Wol­len sie das nun wirk­lich löschen? Oder nur ein biß­chen anlö­schen?“. „Unbe­kann­te Schutz­ver­let­zung an Modul 23ezfcbgc.ydo: igno­rie­ren oder schlie­ßen?“. Ken­nen Sie das? Zehn­mal durch Menüs geklickt, nur um aus einer Zahl eine Zwei­er­po­tenz zu machen? Haben Sie sich schon mal gewun­dert, war­um in der Menü­leis­te neben dem Punkt „For­mat“ der Punkt „Schrift­art“ steht? Und der ers­te Punkt unter „For­mat“ auch „Schrift­art“ lau­tet (so gese­hen in Word, Ver­si­on: belie­big)?

Und Sie fra­gen sich, was das mit Ver­ständ­lich­keit zu tun hat, oder ob für jeden Menü­punkt ein Pro­gram­mie­rer zustän­dig sein könn­te, der dem ande­ren nicht mit­teilt, was er alles ins Menü ein­zu­bau­en gedenkt? Fra­gen über Fra­gen. Erklär­bar ist das eigent­lich nur mit Rück­grif­fen auf die Geschich­te der jewei­li­gen Pro­gram­me. Denn die ers­ten Ver­sio­nen der meis­ten heu­te ver­brei­te­ten Appli­ka­tio­nen stam­men aus der „Urzeit“ des Com­pu­ter­zeit­al­ters. Als vor knapp 20 Jah­ren die gra­fi­sche Benut­zer­ober­flä­che den PC erst hof­fä­hig mach­te – und für den Nor­mal­sterb­li­chen benutz­bar, brauch­ten die Betriebs­sys­te­me (damals gab es noch mehr als heu­te) auch Pro­gram­me, die der Maschi­ne eine Daseins­be­rech­ti­gung ver­lie­hen.

Natür­lich waren auch schnell Richt­li­ni­en bei der Hand, die den Aspi­ran­ten Hil­fen zur Hand geben woll­ten, wie denn nun eine „intui­ti­ve“ Benut­zer­füh­rung aus­zu­se­hen hät­te. Alles soll­te vor allem leicht erreich­bar und ver­ständ­lich sein. Und man­che Pro­gram­mie­rer hiel­ten sich auch dar­an. Im Lauf der Zeit wucher­ten jedoch die Pro­gram­me über ihre Ansprü­che hin­aus. Und statt nun jedes­mal die Soft­ware von Grund auf neu zu über­den­ken – was ja auch die Benut­zer irri­tiert hät­te, die „ihren“ But­ton immer an einer bestimm­ten Stel­le suchen – wur­de ein­fach „drü­ber­pro­gram­miert“.

Mit der Grö­ße der Bild­schir­me wach­sen die Mög­lich­kei­ten, Menüs ins End­lo­se zu ver­län­gern und sich dann Tricks ein­fal­len zu las­sen, die­se wie­der zu ver­kür­zen (ich wun­de­re mich bei­spiels­wei­se immer über die Neu­sor­tie­rung der Menü­punk­te in neue­ren Office-Ver­sio­nen, weil das Pro­gramm sich gemerkt hat, wel­che Befeh­le ich zuletzt auf­ge­ru­fen habe. Dum­mer­wei­se kann ich mich aber nie dar­an erin­nernâ?¦).

Und so ent­stan­den und ent­ste­hen noch mehr Menü­punk­te, die dann wie­der­um auf­grund der Men­ge der ein­stell­ba­ren Optio­nen wei­te­re Fens­ter und Menüs nach sich zie­hen. Neh­men Sie als Bei­spiel mal in Word die Ein­stel­lung des Zei­len­ab­stan­des: „ein­fach“ oder „dop­pelt“ oder „1,5 Zei­len“ oder „mehr­fach“ oder „min­des­tens“ oder „genau“. Heißt das, dass außer „genau“ alle ande­ren unge­nau sind? Ist „dop­pelt“ denn nicht auch „mehr­fach“? Was pas­siert bei „min­des­tens“? Und war­um gibt es kein „höchs­tens“? Sie wis­sen es? Glück­wunsch!

Viel­leicht liegt das Pro­blem auch dar­in begrün­det, dass es eigent­lich zwei Arten von Benut­zern gibt, die gleich­zei­tig bedient wer­den sol­len: die Gele­gen­heits­nut­zer, die nie­mals in die Tie­fen des Pro­gramms vor­drin­gen wol­len – und denen das auch durch eine undurch­sich­ti­ge Benut­zer­füh­rung ver­wehrt blei­ben soll – und den Benut­zern, die sich pro­fes­sio­nell damit aus­ein­an­der­set­zen und Geld damit ver­die­nen, dass sie der Soft­ware Din­ge ent­lo­cken, die nie zuvor ein Mensch gese­hen hat.

Oder aber es liegt an dem, was man einen eli­tä­ren Maso­chis­mus nen­nen könn­te: nach­dem man sich wochen­lang damit aus­ein­an­der­ge­setzt hat, wie denn nun ein Pro­gramm funk­tio­niert und wel­che Schwä­chen es hat, war man zwar nicht pro­duk­tiv im eigent­li­chen Sinn (und das erzeugt bei man­chen denn auch eine per­ma­nen­te Unzu­frie­den­heit mit sich und der Welt), aber hat – viel­leicht – spä­ter das Gefühl, es sich oder dem Pro­gramm mal wie­der „gezeigt“ zu haben. Und zu den Weni­gen zu gehö­ren, die die­se selbst­auf­er­leg­te Tor­tur über­stan­den haben.

Und für die Pro­gram­mie­rer lie­fe es dann auf das hin­auf, was in Ansät­zen schon mei­ne zwei­jäh­ri­ge Toch­ter demons­triert: sobald sie ein Pflas­ter sieht, tut es ihr weh.

Man könn­te sich dem­zu­fol­ge natür­lich auch über­le­gen, ob man nicht zuerst eine Lösung pro­gram­mie­ren könn­te, um dann ein pas­sen­des Pro­blem zu erzeu­gen, das dann über eine undurch­sich­ti­ge und mehr­deu­ti­ge Benut­zer­füh­rung – mög­li­cher­wei­se sogar mehr­spra­chig und in XML, weil das gera­de „hip“ ist – mit ent­spre­chend vie­len Fens­tern und Knöpf­chen teil­wei­se lösen kann. Für die end­gül­ti­ge Lösung müss­te man dann auf das nächs­te Update hof­fen. Oder das Über­nächs­te …

Was bei Autos und Kame­ras funk­tio­niert, kann ja so schlecht nicht sein. Die Benut­zer ken­nen und wol­len es ja nicht anders. Und, fällt Ihnen viel­leicht schon eine Lösung und ein Menü­fens­ter ein? Wir suchen dann gemein­sam ein Pro­blem. Oder erstei­gern eins bei e-bucht …