Zum Jah­res­en­de wird es ein biss­chen auto­bio­gra­fisch:
Ich habe klamm­heim­lich immer schon Mit­men­schen bewun­dert, die einen Ort auf der Welt ihre „Hei­mat“ nen­nen konn­ten. Men­schen, die immer genau wuss­ten, woher sie kom­men und wo sie ein­mal beer­digt wer­den wol­len. Weil sie dort ihre Kind­heit und vie­le prä­gen­de Jah­re ver­bracht hat­ten.1
Das hat­te ich nicht. Ich habe vie­le Jah­re im Aus­land ver­bracht, vie­le prä­gen­de Jah­re. In Län­dern, die ein ande­res Men­schen­bild haben als wir. In denen die Fami­lie und die Ehre wich­ti­ger sind als hier. Län­der, in denen die Wür­de eines Men­schen an sei­ner Haut­far­be abge­le­sen wur­de.
Län­der, in denen Vie­les anders war als hier, aber eines gleich: Alle woll­ten für ihr Dasein Aner­ken­nung. Alle woll­ten in Frie­den schla­fen kön­nen und die Aus­sicht haben, von ihrer Tätig­keit leben zu kön­nen.
Das ist nicht viel, aber es hat mir gezeigt, dass Mate­ri­el­les uns unter­schei­det, der Wunsch auf eine Zukunft uns aber eint.

Und noch etwas habe ich gelernt: Wer kei­ne Hei­mat hat, der braucht Bil­dung. Nicht Aus­bil­dung, son­dern Bil­dung.
Bil­dung ist nicht der Erwerb irgend­wel­cher Noten an deut­schen Schu­len oder die Jagd nach Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen.2
Bil­dung ist die Fähig­keit, Neu­es und Unbe­kann­tes nicht als Bedro­hung, son­dern als Chan­ce zu ver­ste­hen. Es ist das Grund­ver­trau­en in die eige­ne Intel­li­genz.

Das muss man aller­dings haben. Das Grund­ver­trau­en. Die Intel­li­genz dazu kann man sich aneig­nen.

Bild­quel­le Kara­wa­ne: http://images.forwallpaper.com


  1. Sol­che Men­schen ver­küm­mern, wenn sie zu lan­ge ohne einen kon­kre­ten Grund ihrer Hei­mat fern­blei­ben müs­sen. Fern der Hei­mat bau­en sie sich viel­leicht eine eige­ne Not­hei­mat, essen zumin­dest wie Zuhau­se oder klei­den sich wie immer. Erzie­hen ihre Kin­der so, dass sie im Bewusst­sein einer Hei­mat auf­wach­sen. Auch wenn die Kin­der das nicht unbe­dingt tun, denn Kin­der sind anpas­sungs­fä­hi­ger als alte Leu­te. Kin­der pas­sen sich an und ler­nen von ihrer Umwelt – nicht von den alten Geschich­ten der letz­ten Gene­ra­ti­on, die sich an ein Traum­bild der Hei­mat klam­mert. 

  2. Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen sind die Fer­tig­kei­ten der Beschäf­tig­ten, die einem Unter­neh­men dabei hel­fen, einen mög­lichst hohen Mehr­wert aus der Tätig­keit die­ses Beschäf­tig­ten zu quet­schen.