–„Apple? Die haben schi­cke Hard­ware, aber von der Wol­ke haben sie kei­ne Ahnung!“ Das ist der Tenor zumin­dest unter den Nerds und Com­pu­ter­nut­zern, die schon recht früh­zei­tig erkannt haben, dass man das Inter­net nicht als nur Schau­fens­ter, son­dern auch als Infor­ma­ti­ons­platt­form nut­zen kann (sie­he dazu auch Web-Appli­ka­tio­nen: Wo lun­gern bloß mei­ne Daten rum?). Nach meh­re­ren eher kläg­li­chen Ver­su­chen, das Cloud-Com­pu­ting zu nut­zen, wuch­tet sich nun auch der Behe­moth Apple wie­der in den Ring – und bringt den iCloud Dri­ve mit.

iCloud­D­ri­ve im Brow­ser und als Ord­ner auf dem Rech­ner

Der Datenspeicher

Man hat­te sich in Cup­er­ti­no eine blu­ti­ge Nase geholt – im über­tra­gen­den Sinn – als man dort das Inter­net nur als eine Art erwei­ter­te Daten­si­che­rung für iPho­nes betrach­te­te. Denn in ers­ter Linie dien­te die iCloud dazu, die Back­ups und die Ein­käu­fe, die die meis­ten Besit­zer eines iPho­nes oder iPads täti­gen, im Hin­ter­grund abzu­si­chern. Bei Ver­lust oder Beschä­di­gung oder gar Dieb­stahl las­sen sich die Daten damit pro­blem­los mit einem ein­zi­gen Pass­wort zuver­läs­sig wie­der her­stel­len, ohne dass dabei Daten ver­lo­ren gehen. Dazu zäh­len E-Mails genau­so wie Kon­tak­te oder Fotos, selbst Erin­ne­run­gen und Noti­zen. Das ist das Inter­net als Daten­spei­cher.

Der Datenabgleich

Daten­spei­cher macht solan­ge Sinn, wie die Benut­zer nicht ihre Daten über meh­re­re Gerä­te abglei­chen wol­len – zwar nicht bloß Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten wie E-Mails oder Chats, son­dern eben auch Doku­men­te. Denn mit der stei­gen­den Leis­tungs­fä­hig­keit der Mobil­ge­rä­te stei­gen auch die Anfor­de­run­gen: Mit dem iPad einen Text begin­nen und auf dem Lap­top been­den? Kurz vor der Prä­sen­ta­ti­on auf dem iPho­ne den Foli­en den letz­ten Schliff ver­lei­hen, nach­dem man sie auf dem Büro­rech­ner vor­be­rei­tet hat­te? Unter­wegs die Zah­len der letz­ten Aus­wer­tun­gen auf dem iPad berech­nen, die man von Kol­le­gen ges­tern Nacht noch ins Büro geschickt bekom­men hat? – Alles kein Pro­blem, falls man das Inter­net nicht nur zur Daten­si­che­rung, son­dern auch zum Daten­ab­gleich zwi­schen meh­re­ren Gerä­ten nut­zen möch­te. Tex­te oder Gedan­ken­split­ter, die man auf einem Gerät erfasst hat, kann man ohne Pro­ble­me auf auf einem ande­ren öff­nen und wei­ter­ver­ar­bei­ten, ohne die Gerä­te mit­ein­an­der ver­bin­den zu müs­sen und ohne meh­re­re Ver­sio­nen eines Doku­ments zu besit­zen: eine auf dem Smart­pho­ne, eine auf dem Tablet und ein letz­tes viel­leicht dann auf dem Rech­ner. Und wel­che Ver­si­on ist die aktu­el­le? Könn­te man nicht ein belie­bi­ges Gerät nut­zen und die aktu­el­le Infor­ma­ti­on wird – Inter­net­ver­bin­dung vor­aus­ge­setzt – auto­ma­tisch auf alle ande­ren Gerä­ten ver­teilt? Kann man: Das ist Daten­ab­gleich.

Das Dilemma

Unter­neh­men wie Drop­box (sie­he Gemein­sa­me Fest­plat­ten­nut­zung mit der Drop­box: Let’s work toge­ther!) haben den Daten­ab­gleich vor­ge­macht: Solan­ge man alle Daten in einem Ord­ner ablegt, der bei­spiels­wei­se mit der Drop­box im Inter­net ver­bun­den ist, kann man auf die­se Daten von über­all zugrei­fen. Aber des­we­gen kann man sie noch lan­ge nicht öff­nen oder gar bear­bei­ten, und sei es nur, um noch schnell einen Feh­ler zu kor­ri­gie­ren oder einen Ein­trag zu aktua­li­sie­ren. Nun kann man das Pro­blem des Zugriffs und der Bear­bei­tung auch lösen, indem man wie Goog­le (sie­he Web-Appli­ka­tio­nen: Goog­le Dri­ve) die benö­tig­ten Pro­gramm­funk­tio­nen per Brow­ser bereit­stellt: Im Inter­net am Account anmel­den, Brow­ser star­ten und arbei­ten. Ja, das geht – wenn man denn eine ver­nünf­ti­ge Inter­net­ver­bin­dung hat. Was aber macht man im Zug auf der Fahrt durch die Mit­tel­ge­bir­ge, also ohne Netz?

Das sind zwei Pro­ble­me, die sich eigent­lich feind­lich gegen­über­ste­hen: Die Bear­bei­tung benö­tigt im Brow­ser kei­ne Syn­chro­ni­sa­ti­on, denn es wird ja direkt auf dem Ser­ver gear­bei­tet. Es gibt nur eine Datei. Ande­rer­seits arbei­tet man mit Pro­gram­men, die direkt auf dem Gerät instal­liert sind, auch ohne Inter­net­ver­bin­dung. Dazu müs­sen für die loka­le Bear­bei­tung (auf dem jewei­li­gen Gerät) die Doku­men­te auf das Gerät kopiert wer­den. Damit lau­fen sie aber nicht syn­chron und man hat meh­re­re Kopi­en. Ein klas­si­sches Dilem­ma.

The Apple way

iCloud Dri­ve ist Teil der iCloud und kann mit iOS 8 bzw. OS X 10.10 Yose­mi­te genutzt wer­den. 

Bei­de Betriebs­sys­te­me sind umsonst, benö­ti­gen aber aktu­el­le Apple Hard­ware.

  • Der Spei­cher­platz für alle Doku­men­te (ein­schließ­lich Back­up für iOS-Gerä­te außer Fotos) ist bis 5 GB kos­ten­los. 
  • Für 0,99  € pro Monat erhält man aktu­ell 20 GB.
  • Für 3,99 € pro Monat dür­fen es aktu­ell 200 GB sein.

Die Prei­se für Spei­cher­platz im Inter­net fal­len jedoch.

Die­ses Dilem­ma lässt sich nicht auf­lö­sen, wenn man nicht die gesam­te Infor­ma­ti­ons­ket­te beein­flus­sen kann. Man benö­tigt dazu näm­lich nicht nur die Soft­ware, die die Daten syn­chro­ni­siert, son­dern auch die Apps, mit denen der Benut­zer die Daten bear­bei­ten kann. Außer­dem ist es hilf­reich zu wis­sen, auf wel­chen Gerä­ten und damit wel­chem Betriebs­sys­tem die­se Funk­tio­nen ein­ge­setzt wer­den, denn der Gesichts­punkt der Daten­si­cher­heit darf ja nicht ver­nach­läs­sigt wer­den. Da kommt es natür­lich zupass, das ein Unter­neh­men wie Apple die­se Ket­te fast kom­plett abde­cken kann: Man pro­gram­miert die Apps, stellt die Ser­ver und auch die Gerä­te, auf denen das Betriebs­sys­tem läuft, das die naht­lo­se Zusam­men­ar­beit erlaubt.

Für den Benut­zer sieht das dann fol­gen­der­ma­ßen aus:

  • Der iCloud Dri­ve: Ein Account auf dem Ser­ver ent­hält einen vor­kon­fi­gu­rier­ten Ord­ner, den „iCloud Dri­ve“. Die­ser iCloud Dri­ve ent­hält wie­der­um vor­ge­fer­tig­te Ord­ner, in die die gleich­na­mi­gen Pro­gram­me (unter ande­rem „Pages“ zur Doku­ment­be­ar­bei­tung, „Num­bers“ zur Tabel­len­kal­ku­la­ti­on und „Key­note“ als Prä­sen­ta­ti­ons­soft­ware) hin­ein­grei­fen. Inner­halb die­ser Ord­ner kann man dann sei­ne eige­ne Struk­tur anle­gen.
  • Die iOS-Apps: Die soeben genann­ten Apps („iWorks“ als Pen­dant zu „Office“) wer­den dann auf einem iOS-Gerät (iPho­ne oder iPad) instal­liert und grei­fen auto­ma­tisch auf die ent­spre­chen­den Ord­ner im iCloud Dri­ve zu. Die Apps kön­nen aber auch neue Doku­men­te anle­gen oder vor­han­de­ne Doku­men­te in ihrem Ord­ner löschen. Die Apps sind zwar in ihrem Ver­hal­ten und der Benut­zer­ober­flä­che an das Betriebs­sys­tem ange­passt, ver­fü­gen aber über (fast) alle Funk­tio­nen der sta­tio­nä­ren Gerä­te. Das Gerät syn­chro­ni­siert die Daten auto­ma­tisch mit dem Cloud-Ser­ver, sobald eine Inter­net­ver­bin­dung her­ge­stellt ist.
  • Die OS X-Apps: das sind die „klas­si­schen“ Pro­gram­me auf dem sta­tio­nä­ren Gerät, also alle Com­pu­ter, auf denen eine aktu­el­le Ver­si­on des OS X Betriebs­sys­tems instal­liert ist. Die Macs eben. Die Bear­bei­tung und auch das Syn­chro­ni­sie­ren funk­tio­nie­ren wie bei iOS. Aller­dings hat man auf­grund des unter­schied­li­chen Datei­sys­tems außer­dem direk­ten Zugriff auf den iCloud Dri­ve. Dadurch erschei­nen die Ord­ner im iCloud Dri­ve wie Ord­ner in der Drop­box.

Und spä­tes­tens jetzt lässt sich das Per­fi­de die­ses iCloud Dri­ve erken­nen, denn die Zusam­men­ar­beit aller Gerä­te funk­tio­niert nur, wenn sie alle aus dem glei­chen Hau­se stam­men. Wer ein iPho­ne besitzt und ein iPad, kann die­se Funk­tio­nen nut­zen; wer einen Mac besitzt und ein iPad, kann die­se Funk­ti­on nut­zen; auch wer zwei Macs besitzt, kann die­se Funk­ti­on nut­zen. Nur wer in die­ses Öko­sys­tem mit einem ande­ren Betriebs­sys­tem ein­bre­chen möch­te (Win­dows, Andro­id, Linux etc.), der steht im Regen. Es gibt aber eine Aus­nah­me: den Brow­ser.

Down­load-Optio­nen im Brow­ser. Nicht jeder nutzt iWorks

Der Browser

Da die Doku­men­te alle auf einem Ser­ver in der Cloud lie­gen und von allen Gerä­ten die­ses Accounts geöff­net und bear­bei­tet wer­den kön­nen, kön­nen sie auch direkt im Brow­ser geöff­net und bear­bei­tet wer­den. Zu die­sem Zweck hat Apple ähn­lich wie Goog­le (oder auch Micro­soft) alle not­wen­di­gen Pro­gram­me des iWorks-Pakets als „Inter­net­pro­gram­me“ umge­setzt – mit fast iden­ti­scher Benut­zer­ober­flä­che. Das bedeu­tet, dass man mit dem Öff­nen eines iWorks-Doku­ments eine Inter­net-App star­tet und die glei­che Benut­zer­um­ge­bung vor­fin­det, die auch auf einem Mac exis­tiert. Wer also kei­nen Mac hat, aber ein iOS-Gerät, kann auf die­se Wei­se sei­ne Doku­men­te auch erstel­len und bear­bei­ten. Dies gilt auch für Nut­zer einer älte­ren OS X Ver­si­on (bis ein­schließ­lich OS X 10.9).

Dar­über hin­aus las­sen sich auch Doku­men­te des Micro­soft Office-Pakets in die ent­spre­chen­den Ord­ner kopie­ren. Dort wer­den sie beim Öff­nen im Brow­ser in Doku­men­te kon­ver­tiert, die sich mit iWorks-Pro­gram­men bear­bei­ten las­sen. Nach dem Spei­chern kön­nen die Doku­men­te aus dem jewei­li­gen Pro­gramm dann wie­der als Office-Doku­men­te oder PDF-Datei­en auf die Fest­plat­te kopiert wer­den. Beque­mer geht es kaum.

Fazit

Apple spielt hier sei­ne gan­ze Erfah­rung als Her­stel­ler von Hard- und Soft­ware aus. Die inte­grier­te Lösung des iCloud Dri­ve mit den iOS-Gerä­ten und den OS X-Rech­nern wer­tet die Benut­zer­freund­lich­keit zusätz­lich auf. Für Men­schen, die pri­vat oder beruf­lich nicht nur über­all kom­mu­ni­zie­ren, son­dern auch arbei­ten möch­ten (oder müs­sen), bedeu­tet dies ein Stück mehr Unab­hän­gig­keit. Sofern sie denn einen iCloud-Account haben …