Klei­ne War­nung: Hier kommt mal wie­der ein Bei­trag aus der Arbeits­welt des Tech­ni­schen Redak­teurs. Es geht um Visua­li­sie­rung und die Fra­ge, wie man kom­ple­xe Fra­ge­stel­lun­gen im Arbeits­pro­zess bild­lich umset­zen kann. Die­se Visua­li­sie­rung kann dabei hel­fen, Struk­tu­ren zu erken­nen und effi­zi­ent zu arbei­ten. Ein sehr gutes Hilfs­mit­tel sind so genann­te „Mind Maps“ und „Con­cept Maps“:

  • Mind­maps sind der Ver­such, aus Gedan­ken Begrif­fe zu for­men, an die wei­te­re Begrif­fe ange­hängt wer­den kön­nen. Die­se Begrif­fe ste­hen dazu ohne wei­te­re Hier­ar­chie neben­ein­an­der und sind lose grup­piert. Das sieht dann etwa so aus wie in der Abbil­dung oben: alle Begrif­fe sind zwar auf den ers­ten Blick einem dar­über­lie­gen­den zuge­ord­net, sie haben aber kei­ne bestimm­te Rei­hen­fol­ge und Abhän­gig­keit.
  • Con­cept Maps sind der zwei­te Schritt, bei dem es dar­um geht, Inhal­te zu struk­tu­rie­ren, Ihnen ein gedank­li­ches Gerüst zu ver­pas­sen, sie zu glie­dern und mit Bezie­hun­gen unter­ein­an­der zu ergän­zen.

Wer sich wäh­rend sei­ner Arbeit damit beschäf­ti­gen muss, wie Infor­ma­tio­nen sor­tiert, geglie­dert und struk­tu­riert wer­den – also Tech­ni­sche Redak­teu­re bei­spiels­wei­se –, der wird ver­mut­lich ein Hilfs­mit­tel benut­zen, um ein Pro­jekt in den Griff zu bekom­men. Auch wenn vie­len Kol­le­gen dazu meist nur eine Tabel­len­kal­ku­la­ti­ons-Soft­ware ein­fällt (ver­mut­lich die umständ­lichs­te und frus­trie­rends­te Mög­lich­keit), so gibt es doch recht gute Soft­ware, mit der man dem Pro­blem als visu­ell den­ken­der Mensch leich­ter bei­kommt: Visua­li­sie­rungs-Soft­ware.
Selt­sa­mer­wei­se begin­nen näm­lich sehr vie­le Über­le­gun­gen mit einem Stift und Papier: Wor­te auf einem Blatt, Krin­gel dazu, dann Zah­len dran, Lini­en hin­ein – und nach weni­gen Minu­ten blickt kein Mensch mehr durch. Selbst wenn man die­se Zeich­nung auf­hebt und dann nach 24 Stun­den einen noch­ma­li­gen Blick dar­auf wirft, wird es nicht ver­ständ­li­cher. Kann es ja auch nicht, denn die Male­rei­en auf dem Papier sind nur unge­ord­ne­te Gedan­ken­split­ter, denen eine Ord­nung fehlt. Die aber kommt nicht von allei­ne hin­ein, die muss man anle­gen. Aber wie?
Ich benut­ze dazu ger­ne mei­ne Soft­ware „Omni­Graff­le“, es geht aber auch eine Soft­ware wie „Micro­soft Visio“ oder der „Mind­set Mind­ma­na­ger“1 Zwar ist der Mind­Ma­na­ger pri­mär zum Erstel­len von Mind­maps ange­legt, er eig­net sich aber sehr gut, um dar­aus in einem zwei­ten Anlauf auch Con­cept Maps zu erzeu­gen.
Eine Mind­map ist nicht schwer: Locker las­sen, ein­fach einen Begriff auf das Papier (oder die Zei­chen­flä­che des Pro­gramms) wer­fen und dann frei asso­zi­ie­ren: “Was fällt mir zu dem Begriff noch ein?” Der Vor­teil der Soft­ware ist, dass das ers­te Ergeb­nis nicht das letz­te ist: Man kann jeder­zeit neu sor­tie­ren und neu asso­zi­ie­ren. Wich­tig ist nur, dass jeder Begriff mit nur einem ande­ren ver­knüpft ist. Brau­che ich ihn noch­mals, dann kommt er eben mehr­mals vor.
Eine Con­cept Map dage­gen ist etwas kom­ple­xer, denn jetzt muss aus einer Samm­lung ein Kon­zept geformt wer­den, um die Anar­chie in die Hier­ar­chie zu über­füh­ren. Dazu brau­chen wir einen roten Faden, eine Idee und eine Mes­s­ein­heit, an der wir das Cha­os aus­rich­ten. Das gezeig­te Bei­spiel der Mind­map ist so nicht dazu geeig­net, denn selbst wenn man die Begrif­fe umsor­tiert, blei­ben sie doch unzu­sam­men­hän­gend. Den Zusam­men­hang muss man fin­den. Das könn­te bei­spiels­wei­se eine Pro­zess­ket­te sein, also die zeit­li­che Abfol­ge ihrer Erstel­lung. Oder die Glie­de­rung nach Zustän­dig­keit. Oder die Aus­rich­tung auf ein bestimm­tes Ziel oder einen Nut­zungs­kon­text. Oder oder.
Hier ist dann nicht mehr Krea­ti­vi­tät, son­dern die Dis­zi­plin und Kon­sis­tenz gefragt. Und das stän­di­ge Hin­ter­fra­gen, ob die Kon­zept­idee wirk­lich trägt und nicht viel­leicht doch ergänzt wer­den muss.
Dazu geht man an die Samm­lung mit einer bestimm­ten Fra­ge­stel­lung her­an: Für die Mind­map wäre dies bei­spiels­wei­se: „In wel­cher Rei­hen­fol­ge wer­den die unter­schied­li­chen Pro­dukt­in­fo­ma­tio­nen vom Benut­zer benö­tigt?” Mög­li­cher­wei­se ent­ste­hen dabei Rekur­sio­nen: die Infor­ma­tio­nen der Web­site wer­den sowohl vor dem Kauf als auch bei War­tungs­fra­gen benutzt. Oder es ent­ste­hen wei­te­re Fra­gen wie: „Der Fly­er hat nur ein kur­zes Leben, kann man ihn durch einen QR-Code auf­wer­ten und auf die Web­site ver­lin­ken oder den Ersatz­teil­ka­ta­log?” Dies lässt sich in einer Con­cept Map dar­stel­len und erfas­sen.
Das Ergeb­nis ist eine Abbil­dung eines gedank­li­chen Pro­zes­ses, der zu wesent­lich effi­zi­en­te­rem Arbei­ten führt als das Ich-fang-einfach-mal-an-und-seh’-dann-schon-was-dabei-rauskommt. Für die meis­ten Auf­ga­ben in der Tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on ist das ver­mut­lich die Zeit, die am Sinn­volls­ten inves­tiert ist.
Wir müs­sen uns nur trau­en, die Bil­der im Kopf auch zu benut­zen statt sie sofort in Wör­ter zu über­set­zen.


  1. Letz­te­re gibt es nur für Win­dows.