Heu­te habe ich mal wie­der (nach ein paar Jah­ren Pau­se) mei­nen Dogi1 aus­ge­packt und eine Run­de Kara­te trainiert.

Anfangs hat­te ich ja Beden­ken, ob es noch so klappt mit der Koor­di­na­ti­on und der Beweg­lich­keit — aber nach einer hal­ben Stun­de war ich selbst über­rascht, wie gut es noch geht. Als ich vor über 30 Jah­ren damit anfing, hat­te ich es mehr als Sport und Aus­gleich, sogar als Aggres­si­ons­ab­bau gese­hen2. Mitt­ler­wei­le aber ist es eher Bewe­gungs­me­di­ta­ti­on. Wenn auch eine sehr schnel­le. Wie ein Fluss, bei dem der Kör­per und die Vor­stel­lung zusam­men­lau­fen und sich der Augen­blick förm­lich aus­brei­tet3.

Man lernt dabei viel über sich: sei­nen Kör­per und sei­nen Geist, sei­ne men­ta­le Ver­fas­sung und auch, wie man fokus­siert und kon­trol­liert „Dampf ablässt“. Aber am meis­ten übt man Selbst­kon­trol­le, Selbst­dis­zi­plin, Gelas­sen­heit und Respekt vor sei­nen Mit­men­schen und sei­ner Umwelt. Man lernt viel über sein Leben und das Ver­hal­ten Ande­rer. Solan­ge man mit Ver­stand trai­niert. Und das kann man nicht verlernen.

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  1. So nen­nen die Japa­ner ihre Anzü­ge für Judo, Aiki­do etc. Ursprüng­lich aus leich­tem unge­bleich­tem Baum­woll­stoff war es die Unter­wä­sche, die man zum Trai­nie­ren benutz­te. 

  2. Wer mich kennt, darf das als Com­ing-Out betrach­ten. 

  3. Das kann man in den ver­schie­dens­ten Sport­ar­ten erle­ben — und sogar im All­tag.