Es geht aufs Jah­res­en­de zu und man­cher­orts macht sich Panik breit: Nicht die Stan­dard­mas­sen­hys­te­rie des Kon­sums („Him­mel! Tan­te Else hat noch kei­ne Vase!“), der die Men­schen in blin­der Hast in die Kauf­tem­pel treibt.
Ich mei­ne eher die Panik, nicht alles, was man sich in die­sem Jahr vor­ge­nom­men hat, auch wirk­lich umge­setzt zu haben. Sicher, vie­les von dem, was wir uns im Janu­ar geschwo­ren haben, konn­te gar nicht ein­tref­fen („In die­sem Jahr mache ich Diät!“), denn es war gar nicht zu Ende gedacht, son­dern dien­te nur der Selbst­täu­schung. Man woll­te Aktio­nis­mus vor­gau­keln (vor allem sich selbst), um sich ein biss­chen vom All­tag abzu­he­ben. Denn es muss ja immer vor­an gehen, nie zurück. Still­stand ist von Übel.

Und jetzt ist das Jahr rum und wir sind kaum vom Fleck gekom­men.

Dumm gelaufen.

Nein, ist es nicht: zum einen liegt es an der eige­nen Fähig­keit der Prio­ri­tä­ten­set­zung. Was ist mir so wich­tig, dass ich es über ein Jahr ver­fol­ge und bei dem ich am Jah­res­en­de eine Ent­wick­lung ver­fol­gen kann?
Dazu kommt ja noch ein wei­te­rer Aspekt: Es sind ja nicht nur wir selbst, die sich Zie­le auf­er­le­gen und Ansprü­che stel­len, es ist ja die Umwelt auch: Kol­le­gen, Freun­de, Fami­lie („Musst Du immer noch so viel arbei­ten?“). Und natür­lich auch die Erwar­tun­gen und Zie­le, die man ande­ren auf­er­legt und denen sie sich dann ver­pflich­tet füh­len.
Das ist nor­mal, das ist nichts, was man abschal­ten kön­nen und soll. Das Gefühl, dass genug eben nicht genug ist, unter­schei­det und Men­schen von Tie­ren, die sich auf der Ebe­ne der Exis­tenz­si­che­rung bewe­gen. Dort zählt nur das Über­le­ben bis zum nächs­ten Tag.
Nicht wir Men­schen.
Wir wol­len mehr, wir wol­len wei­ter. Nur das Tem­po, das könn­ten wir mal wie­der redu­zie­ren …