Sel­ten haben Typo­gra­phen noch zu Leb­zei­ten erlebt, wel­chen Ein­fluss sie auf die Kom­mu­ni­ka­ti­on hat­ten – Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht im tech­ni­schen Sinn, son­dern im Aus­druck des Selbst­ver­ständ­nis­ses einer Epo­che. In die­sem Fall der unseren.

Fast jedem Euro­pä­er sind sie schon ein­mal begeg­net: Die bei­den Schrift­fa­mi­li­en „Uni­vers“ und „Fru­ti­ger“. Ob in Sach­tex­ten, auf Pla­ka­ten, oder in der Wer­bung: Schrift ist nicht nur ein Zei­chen­vor­rat zur schrift­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on, son­dern auch zur Ver­mitt­lung unge­schrie­be­ner Aus­sa­gen.1

In unse­rem spät- oder sogar post-indus­tri­el­len Zeit­al­ter durf­te auch eine Schrift nicht mehr wir­ken wie ein Roman aus dem 19. Jahr­hun­dert – tech­ni­sche Zei­ten ver­lan­gen nach tech­ni­schen Schrif­ten. Und so ent­stand eine gan­ze Rei­he von Schrif­ten, die die­sem Bewusst­sein des tech­nisch Mach­ba­ren ein Aus­se­hen ver­lei­hen soll­ten. Zwei davon sind die „Uni­vers“ und die „Fru­ti­ger“, wobei Letz­te­re doch wie­der ein biss­chen weni­ger tech­nisch daher­kommt und dadurch auch das Mensch­li­che in der Tech­nik andeutet.

univers
Die Uni­vers in ver­schie­de­nen Schnit­ten. Oben die Frutiger.

Ihr Schöp­fer, der gro­ße Adri­an Fru­ti­ger, ist am Sams­tag ver­stor­ben.


  1. Einen Geschäfts­brief wür­de kein Leser ernst neh­men, wäre er mit einer ver­schnör­kel­ten Schrift geschrie­ben. Umge­kehrt wirkt auch eine Ein­la­dung zur Hoch­zeit selt­sam, wenn sie in schnör­kel­lo­ser Gro­tesk-Schrift gesetzt ist.