Ein Punkt treibt mich seit ein paar Tagen um, den ich mir als ehe­ma­li­ger Frei­be­ruf­ler und jet­zi­ger Ange­stell­ter nicht so ganz erklä­ren kann: die Fra­ge nach Schuld und Ver­ant­wor­tung in man­chen Tei­len der „Wirt­schafts­eli­te“.

Um es mal mit mei­nem klei­nen Lai­en­ver­stand zu sagen: Wenn mein Sohn wäh­rend mei­ner Abwe­sen­heit den Wagen des Nach­barn demo­liert, dann trifft mich per­sön­lich kei­ne Schuld, denn ich war nicht dabei und hät­te ihn dar­an hin­dern kön­nen, gleich­wohl über­neh­me ich die vol­le Ver­ant­wor­tung. Ich muss dafür gera­de­ste­hen, sowohl finan­zi­ell als auch mora­lisch, denn ich bin ver­ant­wort­lich.
Das scheint in der Wirt­schaft aber anders zu funk­tio­nie­ren: Ein Vor­stands­vor­sit­zen­der einer gro­ßen Fir­ma ist ja nun nicht der Inha­ber, son­dern ein lei­ten­der Ange­stell­ter, der für die Fir­ma und die Mit­ar­bei­ter ver­ant­wort­lich ist – und zwar im Rah­men ihrer beruf­li­chen Tätig­keit. Dafür wer­den sol­che lei­ten­de Ange­stell­te ja bezahlt – und das nicht schlecht. Zu Recht, denn die Ver­ant­wor­tung über – sagen wir ein­mal – mehr als 50.000 Mit­ar­bei­ter ist kein Pap­pen­stiel.
Die müs­sen schließ­lich alle wis­sen, was sie tun sol­len, was sie bes­ser nicht tun soll­ten und war­um sie dort arbei­ten.
Wenn ich als Vor­stand nun fest­stel­le, dass ein paar Mit­ar­bei­ter rich­tig „Schei­ße gebaut“ haben, dann darf ich sie, die ja per­sön­lich Schuld trifft, auch raus­wer­fen und juris­tisch ver­fol­gen.1
Dies ent­bin­det mich aber nicht von mei­ner Ver­ant­wor­tung als Chef, denn ich habe für alle zu sor­gen und das auch zu ver­ant­wor­ten. Also – ana­log zum Raus­wurf der Übel­tä­ter – muss ich zurück­tre­ten. Soweit, so gut.
Nun aber kommt die Fra­ge: Wor­auf begrün­den Vor­stands­vor­sit­zen­de ihren Anspruch, auch nach dem Rück­tritt wei­ter­hin ein fürst­li­ches Salär zu bezie­hen, wo sie doch jetzt kei­ne Ver­ant­wor­tung mehr über­neh­men müs­sen? Auch wenn sie per­sön­lich kei­ne Schuld trifft: das Geld bekom­men sie für die Ver­ant­wor­tung und nicht dafür, bis­lang nicht ertappt wor­den zu sein.
Oder?


  1. Im Gegen­satz zu einer Fami­lie in Euro­pa, wo man das bes­ser nicht tun soll­te.