Ich mag den Charme des Münch­ner West­ends, auch wenn ich sel­ten hier­her kom­me. Vor allem die ver­wohn­ten Gebäu­de der Schwan­tha­ler­stra­ße tra­gen noch das Gesicht aus der Zeit in Mün­chen, als man das Wort „Gen­tri­fi­zie­rung“ noch nicht ein­mal buch­sta­bie­ren konnte.

Es gibt noch die gro­ßen begrün­ten Hin­ter­hö­fe ohne Schwa­bin­ger „Nach­ver­dich­tung“, die klei­nen Hof­ein­fahr­ten zu Werk­stät­ten, in denen manch­mal tat­säch­lich noch Hand­wer­ker arbei­ten (auch wenn es immer weni­ger wer­den und eigent­lich zuneh­mend Kos­me­tik- und Klei­der­lä­den das Bild bestim­men). Es gibt die Häu­ser aus der Grün­der­zeit, bei denen die Anzahl der Ris­se in der Fas­sa­de nur noch von der Anzahl sei­ner Bewoh­ner über­trof­fen wird, die hier in den letz­ten 100 Jah­ren einen Teil ihrer Lebens­ge­schich­te verbrachten.

 

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Und Lebens­ge­schich­te atmet das Vier­tel immer noch, ob man beim Döner an der Ecke nun ira­nisch oder tür­kisch spricht, ob man vor einer der zahl­rei­chen Mini­knei­pen eher einen ost­eu­ro­päi­schen Dia­lekt hört oder auch mal ein paar älte­re Münch­ner vorbeilaufen.

Das Westend ist kein Vier­tel für Schi­cki­mi­cki oder neu­rei­che Tes­la-Fah­rer — ober­halb der The­re­si­en­wie­se wird kei­ne Show gebo­ten, hier wird gear­bei­tet. Hier­her ver­irrt sich nur sel­ten ein Tourist.

Und es riecht über­all nach Mai­sche (was an der nahen Braue­re­rei liegt). Aber bestimmt riecht es nicht nach Möch­te­gern und Großkotz.

Sehr beru­hi­gend, das es das hier noch gibt. Und hof­fent­lich gibt es das noch lange.