Eigent­lich ist es ein Trau­er­spiel: in einem aner­kann­ten Münch­ner Gym­na­si­um (in ande­ren sieht es nicht bes­ser aus) sit­zen Schü­ler unter­schied­lichs­ter Her­kunft und mit unter­schied­lichs­tem Poten­zi­al. Allen gemein­sam ist, dass sie in der vier­ten Klas­se den Über­tritt geschafft haben – und sei es auch nur auf­grund einer guten Note in Hei­mat- und Sach­kun­de (ein Fleiß­fach, Intel­li­genz ist über­flüs­sig).

Und nun sit­zen sie in der ach­ten Klas­se und wer­den in einem für ihr Leben durch­aus wich­ti­gen Fach wie Geo­gra­fie (Stich­wort „Glo­ba­li­sie­rung“) von Leh­rern betreut, die außer ein paar dum­men Fra­ge­bö­gen, die sie jedes Jahr aus­tei­len, ein paar dum­men Witz­chen, die sie jedes Jahr machen, und Geschich­ten über ihre pri­va­ten Taten und ihr Leben – die sie jedes Jahr erzäh­len – kei­nen Unter­richt machen. Nichts, null, zero, nada. Die Schü­ler kom­men nach einem Jahr Geo aus dem Unter­richt und sind meist noch unwis­sen­der als vor­her, weil der letz­te Rest an Inter­es­se und Neu­gier durch will­kür­li­che Noten­ge­bung und völ­lig sinn­freie Zeit­ver­geu­dung aus­ge­löscht wur­de.1

Dort wer­den Men­schen abge­stumpft und ich muss mei­nen Kin­dern jeden Tag erklä­ren, war­um sie in die Schu­le gehen sol­len, wo sie doch dort eigent­lich nur ver­dummt wer­den. Mit mei­nen Steu­er­gel­dern.


  1. An baye­ri­schen Schu­len ist Geo­gra­fie ein abso­lu­tes Neben­fach, unwich­ti­ger als der Reli­gi­ons­un­ter­richt.