Viel­leicht ist eine Berufs­krank­heit des Tech­ni­schen Redak­teurs, auf jeden Fall aber ist es ein Pro­blem vor Weih­nach­ten: ich lese kei­ne Bücher mehr.

Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch: ich besit­ze gan­ze Regal­me­ter an Büchern, Bel­les­tris­tik und Sach­bü­chern, wis­sen­schaft­li­cher Lite­ra­tur und Titeln, die mich im Anti­qua­ri­at im Vor­bei­ge­hen frü­her ein­fach „anspran­gen“.

Und ich habe sie alle gele­sen: von Ulrich Plenz­dorf bis Michel Fou­cault, von Oe Ken­zabu­ro bis Mark Twain. Aber ich habe seit Jah­ren kei­nes die­ser Bücher mehr als 5 Minu­ten lesen kön­nen, ohne das Gefühl zu haben, dass sie mir ent­we­der nichts sagen oder auf Pro­ble­me hin­wei­sen, die ich nicht habe und auch nicht haben möch­te.

Ich lesen ger­ne kur­ze Essays im Inter­net und stän­dig Zei­tungs­ar­ti­kel zu allen mög­li­chen The­men, um mir ein Bild von der Welt zu machen, die mich umgibt.

Aber Bücher aus Wel­ten, die mich nicht umge­ben? Das erscheint mir wie Zeit­ver­schwen­dung. Das fällt mir vor allem um Weih­nach­ten auf, wenn die gera­de­zu lite­ra­tur­ver­ses­se­ne Ver­wandt­schaft mich nach einem Bücher­wunsch fragt und ich nur mit den Schul­ter zucke, weil die Bücher, die man mir vor drei Jah­ren mit­lei­dig über­reich­te, mitt­ler­wei­le eine dicke Staub­schicht auf dem Nacht­tisch ange­sam­melt haben.1

Jetzt könn­te ich noch nicht ein­mal sagen, dass ich von geschrie­be­nen und gespro­che­nen Tex­ten nichts hal­te, immer­hin ist die Wei­ter­ga­be und Ver­mitt­lung von Infor­ma­tio­nen mein Beruf (den ich sehr ger­ne mache, sie­he auch „Wir Geschich­ten­er­zäh­ler„). Und ich habe nicht zuletzt auch aus dem Grund etwas Geis­tes­wis­sen­schaft­li­ches stu­diert, um die Welt zu ver­ste­hen. Das geht nun mal nur mit Büchern.

Aber jetzt? Ich kann wohl einen guten Text von einem schlech­ten unter­schei­den, und wohl­ge­setz­te Wor­te erfreu­en mich. Nur die Bücher mache ich nicht auf.

Kann man sich an bedruck­tem Papier „über­le­sen“?

Bild: Stifts­bi­blio­thek St. Gal­len, wiki­me­dia


  1. Das ist jetzt im über­tra­gen­den Sin­ne gemeint, so dre­ckig ist mein Nacht­tisch nun auch nicht.