Heu­te ließ sich eine Kor­re­spon­den­tin der FAZ über die Ver­schlimm­bes­se­run­gen der Recht­schreib­re­form aus:

In den Schu­len hat die meh­re­re Mil­li­ar­den teu­re Recht­schreib­re­form die Feh­ler­quo­te nahe­zu ver­dop­pelt. Dar­über hin­aus häu­fen sich die Kla­gen der Hand­werks­be­trie­be, Unter­neh­men und des gesam­ten aka­de­mi­schen Betriebs über Aus­zu­bil­den­de, die es trotz eines funk­tio­nie­ren­den Recht­schreib­pro­gramms ihres Com­pu­ters (ganz gleich nach wel­cher Schrei­bung) schaf­fen, sich mit feh­ler­ge­spick­ten Lebens­läu­fen zu bewer­ben.
– via FAZ.NET

Das klingt jetzt aber mal wie­der sehr pla­ka­tiv. Und so ein­fach soll­te man es sich auch in den Schreib­stu­ben einer Zei­tung nicht machen: Dass sich die Feh­ler­quo­te ver­dop­pelt hat, liegt mit­un­ter auch dar­an, dass sich vie­le Kin­der trau­en, so zu schrei­ben, wie sie spre­chen und sich nicht durch die “Sche­re im Kopf” einer elo­quen­ten Dik­ti­on glau­ben beflei­ßi­gen zu müs­sen (gut, gell?).
Das Ziel der Recht­schrei­bung ist es weder, der Bevöl­ke­rung das Schrei­ben bei­zu­brin­gen, son­dern so schrei­ben zu ler­nen, dass man das aus­drü­cken kann, was man denkt. Und zwar so, dass ein Leser es auch ver­steht.
Und da mache ich mir mehr Sor­gen: Mit oder ohne Recht­schreib­re­form, mit oder ohne Twit­ter, Face­book, Whats­app und Kon­sor­ten ist unser Den­ken nicht anders als frü­her.
Es gibt eine Men­ge Men­schen, die kön­nen sich nicht nur nicht adäquat äußern, die kön­nen noch nicht mal adäquat den­ken. Und das hat nichts mit Recht­schrei­bung zu tun, son­dern mit man­geln­dem Abs­trak­ti­ons­ver­mö­gen, schwach aus­ge­bil­de­tem ver­netz­ten Den­ken und engem Per­zep­ti­ons­ho­ri­zont.
Oder schlicht damit, dass man das Den­ken über das Den­ken glatt aus unse­ren Schu­len ver­bannt hat. Wer Schü­ler zu Wis­sens­au­to­ma­ten dres­sie­ren will, der muss sich über die Nivel­lie­rung des Den­kens kei­ne Gedan­ken mehr machen. Das pas­siert dann ganz von allei­ne.