Brrr! Das Wort „Selbst­ma­nage­ment” klingt nach ver­bis­se­ner Opti­mie­rung des eige­nen Daseins, nach zwang­haf­ter Selbst­kas­tei­ung und Maso­chis­mus.
Quatsch.

Selbst­ma­nage­ment ist auch kei­ne Wis­sen­schaft, die man in teu­ren Kur­sen von gehyp­ten Gurus im Schnell­ver­fah­ren ein­ge­trich­tert bekommt. Selbst­ma­nage­ment ist bie­de­res Hand­werk. Es geht eigent­lich nur dar­um, kon­se­quent und ehr­lich mit sich selbst zu sein. Klingt doch schon weni­ger ver­bis­sen, oder?

Aber wie über­all steckt der Teu­fel im Detail, denn mit der Kon­se­quenz und der Ehr­lich­keit zu sich selbst neh­men wir es nicht immer so ganz genau. Wir Men­schen sind von Natur aus denk­faul. Wir ver­su­chen uns das Leben so ein­zu­rich­ten, dass wir mit mög­lichst wenig Auf­wand das Best­mög­li­che her­aus­ho­len. Obwohl wir in der Lage dazu wären, ver­mei­den wir ger­ne ein Umden­ken in Situa­tio­nen, ein Ein­ge­ständ­nis eines Irr­tums oder einer Nie­der­la­ge.1

Wir sind Meis­ter im Erfin­den von guten Aus­re­den und Aus­flüch­ten, Meis­ter der Pro­kras­ti­na­ti­on („Ver­schie­be­ri­tis”) und des Abwäl­zens auf ande­re. Dabei ris­kie­ren wir sogar all­zu oft unse­re Gesund­heit und unse­re Inte­gri­tät, flüch­ten uns in Selbst­be­trug und Selbst­täu­schung. Nur um nicht aus dem klei­nen Gar­ten unse­res Welt­ver­ständ­nis­ses her­aus­ge­hen zu müs­sen, begin­nen wir uns zu belü­gen, spie­len uns selbst eine Rol­le vor, die wir gar nicht aus­fül­len.

Vor­nehm­lich wird oft so getan, als ob es sich hier um ein Pro­blem der höhe­ren Ent­schei­dungs­ebe­ne han­delt: Der Chef, der sei­ne Mit­ar­bei­ter nicht gut behan­delt, der Mana­ger, der sich nicht ent­schei­den kann und eigent­lich nicht weiß, was er will …

Das ist Unfug und weist dar­auf hin, wie ger­ne wir selbst die Aus­ein­an­der­set­zung mit unse­rem Leben an ande­re dele­gie­ren wie Schau­spie­ler an den Regis­seur.
Nur: der Regis­seur sind wir selbst.

Jeder drit­te Mit­ar­bei­ter – 33 Pro­zent – bekommt von sei­nem kei­ne Chef kla­ren Zie­le vor­ge­ge­ben. Fragt sich nur:  Wie soll er sie dann errei­chen? Oder wenigs­tens ansteu­ern? – via ZEIT ONLINE

Das ist eine typi­sche Pro­ble­ma­tik des Indus­trie­zeit­al­ters: der Mit­ar­bei­ter, der stän­dig vom Chef gesagt bekom­men muss, was er zu tun hat, der Mit­ar­bei­ter ohne eige­ne Kom­pe­ten­zen und ohne Ent­schei­dungs­fä­hig­keit, der Hans­wurst vom Fließband.Den gibt es nicht mehr.2

Wir bewe­gen uns in Deutsch­land mit hoher Geschwin­dig­keit aus die­sen indus­tri­el­len Stän­de­ord­nun­gen her­aus. Es gibt fast kei­ne Unter­neh­men mit fes­ten und straf­fen Hier­ar­chi­en. Schon des­halb nicht, weil sich dafür kaum Mit­ar­bei­ter fin­den las­sen, die ihre Eigen­stän­dig­keit beim Pfört­ner abge­ben.

Das aber bedeu­tet für jeden Mit­ar­bei­ter, zumin­dest in der Orga­ni­sa­ti­on der täg­li­chen Arbeit sein eige­ner Chef zu sein. Denn nur, wenn ich eigen­stän­dig arbei­ten kann, bekom­me ich sie auch zuge­stan­den.
Frei­heit gibt es nicht geschenkt, die muss man sich erar­bei­ten.
Aber wie macht man das?
Eigent­lich ganz tri­vi­al: mit AUFHÖREN.

  1. Auf­hö­ren damit, uns ablen­ken zu las­sen von Din­gen mit nied­ri­ger Prio­ri­tät: Was kann war­ten, was ist drin­gend, was ist wich­tig?
  2. Auf­hö­ren damit, uns frag­los an die Mei­nung unse­rer Kol­le­gen oder gar unse­res Vor­ge­setz­ten dran­zu­hän­gen. Das sind auch nur Men­schen, die irren kön­nen – wie wir.
  3. Auf­hö­ren damit, Ent­schei­dun­gen so lan­ge zu ver­schie­ben, bis sie von allei­ne ver­schwin­den. Das tun sie aber nicht, sie kom­men wie­der.
  4. Auf­hö­ren damit, ande­re für etwas ver­ant­wort­lich zu machen, an dem auch wir betei­ligt waren oder sind. Nur weil ande­re nackt in der U-Bahn fah­ren, muss ich es nicht tun.
  5. Auf­hö­ren damit, stän­dig einer neu­en Idee nach­zu­lau­fen statt einen gefass­ten Ent­schluss bis zu dem Punkt umzu­set­zen, an dem der Erfolg oder Miss­er­folg abseh­bar ist.
  6. Auf­hö­ren damit, sich vor­zu­ma­chen, man hät­te kei­ne Zeit zum Nach­den­ken und zur Refle­xi­on.

Wenn Ihnen jetzt noch mehr dazu ein­fällt, bit­te sehr. Es wür­de mich freu­en, Ihre Mei­nung dazu zu lesen. Dazu eig­net sich die Kom­men­tar­funk­ti­on ganz her­vor­ra­gend.


  1. Die­ses Ver­hal­ten hat wenig mit der moder­nen Zivi­li­sa­ti­on zu tun, auch wenn das ger­ne als Anlass zur Zivi­li­sa­ti­ons­kri­tik genom­men wird. 

  2. Falls es ihn über­haupt je gege­ben haben soll­te.