Nach 7 lan­gen Jah­ren hat Panik end­lich einen Nach­fol­ger des legen­dä­ren FTP-Cli­ents „Trans­mit“ her­aus­ge­bracht. Jetzt geht es in die Wol­ke.
Als die Vor­gän­ger­ver­si­on Trans­mit 4 noch neu war, war die „Cloud“ nur etwas für Nerds, die ver­such­ten, sich einen Online-Spei­cher ein­zu­rich­ten. Damals genüg­ten weni­ge Über­tra­gungs­pro­to­kol­le, um sich in ein Netz­werk oder an einen Ser­ver anzu­stöp­seln und mit ihm Datei­en aus­zu­tau­schen. Dafür war in ers­ter Linie das FT-Pro­to­koll (File Trans­fer Pro­to­col) da. Man mel­de­te sich mit Benut­zer­na­men und Pass­wort an und schob dann mun­ter Datei­en hin und her, ohne immer ihren Inhalt zu ken­nen bevor er auf der eige­nen Fest­plat­te lan­de­te.
Das ist heu­te gera­de­zu stein­zeit­lich, denn ein Cloud-Ser­vice wie die Drop­box erlaubt nicht nur das Hoch­la­den und Ver­wal­ten der Datei­en, son­dern auch ihre Betrach­tung und Bear­bei­tung – unmit­tel­bar im Brow­ser. Dafür muss man sich aller­dings eine klei­ne App des Anbie­ters instal­lie­ren, die den Daten­trans­fer im Hin­ter­grund abwi­ckelt: Man legt die Datei­en in einen bestimm­ten Ord­ner und den Rest über­neh­men Drop­box und Kon­sor­ten. Wer aber aber mit meh­re­ren Anbie­tern und Kun­den Datei­en über unter­schied­lichs­te Kanä­le aus­tau­schen muss (oder will), der ver­liert schnell die Über­sicht.

Der hei­mi­sche Rech­ner (oder auch der am Arbeits­platz) ist kei­ne Maschi­ne mehr, auf der man Daten bear­bei­tet und dann ver­teilt – der PC ist zu einem Ein­wahl­kno­ten gewor­den. Die Musik spielt in der Wol­ke. Das hat natür­lich auch Kon­se­quen­zen für die Art und Wei­se, wie wir Daten able­gen, denn auf der ein­ge­bau­ten Fest­plat­te sind sie weder mit einem ande­ren Gerät oder Mobil­rech­ner (Smart­pho­ne oder Tablet) erreich­bar, noch sind sie gegen Hard­ware-Defek­te geschützt. Von einer Zusam­men­ar­beit (Col­la­bo­ra­ti­on) ganz zu schwei­gen …

Auch hat sich das FTP-Pro­to­koll als äußerst begrenzt und unsi­cher erwie­sen. In den letz­ten Jah­ren sind daher neben Drop­box noch zahl­rei­che Daten­spei­cher und vor allem damit zusam­men­hän­gen­de Diens­te wie Back­bla­ze ent­stan­den, deren Auf­ga­be es ist, Daten sicher zu ver­stau­en, zu ver­tei­len und dem Benut­zer von jedem Punkt des Inter­nets aus den Zugriff zu ermög­li­chen. Heut­zu­ta­ge ver­teilt man kei­ne selbst gebrann­ten CDs mehr, von denen man erst dann weiß, ob die Daten dar­auf auch voll­stän­dig und intakt sind, wenn man sie in den PC am Arbeits­platz oder Zuhau­se steckt.1

Überall

Daten wol­len nicht nur sicher, son­dern auch erreich­bar sein, sie wol­len ver­teilt wer­den kön­nen und sofort zur Ver­fü­gung ste­hen – und die Infor­ma­tio­nen müs­sen für alle gleich­zei­git aktu­ell sein.

Das hat die Arbeits­welt ver­än­dert und auch die Art und Wei­se, wie mit Daten und Infor­ma­tio­nen umge­gan­gen wird. Es wur­de daher höchs­te Zeit, dass Trans­mit eine neue Ver­si­on sei­nes Tools auf­legt. Und das ist auch pas­siert. Ab sofort hat man mit Trans­mit Zugriff auf alle Diens­te, die Daten über das Inter­net bereit­stel­len (außer iCloud von Apple), kann zwi­schen den Diens­ten Daten ver­schie­ben und umbe­nen­nen – alles das, was man bis­her nur per FTP, HTTP, Web­DAV und Ama­zon S3 machen konn­te.

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Der Zugriff erfolgt wie gewohnt über das geteil­te Fens­ter, das man auch für die Daten­ver­wal­tung auf der loka­len Fest­plat­te (Fin­der) benut­zen kann. Neu ist die Mög­lich­keit, in Rei­tern (Tabs) meh­re­re Ver­bin­dun­gen in geteil­ten Fens­tern in einer ein­zi­gen Ansicht zu kom­bi­nie­ren. Man könn­te also links jeweils einen Ord­ner auf der loka­len Fest­plat­te anzei­gen und rechts einen belie­bi­gen Ort auf einem ange­schlos­se­nen Ser­ver in der Cloud (One Dri­ve, Goog­le­D­ri­ve, Drop­box, Box, …) und die Daten ver­schie­ben.

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Ver­bes­sert wur­de auch der Zugriff auf bevor­zug­te Ord­ner: Ähn­lich wie in einem Brow­ser kön­nen auch die Ord­ner, die häu­fi­ger ver­wen­det wer­den, in die Lese­zei­chen­leis­te unter­halb der Rei­ter ver­scho­ben wer­den2. Ein Fea­ture, das der Fin­der in macOS lei­der immer noch ver­mis­sen lässt …

Droplets

Statt für jeden Daten­trans­fer das Pro­gramm zu suchen und zu öff­nen, den pas­sen­den Ser­ver aus­zu­wäh­len und sich mit ihm zu ver­bin­den, lässt sich der Vor­gang (wie bis­her) auch als Drop­let spei­chern – und zwar auch für die Cloud-Kan­di­da­ten wie Goog­le und Micro­soft, die für den Zugriff ein eige­nes Pass­wort erfor­dern. Das Pass­wort kann man jetzt auch gleich im Drop­let spei­chern, so dass man damit den Pass­wort­schutz enger an den Rech­ner bin­det. Dies ist bequem, erfo­dert aber auch ein siche­res Pass­wort für den Rech­ner selbst.

Fazit

Das neue Trans­mit bie­tet die Ergän­zun­gen, die der Fin­der des macOS nicht bie­tet und die sonst nur über geson­der­te Apps für jeden Cloud-Dienst ein­ge­rich­tet und gepflegt wer­den müs­sen. Für Benut­zer, die meh­re­re Cloud-Diens­te gleich­zei­tig nut­zen (und nicht alle Daten einem ein­zi­gen Anbie­ter anver­trau­en wol­len oder dür­fen, ist Trans­mit das bes­te Tool, das alle Ser­ver auf die loka­le Plat­te holt. Ein Mul­ti­funk­ti­ons­trans­por­ter sozu­sa­gen.


  1. Und man schickt auch kei­ne E-Mail-Anhän­ge an meh­re­re Kol­le­gen, wenn man möch­te, dass alle den glei­chen Infor­ma­ti­ons­stand haben… 

  2. Das gab es schon vor­her, war nur weit­aus umständ­li­cher und damit schwe­rer zu errei­chen.