen. Auch die­se sind – wenn auch mit Ein­bu­ßen bei der Rechen­leis­tung – durch­aus imstan­de, die täg­lich anfal­len­den Arbei­ten wie Text- und Bild­be­ar­bei­tung, Gra­fi­ker­stel­lung und Datei­ver­wal­tung zu erle­di­gen. Dar­über­hin­aus kön­nen alle Pro­gram­me und Sys­te­me, die für den sta­tio­nä­ren Rech­ner ange­schafft wur­den und für die Arbeit benö­tigt wer­den, ohne Anpas­sun­gen wei­ter­hin ver­wen­det werden.
Wer statt eines sta­tio­nä­ren Rech­ners nur einen trag­ba­ren benutzt, muss sich auch nicht mehr um die Syn­chro­ni­sa­ti­on der Daten küm­mern – aller­dings zu einem höhe­ren Preis.

connectedcomputers

Mobilität der Information

Die Mobi­li­tät hat des Redak­teurs und sei­nes Werk­zeugs hat Kon­se­quen­zen, die sich in den letz­ten Jah­ren ver­stärkt bemerk­bar macht: nicht nur Mensch und Maschi­ne wol­len mobil sein – die Infor­ma­ti­on, um die es ja in ers­ter Linie ging – will es auch. Lap­tops zeich­nen sich nicht mehr durch eine Fest­plat­ten­ka­pa­zi­tät aus, mit der sie bei den PCs mit­hal­ten kön­nen, son­dern durch ihre Fähig­kei­ten, sich schnell und sicher in Netz­wer­ken zu bewe­gen. Die schie­re Anzahl der Schnitt­stel­len ist nicht mehr ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um, son­dern die Fähig­keit, auf Daten zugrei­fen zu kön­nen, die in ver­schie­de­nen Rechen­zen­tren auf dem Glo­bus ver­wal­tet werden.
Es ist fast schon nor­mal, wenn der Redak­teur sich über einen Ser­ver in Stutt­gart ein­wählt auf ein Sys­tem, das in Sin­ga­pur gehos­tet wird, nur um Daten aus den USA für einen pol­ni­schen Schalt­kreis­her­stel­ler zu bear­bei­ten. Die­ser Job ist nicht mehr an einen bestimm­ten Arbeits­platz gebun­den – im Gegen­teil: bei Fra­gen oder Pro­ble­men muss der Redak­teur in der Lage sein, den Admi­nis­tra­tor in Indi­en oder den Pro­gram­mie­rer in Isra­el zu kon­tak­tie­ren – über Zeit­zo­nen hinweg.
Dies funk­tio­niert aber nicht mehr, indem man Infor­ma­tio­nen per Daten­trä­ger aus­tauscht, son­dern indem sie über ein (zugriffs­ge­re­gel­tes) Netz­werk allen Benut­zern zur Ver­fü­gung stehen.
Das geht nicht ohne die Cloud. Wenn aber schon die Cloud dafür not­wen­dig ist, müs­sen auch alle Gerä­te, die eben­falls über die Cloud mit­ein­an­der ver­bun­den sind und Infor­ma­tio­nen aus­tau­schen (selbst wenn es nur simp­le Adress­da­ten sind) ent­spre­chend ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit dar­auf Zugriff haben. Vor dem Hin­ter­grund, dass die Leis­tungs­da­ten sowohl tech­nisch als auch in ihrer Viel­sei­tig­keit bei den Mobil­ge­rä­ten fast expo­nen­ti­ell zuneh­men, ist es mitt­ler­wei­le sogar ein Aus­schluss­kri­te­ri­um für Soft­ware, wenn sie die Infor­ma­tio­nen nicht per Cloud anbie­ten kann.

Tablets

Eine Schlüs­sel­stel­lung neh­men in die­ser Hin­sicht die Tablets ein: sie sind unhand­li­cher als Smart­pho­nes, aber bes­ser geeig­net als Lap­tops, die Viel­zahl der Cloud-Ser­vices zu nut­zen (oder haben Sie schon mal eine Gra­fik mit dem Lap­top gescannt?). Sie sind fast so viel­sei­tig wie Smart­pho­nes und mit Hil­fe der Fin­ger oder eines spe­zi­el­len Stifts auch bei­na­he so bequem zu hand­ha­ben wie ein Schreibblock.
Sie besit­zen ansatz­wei­se mitt­ler­wei­le die Leis­tungs­da­ten eines Lap­tops (mit einem aktu­el­len Tablet ste­chen Sie jedes ein­fa­che Net­book locker aus6 und Tablets fül­len mitt­ler­wei­le eine Lücke, die durch die Ver­brei­tung der Cloud-Ser­vices (bei­spiels­wei­se Office 365, Ever­no­te, Drop­box und auch die Ado­be Cloud) ent­stan­den ist: Es wer­den kei­ne bis an die Zäh­ne auf­ge­rüs­te­ten Lap­tops mehr benö­tigt, es wer­den Gerä­te benö­tigt, die eine bes­se­re Usa­bi­li­ty für den Redak­teur bie­ten als Smartphones.
Die­se Lücke wird durch die zuneh­men­de Ver­wen­dung der Cloud-Ser­vices immer grö­ßer und drückt die Lap­tops an den Rand. Die­se Erfah­rung machen auch seit eini­gen Jah­ren zahl­rei­che PC-Her­stel­ler, die sich über sin­ken­de Ver­kaufs­zah­len wundern.
Lap­tops wer­den zwar wei­ter­hin eine Nische fül­len, aber sie sind nicht mehr das allei­ni­ge Werk­zeug der Wahl, wenn es um Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung geht. Auf ihnen wer­den sicher noch in abseh­ba­rer Zeit Tex­te geschrie­ben und Gra­fi­ken erstellt wer­den. Aber die Musik spielt anderswo.
Tablets sind die Zukunft in der Tech­ni­schen Redak­ti­on – sowohl beim Kon­su­men­ten als auch beim Redakteur.


  1. Ich habe auch in ande­ren Län­dern noch nie Arbeits­plät­ze gese­hen, die sich davon groß­ar­tig unter­schei­den. Der inter­na­tio­na­le zivi­li­sa­to­ri­sche Fort­schritt, auf den die Tech­ni­sche Redak­ti­on ange­wie­sen ist, äußert sich auch in die­ser ubi­qui­tä­ren Aus­stat­tung. 

  2. Es sind ja nicht nur Indus­trie-Unter­neh­men, die so arbei­ten, son­dern auch öffent­li­che Ein­rich­tun­gen. Dort eher noch rück­stän­di­ger – was ver­mut­lich auch an der Schwer­fäl­lig­keit büro­kra­ti­scher Pro­zes­se liegt. 

  3. Ver­su­chen Sie mal, den Aus- und Ein­bau eines Trans­port­bands anhand des CAD-Modells zu ver­ste­hen und durch­führ­bar zu beschrei­ben. 

  4. Unter Leis­tungs­fä­hig­keit geht es nicht um die tech­ni­schen Daten des Pro­zes­sors, denn da rücken die etwas teu­re­ren Mobil­ge­rä­te alle schon recht nahe an die Lap­tops her­an. Leis­tungs­fä­hig­keit ist hier im Hin­blick auf Nutz­bar­keit in den spe­zi­fi­schen Ein­satz­sze­na­ri­en der Redak­ti­on gemeint. 

  5. Die­ses Pro­blem haben aller­dings meist nur die Redak­teu­re, die über Anschaf­fun­gen mit­be­stim­men dür­fen. Der Redak­teur als unge­lieb­tes Kind hat in Unter­neh­men oft nur das, was ande­re Abtei­lun­gen nicht mehr haben wol­len… 

  6. Net­books – für die­je­ni­gen, die den Hype vor weni­gen Jah­ren nicht mit­be­kom­men hat­ten – sind jene Spar- und Schrumpf­va­ri­an­ten der Lap­tops, die klei­ne Fin­ger, schar­fe Augen und eine unter­durch­schnitt­li­che Anschluss­fä­hig­keit mit bil­ligs­ten Bau­tei­len zusam­men­zu­brin­gen ver­such­ten – mit sehr mäßi­gem Erfolg.