Ich freue mich immer, wenn der Wet­ter­be­richt für das Wochen­en­de Rad­wet­ter vor­aus­sagt. „Rad­wet­ter“ heißt nicht Bade­wet­ter. „Rad­wet­ter“ ist alles ober­halb von 5 °C.

Das bedeu­tet auch nicht, sich in die kur­zen Hosen zu zwän­gen und mit Son­nen­bril­le bewaff­net den Staub von der Len­ker­stan­ge zu wischen. „Rad­wet­ter“ heißt soviel wie: „Kein Dau­er­re­gen, kein Eis.“

Die meis­ten Zeit­ge­nos­sen schüt­telt es bei der Vor­stel­lung, sich eine zwei­te Rad­ho­se über­zu­strei­fen, die Hand­schu­he anzu­zie­hen, unter den Helm eine Hau­be zu quet­schen und dann mit wind­dich­ter Jacke über dem Tri­kot zwei Stun­den durch die Gegend zu brausen.

Ich brau­che das. Das Wet­ter kann ich mir nicht aus­su­chen, wohl aber die Klei­dung. Und den fri­schen Wind im Gesicht zu spü­ren wäh­rend ich über Land­stra­ßen rol­le, bringt mich auf ande­re Gedan­ken. Da las­se das täg­li­che Klein­klein weit zurück und genie­ße den Horizont.

Es ist für mich eine Medi­ta­ti­on: Manch­mal mer­ke ich erst gegen Ende der Aus­fahrt, dass ich schon wie­der fast Zuhau­se bin. In der Zwi­schen­zeit zieht die Woche durch mei­ne Gedan­ken wie ein Wol­ken­band. Was kommt, was geht – es rollt ein­fach wei­ter. Mir geben die­se Aus­fahr­ten ein Gefühl der Frei­heit, der Unmit­tel­bar­keit. Einer Schwe­re­lo­sig­keit, in der alles davonfliegt.

Denn sei­en wir ehr­lich: auf die­ser Welt gibt es nichts, was so schwer ist, dass es lie­gen bleibt.

Krokusse sind recht unverfroren.
Kro­kus­se sind recht unverfroren.