Schwar­ze Milch der Frü­he wir trin­ken sie abends
wir trin­ken sie mit­tags und mor­gens wir trin­ken sie nachts
wir trin­ken und trin­ken
wir schau­feln ein Grab in den Lüf­ten da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlan­gen der schreibt
der schreibt wenn es dun­kelt nach Deutsch­land
dein gol­de­nes Haar Mar­ga­re­te

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blit­zen die Ster­ne
er pfeift sei­ne Rüden her­bei
er pfeift sei­ne Juden her­vor läßt schau­feln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwar­ze Milch der Frü­he wir trin­ken dich nachts
wir trin­ken dich mor­gens und mit­tags wir trin­ken dich abends
wir trin­ken und trin­ken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlan­gen der schreibt
der schreibt wenn es dun­kelt nach Deutsch­land
dein gol­de­nes Haar Mar­ga­re­te
Dein asche­nes Haar Sula­mith

wir schau­feln ein Grab in den Lüf­ten da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tie­fer ins Erd­reich ihr einen ihr andern sin­get und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts sei­ne Augen sind blau
stecht tie­fer die Spa­ten ihr einen ihr ande­ren spielt wei­ter zum Tanz auf

Schwar­ze Milch der Frü­he wir trin­ken dich nachts
wir trin­ken dich mit­tags und mor­gens wir trin­ken dich abends
wir trin­ken und trin­ken
ein Mann wohnt im Haus dein gol­de­nes Haar Mar­ga­re­te
dein asche­nes Haar Sula­mith er spielt mit den Schlan­gen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meis­ter aus Deutsch­land
er ruft streicht dunk­ler die Gei­gen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wol­ken da liegt man nicht eng

Schwar­ze Milch der Frü­he wir trin­ken dich nachts
wir trin­ken dich mit­tags der Tod ist ein Meis­ter aus Deutsch­land
wir trin­ken dich abends und mor­gens wir trin­ken und trin­ken
der Tod ist ein Meis­ter aus Deutsch­land sein Auge ist blau
er trifft dich mit blei­er­ner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein gol­de­nes Haar Mar­ga­re­te
er hetzt sei­ne Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlan­gen und träu­met der Tod ist ein Meis­ter aus
Deutsch­land

dein gol­de­nes Haar Mar­ga­re­te
dein asche­nes Haar Sula­mit

(Paul Celan)