Als Eigen­tü­mer eines Nutz­gar­tens mit Bee­ren­sträu­chern, Obst­bäu­men und Hoch­bee­ten1 füh­le ich mich manch­mal als Mr. Chan­ce aus dem Film mit Peter Sel­lers: ein Gärt­ner, der die Welt nur aus der Sicht des Gar­tens sieht und durch einen dum­men Zufall zum Bera­ter eines mäch­ti­gen Wirtsch­schafts­bos­ses “auf­steigt“ – ohne Ahnung von der Mate­rie, aber mit einem Gespür für die Natur und Ihren Kreis­lauf (sie­he auch hier).
Zwar fehlt mir der Ein­fluss und ich stre­be auch nicht danach, Prä­si­dent zu wer­den, aber in dem Film ver­wischt die Gren­ze zwi­schen Ein­falt und Weis­heit, zwi­schen Nai­vi­tät und Macht – so wie im All­tag eben tatsächlich.
Da wer­den Ent­schei­dun­gen auf höchs­ten poli­ti­schen Ebe­nen getrof­fen, die sich im Nach­hin­ein als so unfass­bar naiv her­aus­stel­len, dass man sich wun­dert, war­um kei­ner der zahl­rei­chen Betei­lig­ten nicht mal einen Schritt zurück gemacht hat und die zuvor gestell­te Fra­ge über­dacht hat2.
Eine Fra­ge, die sich mir auch manch­mal im All­tag stellt, wenn die Ent­schei­dung für oder gegen eine bestimm­te Soft­ware fällt, um die Tech­ni­sche Doku­men­ta­ti­on zu erstel­len. Meist wer­den – da am leich­tes­ten zu for­mu­lie­ren – die tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen und der Preis in die Waag­scha­le gewor­fen, nicht die Umgebungsbedingungen.
Und so, wie eben in einem feuch­ten, sau­ren Boden die Kar­tof­feln ein­fach nicht wach­sen kann, wie­vie­le man auch pflan­zen mag, so ist es manch­mal auch unsin­nig, eine noch auf­wän­di­ge­re tech­ni­sche Lösung für ein Pro­blem zu fin­den, das nichts mit Tech­nik zu tun hat, son­dern mit dem Out­put, dem Pro­zess oder schlicht dem Umfeld.
Der Gar­ten ist eben auch Rea­li­tät. Und zwar die glei­che wie sonst auch. War­um soll­te ein ein­fa­cher Gärt­ner daher weni­ger wei­se sein als ein hoch­be­zahl­ter Wirt­schafts­boss oder Präsident?


  1. Selbst ange­legt aus unbe­han­del­tenm Bau­holz hält das nur ein paar Jah­re, kann danach aber pro­blem­los kom­pos­tiert wer­den. 

  2. Reframing the ques­ti­on” nen­nen das Tom und David Kel­ley in ihrem Buch “Crea­ti­ve pon­fi­dence – Unlea­shing the crea­ti­ve poten­ti­al wit­hin us all”