Nicht schon wie­der! Eine kur­ze Nach­richt mit einem Anhang von 25 MB blo­ckiert mei­nen Mail­ein­gang seit zwei Stun­den, dabei bin ich nur im cc!“ Das täg­li­che Leid des Informationsarbeiters.

E-Mail gibt es schon lan­ge, aber erst seit es kei­ne Gebüh­ren auf E-Mails gibt, sind E-Mails das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um (nach dem Tele­fon) des begin­nen­den 21. Jahr­hun­derts geworden.

Ent­we­der, weil man den ande­ren nicht beläs­ti­gen möch­te (die­se Über­le­gung ist eher sel­ten), oder aber weil man einen kur­ze, aber sooo wich­ti­gen Kom­men­tar zur letz­ten Nach­richt abge­ben möch­te, schreibt man auf jede E-Mail eine Fol­genach­richt, auf die dann wie­der eine Fol­genach­richt folgt. Bei­spiel gefällig?
„Hast Du mei­ne Nach­richt zum Update schon gele­sen”? – „Um wel­ches Update geht es denn?” – „Das Update von ges­tern!” – „Tut mir leid, ich habe gera­de viel zu tun.” – „Wann wirst Du mir ant­wor­ten kön­nen?” – „Sobald ich fer­tig bin.” – „Wann wird das sein” – „Heu­te nach­mit­tag” – „War­um erst so spät?” – Weil ich noch nicht dazu gekom­men bin, Dei­ne Nach­richt zu lesen, denn ich habe viel zu tun.” – „Ich auch! Muss die gan­ze Zeit Mails schreiben.”

Eine Pest.

Um die­ser Logor­rhoe ent­ge­gen wir­ken – denn sie hält schon auf­grund der ner­vi­gen Mel­dun­gen des E-Mail-Cli­ents („Sie haben Post!”) vom pro­duk­ti­ven Arbei­ten ab –, haben sich Unter­neh­men der Chat­funk­ti­on ver­schrie­ben. Ob Sky­pe oder Slack – sie alle ver­spre­chen, den Ein­gangs­korb des Mail-Pro­gramms von die­sem Geschnat­ter frei­zu­hal­ten, ohne dass statt­des­sen stän­dig das Tele­fon klingelt.

Aber das ist nur eine Schein­lö­sung, denn sie setzt beim Benut­zer vor­aus, dass er unter­schei­den kann zwi­schen beruf­lich wich­ti­gen Nach­rich­ten, die per E-Mail ver­schickt wer­den, und dem infor­mel­len Geplap­per, das dann über den Chat­ka­nal einfliegt.

Dum­mer­wei­se ent­ste­hen dabei nun zwei Kanä­le, denen zu fol­gen man genö­tigt ist, denn es könn­ten ja auch wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen in einem Chat ste­cken (zum Bei­spiel der oben erwähn­te Ter­min für die Rück­mel­dung). Als Frei­be­ruf­ler wird es eher schlim­mer, denn die Kanal-Aus­wahl bestimmt der Kun­de, und da hat jeder so sei­ne eige­nen Abma­chun­gen und Restrik­tio­nen auch sei­tens der Prä­fe­ren­zen der IT-Abteilungen.

Damit explo­diert dann das Stim­men­ge­wirr, in dem wir nicht mehr unter­schei­den kön­nen, auf wel­chem Kanal wel­che Infor­ma­tio­nen kom­men („Das Pass­wort hat­te ich Dir vor 2 Tagen per Whats­App geschickt!”), die wir dann zu einem Klang­tep­pich zusam­men­set­zen müs­sen, aus dem die Infor­ma­tio­nen für unser Pro­jekt gespeist werden.

Das Pro­blem der E-Mail-Über­flu­tung wird sich nicht dadurch lösen las­sen, dass wir noch einen Kanal mehr dazu schal­ten, son­dern dass wir in der Lage sind, alle Kanä­le so zusam­men­zu­schal­ten, dass alle Quel­len mit einem Fil­ter nach brauch­ba­ren Infor­ma­tio­nen durch­fors­tet wer­den kön­nen.1

Falls Sie ein sol­ches Pro­gramm ken­nen, dür­fen Sie sich ger­ne bei mir melden.

Oh. Moment, gera­de klin­gelt mein Tele­fon. Wo habe ich das wie­der hingelegt?

Bild: http://birdsflight.com/types-geese-different-types-geese/


  1. Brauch­bar heißt hier: in die­ser Situa­ti­on benö­tigt.