Als tech­ni­scher Redak­teur im Beson­de­ren und als Teil einer euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on im All­ge­mei­nen kom­me ich um eines der wich­tigs­ten The­men die­ses Jahr­tau­sends nicht her­um: Pro­duk­ti­vi­tät und Effi­zi­enz.

Zwar han­deln bereits eini­ge Arti­kel mei­nes Blogs von Tools und Tech­ni­ken, wie man sich das Leben ein­fa­cher machen kann, aber das „War­um” ist nie groß ange­spro­chen wor­den. Wie­so soll­te es auch, dach­te ich, es gibt ja zahl­lo­se Rat­ge­ber und Bei­trä­ge dazu, die sich damit beschäf­ti­gen, wie man sei­nen Tag (und auch die Nacht) so opti­miert, dass dabei noch mehr „Per­for­mance” her­aus­springt, noch mehr Leis­tung, noch mehr Geld, Kar­rie­re oder Gesund­heit, Acht­sam­keit und Urlaub oder was sonst noch die Men­schen in einer satu­rier­ten Gesell­schaft moti­vie­ren könn­te.
Denn sei­en wir ein­mal ehr­lich: wir haben ein Luxus­pro­blem.
In den meis­ten Gegen­den die­ser Erde wären die Men­schen schon froh, wenn sie für ihre täg­li­che Arbeit soviel „Lohn” bekä­men, dass sie damit bis zum nächs­ten Tag aus­kom­men. Dort lebt man „von der Hand in den Mund”.
Wer bei jedem Wet­ter die Zie­gen aufs tro­cke­ne Feld treibt und am Abend wie­der ein­sam­melt, um sie zu mel­ken, freut sich über einen hal­ben Liter Milch und dass ihm tags­über kein Tier abhan­den gekom­men ist.
Wer tags­über bei sen­gen­der Son­ne mit einem Holz­stab den Boden auf­kratzt, um ein paar Kör­ner hin­ein­zu­le­gen, die er sich vom Essen abge­spart hat, der ist froh, wenn nicht abends ein paar besof­fe­ne Mili­zio­nä­re vor­bei­kom­men und alles ein­fach anzün­den.
Wer den gan­zen Tag zwi­schen den Sträu­chern der Kaf­fee­plan­ta­ge mit einem schwe­ren Korb auf dem Rücken rei­fe Kaf­fee­scho­ten gesam­melt und zusam­men­ge­tra­gen hat, der hat am Abend Rücken­schmer­zen und ist froh, wenn er von den Pflan­zen­gif­ten kei­ne Krank­heit bekommt und kei­ne Zocker mit den Kaf­fee­prei­sen Schind­lu­der trei­ben, so dass er am Jah­res­en­de mit lee­ren Hän­den dasteht und kein Brot kau­fen kann.

Diese Probleme haben wir nicht.

Wir trei­ben Sport:1
Wir hal­ten uns geis­tig und kör­per­lich fit, denn wir ver­su­chen zuneh­mend, in einem als Kon­kur­renz­kampf emp­fun­de­nen Wett­be­werb zu gewin­nen. Aber war­um?
Was gewinnt man dadurch, dass man mehr Geld ver­dient als der Kol­le­ge? Was gewinnt man dadurch, dass man sich ein dicke­res Auto leis­ten kann oder einen grö­ße­ren Fern­se­her?
Und vor allem: Wie­so müs­sen wir uns dazu auch noch moti­vie­ren? Könn­te es sein, dass wir unbe­wusst mer­ken, dass wir uns ver­aus­ga­ben bei einem Ren­nen um einen Platz auf dem Podest, bei dem es kein Podest gibt?
Sind das viel­leicht nur beschäf­ti­gungs­the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men, um irgend­wie die Zeit zwi­schen Wie­ge und Bah­re zu über­brü­cken?

Kann man denn die Zeit nicht bes­ser nut­zen?

Bild­quel­le: http://normscott.com/songaweek/archives/443


  1. Sport ist eine nicht für das Über­le­ben not­wen­di­ge Beschäf­ti­gung, die man sich nur erlau­ben kann, wenn das Über­le­ben gesi­chert ist.