Manch­mal wird man ja als frei­er (aka selbst­stän­di­ger) Tech­ni­scher Redak­teur gefragt, was man so mit­brin­gen muss, um in dem Job zu über­le­ben und davon leben zu kön­nen. Manch­mal ist es gar nicht so ein­fach, dies auf den Punkt zu brin­gen.

In einem Arti­kel über das Anfor­de­rungs­pro­fil an einen Stu­dio­mu­si­ker ist das jedoch recht gut umris­sen. Wenn im fol­gen­den Text der Begriff „Stu­dio­mu­si­ker“ (hier „ses­si­on gui­ta­rist“, auch wenn es für jeden Stu­dio­mu­si­ker – und damit auch für jeden Tech­ni­schen Redak­teur – gel­ten kann) durch „Tech­ni­scher Redak­teur“ ersetzt wird, kommt ein teil­wei­se anspruchs­vol­les, aber durch­aus zutref­fen­des Pro­fil zustan­de:

1. Ear Trai­ning
Music is a lan­guage. The more flu­ent you are in that lan­guage, the more effi­ci­ent and crea­ti­ve you can be.

Für einen Tech­ni­schen Redak­teur bedeu­tet das: Mit den tech­ni­schen Errun­gen­schaf­ten Schritt hal­ten. Je bes­ser man tech­ni­sche Sach­ver­hal­te und Zusam­men­hän­ge „lesen“ kann, des­to schnel­ler und ein­fa­cher ist die Erfas­sung eines spe­zi­fi­schen Sach­ver­halts. Man muss nicht jedes Spiel­zeug besit­zen oder aus­pro­bie­ren, aber es hilft, den Über­blick über die Ent­wick­lung zu behal­ten.

2. Rea­ding Music
It’s rare the­se days that I roll up to a ses­si­on whe­re there’s a chart to sight-read. On a real­ly orga­ni­zed ses­si­on, the­re may be a lead sheet with chor­ds and forms on it.

Für den Redak­teur bedeu­tet das: Gibt es neben dem tech­ni­schen Sach­ver­halt noch Infor­ma­tio­nen zum Redak­ti­ons­pro­zess? Style gui­des? Redak­ti­ons­leit­fa­den? Ter­mi­no­lo­gie? Spe­zi­el­le nor­ma­ti­ve Vor­ga­ben? Bevor man sich an den Inhalt setzt, ist es hilf­reich, die Bedin­gun­gen und Anfor­de­run­gen zu klä­ren.

3. Tas­te in Gear
Often when you get cal­led for a ses­si­on, it’s not just becau­se you play gui­tar. It’s becau­se of your tas­te in tone. You’re expec­ted to show up with a cura­ted selec­tion of gear for that spe­ci­fic ses­si­on.

Hier: ken­ne Dei­ne Tools und wis­se, wie man sie ein­setzt. Ein modu­la­res Doku­ment für eine Online­hil­fe erstellt man nicht mit Power­Point. Der gute Redak­teur kennt die Vor- und Nach­tei­le sei­ner ein­ge­setz­ten Soft­ware. Und wenn er eine bestimm­te Soft­ware benut­zen muss, dann eig­net er sich die­se Kennt­nis­se an oder lässt die Fin­ger davon. Nicht jedes Pro­blem ist ein Nagel …

4. Sup­port
A gre­at ses­si­on gui­ta­rist knows when to sug­gest ide­as and when to keep mum. I find as a ses­si­on gui­ta­rist, I’m not hired to be com­ple­te­ly silent.

Die Par­al­le­le ist fast schon zu offen­sicht­lich: Auch der TR wird fürs Mit­den­ken bezahlt, aber nicht fürs Rein­quat­schen.

5. It’s Not Per­so­nal
Ever­y­thing you play or like isn’t always going to be right for the song. Be awa­re it’s not your pro­ject, and don’t try to make it your pro­ject.

Das Ziel für den TR ist es, eine gute Arbeit zu machen, nicht die Welt zu ver­än­dern. Natür­lich ist man auch als Redak­teur nicht immer der glei­chen Ansicht wie der Auf­trag­ge­ber und wür­de bestimm­te Din­ge völ­lig anders machen – aber man muss ja auch nicht mit dem Ergeb­nis leben. Es ist eine Auf­trags­ar­beit, kei­ne Mis­si­ons­tä­tig­keit.

6. Be Cool
A ses­si­on is not the time to be name drop­ping about your other pro­jects, unless asked.

Die Ver­lo­ckung kennt jeder: man möch­te gut daste­hen beim Auf­trag­ge­ber, auch wenn man nur ein paar Tabel­len ins Redak­ti­ons­sys­tem migrie­ren soll, und gibt mit allen mög­li­chen tol­len und erfolg­rei­chen Pro­jek­ten an, die unter ganz ande­ren Umstän­den bei ganz ande­ren Kun­den ent­stan­den sind. Das artet schnell in Wich­tig­tue­rei aus, wenn es nicht kon­kret zur Ver­bes­se­rung des aktu­el­len Pro­jekts bei­trägt.

7. Stin­gy
We all have things to do and life is expen­si­ve. Don’t be too stin­gy about ever­y­thing though. Make sure you set up good bounda­ries about time and pay befo­re the ses­si­on. And once you’re the­re don’t make the artist feel like you’re watching the clock.

In jede gute Abschät­zung gehört ein Puf­fer, den man manch­mal aus­schöpft und auch manch­mal über­schrei­tet, ohne dass man den Kun­den dafür ver­ant­wort­lich machen kann. Wenn man sich ver­schätzt hat: Dar­aus ler­nen, wor­an es lag und beim nächs­ten Auf­trag mit­be­rück­sich­ti­gen. Dann muss man nicht neben dem Ter­min­druck der Doku­men­ta­ti­on auch noch den eige­nen Zäh­ler mit­lau­fen las­sen.

Jede gute Arbeit hat ihre Zeit, sie muss und soll fair hono­riert wer­den. Mit Abzo­cke oder Selbst­aus­beu­tung hält man nicht lan­ge durch.

Falls Sie ande­re Erfah­run­gen gemacht haben oder dazu etwas Kon­struk­ti­ves bei­steu­ern wol­len: bit­te sehr. Dafür gibt es die Kom­men­ta­re1

– Der ursprüng­li­che Arti­kel befin­det sich übri­gens hier.


  1. Man muss sich aller­dings vor­her anmel­den – dafür aber gilt die­se Anmel­dung dann auch für die Kom­men­tar­spal­ten vie­ler gro­ßer und klei­ner Web­sei­ten und Ver­la­ge.