Vor allem im Bereich der Soft­ware-Doku­men­ta­ti­on ist es oft über­ra­schend, wie viel wir von der Mate­rie zu ver­ste­hen glau­ben und wie wenig wir davon tat­säch­lich anwen­den kön­nen. Das liegt aber nicht an der mensch­li­chen Intel­li­genz, son­dern an unse­rem men­ta­len Ver­dau­ungs­ap­pa­rat: Unser Gehirn hat eine begrenz­te Kapa­zi­tät.

Nur Überforderung?

Als Anwen­der vor allem im Bereich der Schnitt­stel­le zwi­schen Mensch und Maschi­ne, die heut­zu­ta­ge meist über com­pu­ter­ge­stütz­te Pro­zes­se abläuft, sind wir oft völ­lig über­for­dert von den Mög­lich­kei­ten, die so ein klei­ner Chip bie­tet. Ob Akku­schrau­ber oder Wäsche­trock­ner, Rei­se­we­cker oder Tele­fon: Die­se klei­nen und gro­ßen Hel­fer­lein sind mit einer über­wäl­ti­gen­den Viel­zahl an Mög­lich­kei­ten aus­ge­stat­tet, die wir kaum über­bli­cken kön­nen. „Brau­che ich doch alles nicht!“ – „Das mache ich doch so, dafür muss ich kei­nen Com­pu­ter pro­gram­mie­ren!“ – Wirk­lich? In vie­len Berei­chen des täg­li­chen Lebens kom­men wir gar nicht mehr ohne Tech­nik aus, in denen nicht min­des­tens ein klei­ner Chip wer­kelt: Ob Wet­ter­vor­her­sa­ge oder Stra­ßen­ver­kehrs­be­richt, Lebens­mit­tel­ver­sor­gung oder Was­ser­rei­ni­gung.

Und selbst wenn wir es woll­ten: Eine Rück­kehr ist uns nicht mehr möglich.Wir müs­sen aber ler­nen, damit umge­hen zu kön­nen.

Wie schreibt man Papa?“

Es ist näm­lich mög­lich, uns das Wis­sen, das zur sinn­vol­len Nut­zung der Maschi­nen erfor­der­lich ist, situa­tiv und kon­text­ab­hän­gig anzu­eig­nen. Nicht, indem wir stun­den­lang Tex­te lesen oder Fil­me anse­hen, son­dern indem wir das Wis­sen in klei­ne Infor­ma­ti­ons­häpp­chen zer­le­gen um so die gro­ße Wis­sens­lü­cke in klei­ne zu zer­le­gen. Immer, wenn eine bestimm­te Fra­ge­stel­lung auf­taucht („Wie spei­chert man die Tele­fon­num­mer?“), ver­su­chen wir näm­lich, eine Lücke zu fül­len. Und zwar nur die­se eine, die in die­sem Kon­text auf­taucht. In die­sem Punkt unter­schei­den wir Erwach­se­ne uns nicht von klei­nen Kin­dern, die schrei­ben ler­nen wol­len: sie begin­nen näm­lich damit, ihren eige­nen Namen schrei­ben zu wol­len und ler­nen die dazu benö­tig­ten Buch­sta­ben, nicht das gan­ze Alpha­bet. Das Wis­sen um die Buch­sta­ben wird zuerst im Zusam­men­hang des eige­nen Namens erwor­ben und erst spä­ter ergänzt, sobald es not­wen­dig ist. Sobald genü­gend Lücken gefüllt sind, ver­su­chen wir mög­li­cher­wei­se vor­han­de­ne Mus­ter und Zusam­men­hän­ge zu erken­nen – wir ler­nen selbst­stän­dig dazu.

Der Geist in der Maschine

So wie ein Kind zunächst nur die Buch­sta­ben lernt, die für sei­nen eige­nen Namen not­wen­dig sind, eig­net sich der Benut­zer einer neue Maschi­ne oder Soft­ware zunächst nur das Wis­sen an, das für die Bewäl­ti­gung einer unmit­tel­ba­ren Auf­ga­be rele­vant ist. Dies gilt vor allem für Soft­ware. Sie erscheint uns unheim­lich, weil unsicht­bar. Wir sehen nur ihre Dar­stel­lung auf einem Bild­schirm. Wir wis­sen nicht, wozu die Soft­ware „hin­ter der Mas­ke“ fähig ist. Wir sind kon­fron­tiert mit dem Dilem­ma, mit Hil­fe der Soft­ware eine Maschi­ne nut­zen zu müs­sen, deren wesent­li­chen Bestand­tei­le wir nicht erken­nen und uns auch nicht erklä­ren kön­nen.

Die­sem Dilem­ma kön­nen sich Nut­zer auf unter­schied­li­chen Wei­sen stel­len: Sie igno­rie­ren alles, was mit Soft­ware zu tun hat und kön­nen daher auch deren Nut­zen nicht erken­nen. Oder sie ver­su­chen sich spie­le­risch aber unge­rich­tet dem Gebrauch zu nähern. Dies ist nicht nur zeit­auf­wän­dig, son­dern häu­fig auch nicht repro­du­zier­bar („Da gab es die­sen But­ton, aber ich weiß nicht mehr wo!“). Bei­des aber führt in den meis­ten Fäl­len dazu, dass wir die Vor­tei­le, die uns aus dem Gebrauch erwach­sen kön­nen, nicht wirk­lich erken­nen und nut­zen kön­nen. Wir arbei­ten unpro­duk­tiv.

Wie gehen Tech­ni­sche Redak­teu­re mit die­sem Pro­blem um, da es doch zu ihren Auf­ga­ben gehört, genau jene Kluft zwi­schen den Mög­lich­kei­ten einer Soft­ware und den Ansprü­chen und Erwar­tun­gen ihrer Benut­zer zu über­brü­cken? Vor allem, wenn sie selbst Nut­zer sind und kei­ne Pro­gram­mie­rer?

Portionierung

Ganz ein­fach: Wie schon der Lügen­ba­ron zu Münch­hau­sen in einer ihm zuge­schrie­be­nen Geschich­te muss auch der Tech­ni­sche Redak­teur ler­nen, sich sprich­wört­lich an sei­nen eige­nen Haa­ren aus dem Sumpf zu zie­hen. Indem er das Wis­sen und die Erfah­rung mit der zu beschrei­ben­den Soft­ware in klei­ne Häpp­chen por­tio­niert. Und zwar in jene Infor­ma­ti­ons­häpp­chen, auf die der Nut­zer zurück­grei­fen kann, soll­te er Gefahr lau­fen, vor einer Fra­ge zu ste­hen, die sich nicht spie­le­risch oder durch Igno­ranz beant­wor­ten lässt.

Die Infor­ma­ti­ons­häpp­chen, „Topics“ genannt, kön­nen Text, Bil­der und Fil­me ent­hal­ten, wei­ter­füh­ren­de Ver­wei­se oder alles zusam­men. Sie sind weni­ger eine Pro­dukt­be­schrei­bung als viel­mehr ein Nach­schla­ge­werk. Denn kein Benut­zer einer Soft­ware liest das Hand­buch durch. Kei­ner.

Topics ent­spre­chen mehr der Art von Aus­künf­ten, wie man sie von einem gut geschul­ten Sup­port erhält: Gera­de soviel Infor­ma­ti­on, dass man die wei­te­ren Schrit­te durch­füh­ren kann – und so wenig, dass man von der eigent­li­chen Auf­ga­be nicht abge­lenkt wird. Es sind jene kon­tex­tua­len Wis­sens­lü­cken, die Topics fül­len kön­nen. Wie man ein kom­ple­xes The­ma in Topics unter­teilt, habe ich schon an ande­ren Stel­len beschrei­ben (sie­he Anla­gen­do­ku­men­ta­tio­nen pla­nen und steu­ern: Erst den­ken, dann schrei­ben und Anti­zi­pa­ti­ves Schrei­ben: Wei­ter als der eige­ne Hori­zont).

Wie man das mit Soft­ware lösen kann, erfah­ren Sie in dem Bei­trag Topic-basier­tes Schrei­ben mit Mad­Cap Fla­re.