Leh­nen wir uns ein­mal kurz zurück und betrach­ten den bis­he­ri­gen Stand: Wir haben alle Daten in das Sys­tem migriert, haben die Red­un­danz weit­ge­hend besei­tigt, indem die Infor­ma­ti­ons­häpp­chen so ange­legt sind, dass sie wirk­lich nur noch ein­mal vor­kom­men und dem­entspre­chend auch nur ein­mal gepflegt wer­den müs­sen, wir haben Ver­sio­nen ange­legt und Quer­ver­wei­se, Bil­der ein­ge­fügt und – falls vor­han­den – sogar Varia­blen­ta­bel­len zur Vari­an­ten­steue­rung ange­legt. Nun brau­chen wir eine Kor­rek­tur­fas­sung, die dem SME/​Korrekturleser vor­ge­legt wer­den soll. Ob digi­tal oder als PDF spielt kei­ne Rolle.

Mit ande­ren Wor­ten: wir müs­sen die Infor­ma­tio­nen aus­ge­ben, publi­zie­ren, zur Ver­fü­gung stel­len. Ja, und jetzt?

XML

Jetzt rufen wir uns in Erin­ne­rung, dass ein Redak­ti­ons­sys­tem, das etwas auf sich hält, die Infor­ma­ti­ons­häpp­chen mit Hil­fe von XML und den dazu­ge­hö­ren­den Enti­tä­ten ver­wal­tet. Mit ande­ren Wor­ten: wir haben eine gro­ße Men­ge aus­ga­be­un­ab­hän­gi­ger Infor­ma­tio­nen in der Daten­bank unter­ge­bracht, die wir vor­sor­tiert haben und jetzt eigent­lich nur noch her­aus­fil­tern müs­sen. Statt nun einen Fil­ter zu pro­gram­mie­ren, wer­den die Infor­ma­ti­ons­kno­ten (hier in Sche­ma ST4) zu Pro­jek­ten gebün­delt, indem im Sys­tem eine Art Quer­ver­weis­lis­te ange­legt wird, die sich die refe­ren­zier­ten Kno­ten aus der Daten­bank holt und zusam­men­stellt. Es liegt also immer noch kein „Buch“ im bild­li­chen Sinn vor, son­dern eine Samm­lung von Infor­ma­ti­ons­kno­ten in einer defi­nier­ten Reihenfolge.

Dies hat jedoch ein paar ent­schei­den­de Vorteile:

  • Sys­tem­neu­tra­li­tät“: Die Infor­ma­tio­nen im Sys­tem sind sys­tem­neu­tral, weil sie in einem neu­tra­len Daten­for­mat (XML) vor­lie­gen, die an kein Betriebs­sys­tem gebun­den sind. Falls ein Wech­sel auf ein ande­res Betriebs­sys­tem oder eine aktu­el­le Sys­tem­ver­si­on durch­ge­führt wird, sind die Daten davon nicht betroffen.
  • Pro­gramm­neu­tra­li­tät“: Die glei­che Vor­aus­set­zung gilt auch für Pro­gram­me. Auch hier kön­nen die Daten mit einer Viel­zahl unter­schied­li­cher Pro­gram­me in das Sys­tem ein­ge­fügt und auch wie­der aus­ge­le­sen werden.
  • Aus­ga­be­neu­tra­li­tät“: Die Unab­hän­gig­keit geht jedoch noch einen Schritt wei­ter, denn dem Redak­ti­ons­sys­tem ist es sogar völ­lig egal, ob die Infor­ma­tio­nen spä­ter gedruckt wer­den, auf einer Inter­net­sei­te ste­hen oder als PDF wei­ter­ge­lei­tet werden.

Letz­te­res ist für den Anwen­der am relevantesten.

Ausgabe und Templates

Für den Benut­zer sieht das so aus: sobald es ans Ver­öf­fent­li­chen geht – sei es für eine Kor­rek­tur­fas­sung oder die end­gül­ti­ge Aus­ga­be – wählt er das gewünsch­te Ziel­for­mat. Um die Daten ent­spre­chend auf­zu­be­rei­ten, ver­fügt das Redak­ti­ons­sys­tem über meh­re­re Kon­ver­tie­rungs­pro­gram­me, die die neu­tra­len XML-Infor­ma­tio­nen ent­spre­chend des Ziel-Daten­for­mats umrech­nen. Das kann ein defi­nier­tes Pro­gramm sein, bei­spiels­wei­se ein Lay­out­pro­gramm, mit dem die Daten dann wei­ter­ver­ar­bei­tet wer­den, es kann aber auch eine direk­te Kon­ver­tie­rung in HTML oder PDF sein.

Wie die Daten dann bei der Aus­ga­be aus­se­hen, ob also die Über­schrift in dun­kel­blau und fett oder in gelb­oran­ge mager erscheint, das hängt davon ab, ob und wie das so genann­te „Tem­pla­te“, also die Vor­la­ge, ein­ge­stellt wur­de. Die Ein­stel­lung erfolgt für gewöhn­lich nur ein­mal für alle Doku­men­te eines Typs oder eines Unter­neh­mens, denn es soll ja eine mög­lichst hohe Kon­sis­tenz in der Aus­ga­be erzielt wer­den. Das Lay­out kann daher sehr stark von dem Aus­se­hen im Edi­tor wäh­rend der Bear­bei­tung abweichen.

Auch für Redak­teu­re ist dies oft schwer nach­voll­zieh­bar, vor allem, wenn sie es gewöhnt sind, lay­ou­t­ori­en­tiert zu arbei­ten. Wer Über­schrif­ten dar­an erkennt, das sie ein bestimm­tes Aus­se­hen haben (und nicht eine Ord­nungs- und Glie­de­rungs­funk­ti­on), der wird die Dar­stel­lung im Edi­tor immer als unbe­frie­di­gend emp­fin­den und als ein Ver­lust der Ori­en­tie­rung – bis er das Ergeb­nis nach der Lay­ou­tie­rung durch das Tem­pla­te sieht. Da vor­her jedoch alle inhalt­li­chen Bear­bei­tungs­schrit­te erfolgt sind, hat der Bear­bei­ter kein visu­el­les Feed­back für sei­ne Arbeit. Ein Redak­ti­ons­sys­tem ist in die­sem Punkt aber uner­bitt­lich: Struk­tur, Inhalt und Aus­se­hen sind unter­schied­li­che Aspek­te, die erst in der Publi­ka­ti­on in einem Ziel­me­di­um zusam­men­ge­führt werden.

Dies ist jedoch gleich­zei­tig die gro­ße Stär­ke des Sys­tems: Da die Infor­ma­tio­nen so lan­ge wie nur mög­lich aus­ga­be­neu­tral vor­ge­hal­ten wer­den, ermög­licht die­se Tren­nung eine sonst uner­reich­ba­re Fle­xi­bi­li­tät: Es muss nichts von einem (meist pro­prie­tä­res) For­mat in ein ande­res kon­ver­tiert wer­den – mit­samt der häu­fig nöti­gen Nach­ar­beit, weil die Kon­ver­tie­rung nicht ver­lust­frei von­stat­ten geht. Es kann sogar ohne wei­te­re Nach­ar­beit par­al­lel publi­ziert wer­den. Ein Hand­buch für eine neue Soft­ware­ver­si­on wird mit zwei Klicks sowohl als PDF in einem Druck­for­mat pro­du­ziert als auch als Online­hil­fe. Abwei­chung: Null (falls so definiert).