Immer wie­der wur­de in den letz­ten Jah­ren zuerst das Ende der Papier­do­ku­men­ta­ti­on und dann das Ende des PDF-Daten­for­mats vor­her­ge­sagt. Zu Recht. Aller­dings ist der Zeit­punkt der Ent­sor­gung noch ungeklärt …

Denn sowohl Papier als auch PDF sind Lösun­gen für Pro­ble­me, die es kaum noch gibt.

Die Tech­ni­sche Doku­men­ta­ti­on ist immer noch sehr stark papier-ori­en­tiert. Zumin­dest in Deutsch­land wird dies ger­ne damit begrün­det, dass dies vom Gesetz­ge­ber ver­langt sei1. Da aber im Zeit­al­ter der mehr­spra­chi­gen Doku­men­ta­ti­on und der Glo­ba­li­sie­rung auch der Umfang der Doku­men­te expo­nen­ti­ell zunimmt, ver­ab­schie­den sich Her­stel­ler und Inver­kehr­brin­ger der Pro­duk­te zuneh­mend von der Tot­holz­aus­ga­be. Nicht aus Ein­sicht wird der Druck ein­ge­stellt, son­dern aus Kostengründen.

Und außer­dem: außer der hap­ti­schen Erfah­rung besitzt Papier in der Tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on kei­nen Mehr­wert: es ist umständ­lich, Inhal­te sind nicht durch­such­bar, es ist schwer – und die rich­ti­gen Ord­ner mit Doku­men­ta­ti­ons­un­ter­la­gen hat man sowie­so nie dabei.

Daher bie­tet sich PDF an, denn es ist erheb­lich schnel­ler und – ohne Druck­kos­ten – bil­li­ger zu pro­du­zie­ren. Und vor allem: es erfor­dert kein Umden­ken, denn der Inhalt einer PDF soll im Druck genau­so aus­se­hen wie auf dem Bild­schirm.2

Und genau die­ser ver­meint­li­che Vor­teil der „Lay­out-Kon­gru­enz“ zwi­schen Bild­schirm und Papier ist gleich­zei­tig die gro­ße Schwach­stel­le des PDF. Denn Papier hat ein genorm­tes For­mat und legt damit die Anord­nung und Grö­ße der dar­stell­ba­ren Infor­ma­tio­nen fest. Papier kann sich nicht anpassen.

Und da die PDF dem Papier folgt, kann sie es auch nicht.

Mitt­ler­wei­le ist jedoch die Anzahl der Men­schen, die für ihre Infor­ma­tio­nen Bild­schir­me benut­zen, ungleich höher ist als die Anzahl der Men­schen, die dies über Papier tun (fra­gen Sie mal einen Ver­lag). Es steigt der Bedarf an bild­schirm-ori­en­tier­ter Dar­stel­lung, wäh­rend er für papier-ori­en­tier­te Dar­stel­lung sinkt. Die­ser Trend ist unauf­halt­sam und führt auch in der Tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on dazu, dass Anlei­tun­gen nicht mehr gedruckt oder papier-ori­en­tiert aus­ge­ge­ben wer­den, son­dern ange­passt an eine unüber­schau­ba­re Anzahl unter­schied­li­cher Bild­schirm­for­ma­te und -grö­ßen. Andern­falls liest sie näm­lich kei­ner mehr.

Das kann aber PDF nicht.

Nun ist es nicht so, dass PDF ver­schwin­det – im Redak­ti­ons­pro­zess ist es bei­spiels­wei­se für Kor­rek­tur­pro­zes­se allen ande­ren Medi­en wie Papier oder Screen­shots weit über­le­gen – aber als Aus­ga­be­for­mat soll­ten wir uns mög­lichst rasch davon verabschieden.

Statt blind ein Doku­ment zu erstel­len und dann als PDF aus­zu­ge­ben, wird es höchs­te Zeit, sich Gedan­ken um die Inter­ope­ra­bi­li­tät der Infor­ma­tio­nen zu machen: „Was pas­siert mit mei­nen Infor­ma­tio­nen, nach­dem sie den Schreib­tisch ver­las­sen?“ Wenn die Ant­wort lau­tet: „Ooch, die bren­nen wir als PDF auf eine CD und geben sie mit!“, dann wird am Benut­zer vor­bei pro­du­ziert. Die CD ist näm­lich auch ein Auslaufprodukt.

Und zwei mod­ri­ge Gur­ken zusam­men erge­ben eben kein fri­sches Gemü­se. Son­dern nur (kom­pos­tier­ba­ren) Abfall.


  1. Was nicht stimmt, son­dern in die ent­spre­chen­den Vor­ga­ben hin­ein­in­ter­pre­tiert wird. 

  2. Das ist sogar der Daseins­zweck der PDF, der dar­auf beruht, eine Lösung für inkom­pa­ti­ble Druck­ver­fah­ren zu fin­den, um statt des pro­prie­tä­ren Post­Script (oder des unge­eig­ne­ten HPGL) ein Doku­ment auf allen Dru­ckern aus­ge­ben zu kön­nen.