Es ist schon beun­ru­hi­gend: Kaum hat man sich dar­an gewöhnt, sei­ne 700 Auf­ga­ben mit einer fle­xi­blen Auf­ga­ben­ver­wal­tung im Griff zu haben und auch mit dem iPho­ne syn­chron zu hal­ten, da kommt ein Update daher und bie­tet Funk­tio­nen und Fea­tures, die die Pro­duk­ti­vi­tät noch­mals ver­bes­sern. Mit dem Upgrade auf die Ver­si­on 2 sei­nes Taskma­na­gers hat die Omnigroup näm­lich gezeigt, dass es nichts gibt, was man nicht noch bes­ser machen könn­te.

Schneller als OS X

Ein beson­de­res Kenn­zei­chen der Pro­gram­mie­rer um Ken Case in Seat­tle ist, dass sie sich sehr vie­le Gedan­ken um die Usa­bi­li­ty und die Benut­zer­füh­rung machen. Auch, dass sie bereit sind, ein eigent­lich schon bestehen­des Kon­zept noch­mals kom­plett zu über­ar­bei­ten, selbst wenn es bedeu­tet, dass wei­te­re 6 Mona­te (oder sogar län­ger) bis zur Frei­ga­be einer neu­en Ver­si­on ver­ge­hen. So gesche­hen bei der Omni­Fo­cus 2 für OS X, das eigent­lich schon zum Ende des letz­ten Jah­res in den Start­lö­chern stand. Sogar die ers­ten Betas waren näm­lich schon drau­ßen, da wur­de das Pro­jekt im Som­mer noch­mals kom­plett zurück­ge­zo­gen. Über­ra­schend aber war die Neu­ent­wick­lung der iOS-App, die näm­lich recht uner­war­tet für das aktu­el­le iOS 7 ange­passt wur­de. Und ein paar recht prak­ti­sche Ände­run­gen im Gepäck hat, die die App noch­mals einen gan­zen Schritt nach vor­ne brin­gen.

Navi­ga­ti­on in Omni­Fo­cus 2 for iOS: Der kur­ze Weg zur Auf­ga­be

Benutzerführung allgemein

In Deutsch­land wird auf das „Inter­face Design“ meist mit­lei­dig her­ab­ge­schaut und so getan, also ob das sowie­so nur eine bun­te Ver­pa­ckung für mage­re Inhal­te sei. Auf­hüb­schung sozu­sa­gen. „Mach den But­ton mal ein biss­chen grel­ler, dann schaut er nach was aus!“ ist die gän­gi­ge Über­zeu­gung auch unter Ent­wick­lern. Schnurz wie groß die Schalt­flä­che ist, Haupt­sa­che sie funk­tio­niert. Das ist ein lei­der immer noch weit ver­brei­te­ter Irr­tum, denn die Benutz­bar­keit und damit die Benut­zung der Soft­ware (aber nicht nur der) hängt davon ab, wie der User mit dem Pro­dukt zurecht­kommt. Und das ent­schei­det sich am Inter­face. 

  • Wie groß muss eine Schalt­flä­che sein, damit man sie auch mit dem Dau­men auf einem Smart­pho­ne zuver­läs­sig bedie­nen kann?
  • Wie oft muss der Benut­zer auf den Touch­screen tip­pen, um eine häu­fig benö­tig­te Funk­ti­on zu errei­chen?
  • Wor­an erkennt der Benut­zer, dass er sein Ziel erreicht hat oder die Soft­ware mit dem ange­for­der­ten Pro­zess (bei­spiels­wei­se Daten­ab­gleich) beschäf­tigt ist?
  • Wel­che Ver­ren­kun­gen mit dem Fin­ger muss der Benut­zer machen, um von einem Schritt zum nächs­ten zu kom­men?

Sobald näm­lich gera­de auf dem Smart­pho­ne der Benut­zer merkt, dass er nicht ernst­ge­nom­men wird oder man ihm zur Bedie­nung einer App zu vie­le Schrit­te zumu­tet – was dem Sinn einer Smart­pho­ne-App wider­spricht – dann lan­det die App schnell im Nir­va­na und es hagelt schlech­te Kri­ti­ken. Der Alp­traum jedes App-Pro­gram­mie­rers, denn ein ram­po­nier­tes Image lässt sich nur sehr lang­sam auf­po­lie­ren. Eine Funk­ti­on die fehlt und nach­ge­reicht wird, ist da leich­ter zu ver­schmer­zen als ein gro­ber Schnit­zer in der Bedien­ober­flä­che.

iOS 7

Dass sich die Pro­gram­mie­rer für die neue Ver­si­on in ers­ter Linie auf das Inter­face und die schnel­le­re Benut­zer­füh­rung gestürzt hat­ten, hat sei­nen Grund: im Som­mer wur­de iOS7 vor­ge­stellt mit einem kom­plett neu­en Inter­face und neu­er Benut­zer­füh­rung. Das gan­ze Sys­tem, mitt­ler­wei­le 6 Jah­re alt, wur­de ent­rüm­pelt und vor allem auf­ge­räumt. Alles wur­de „fla­cher“, es gab kei­ne Schalt­flä­chen mehr, die wie drei­di­men­sio­na­le Knöp­fe wir­ken soll­te, kei­ne Schat­ten, die wert­vol­len Bild­schirm­platz benö­tig­ten. Die Schrift wur­de schma­ler, die Flä­chen grö­ßer und die Far­ben ein­heit­li­cher. Das hat die die Design-Abtei­lung der Omnigroup zu eigen gemacht, indem man ver­such­te, sei­ne eige­nen Apps so per­fekt wie mög­lich an das neue Sys­tem anzu­pas­sen und sie zu einem gefühlt inte­gra­len Bestand­teil des Mobil­ge­räts zu machen.

Das ist auch gelun­gen. Schon direkt nach dem Start prä­sen­tiert sie das Inter­face auf­ge­räumt: kei­ne lis­ten­ähn­li­chen Auf­zäh­lun­gen der ein­zel­nen Auf­ga­ben­an­sich­ten mehr, kei­ne eige­ne Leis­te für Stan­dard­funk­tio­nen am unte­ren Bild­schirm­rand, die eigent­lich nur Platz bele­gen. Statt­des­sen gro­ße Schalt­flä­chen in Goog­le-Optik für die benö­tig­ten Ansich­ten auf die kom­men­den Auf­ga­ben.

Omni­Fo­cus 2 gibt es nur im App Store für iOS sowohl für das iPho­ne wie das iPad. Vor­aus­set­zung ist iOS 7. Der­zeit nur auf Eng­lisch ver­füg­bar. Sei­ne vol­le Leis­tung spielt das Pro­gramm aller­dings erst in Kom­bi­na­ti­on mit der Desk­top-App aus. Omni­Fo­cus 2 for Mac befin­det sich immer noch im Beta-Sta­tus und ist seit dem Erschei­nen von OS X 10.9 nicht mehr als öffent­li­che Beta um Tes­ten erhält­lich.

Für die iPho­ne App legt man knapp 18 Euro auf den Tisch (für die iPad App sogar 36 Euro) – sie ist es aber für Selbst­stän­di­ge auch wert.

Durch den Weg­fall der stän­dig prä­sen­ten Steu­er­leis­te am unte­ren Bild­schirm­rand (sie liegt jetzt unter der Titel­zei­le und wird durch Wischen nach unten ange­zeigt) und der schlan­ke­ren Schrift (Hel­ve­ti­ca light) ent­steht wesent­lich mehr Platz, durch den sowohl die Infor­ma­tio­nen zur Auf­ga­be selbst, als auch die Sta­tus­flä­chen bes­ser navi­gier­bar sind.

Quick Entry

Ein Schman­kerl ist die neu hin­zu­ge­kom­me­ne Mög­lich­keit, meh­re­re Auf­ga­ben nach­ein­an­der per „Abreiß­feld“ in den Ein­gangs­korb zu legen, ohne die Ansicht wech­seln zu müs­sen. Dazu tippt man nur auf das klei­ne +-Zei­chen in der Titel­leis­te und gibt die neue Auf­ga­be ein. Aus dem +-Zei­chen wird ein „Save+“. Wird das erneut ange­tippt, „reißt es den Zet­tel ab und ein neu­er lee­rer Zet­tel erscheint. Das lässt sich so lan­ge wie­der­ho­len, bis man im Tas­ten­feld auf “Fer­tig“ tippt und dann den Fin­ger auf der Titel­leis­te lie­gen lässt, um auf den Start­bild­schirm zurück­zu­keh­ren: Jetzt lie­gen alle Noti­zen im Ein­gangs­korb und kön­nen nach Belie­ben ver­teilt und ter­mi­niert wer­den. Die­se Funk­ti­on gab es in der Desk­top-App als „Quick Ent­ry“ und hat hier eine erst­klas­si­ge Ent­spre­chung gefun­den, um schnell Auf­ga­ben­lis­ten anzu­le­gen.

Steuerleiste

Da der Daten­ab­gleich nor­ma­ler­wei­se auto­ma­tisch erfolgt, sobald das sys­tem auch ande­re Daten syn­chro­ni­siert, muss die Syn­chro­ni­sa­ti­on nicht eigens auf­ge­ru­fen wer­den, um die Ände­run­gen auf den Ser­ver zu kopie­ren bzw. von dort zu holen. In der Steu­er­leis­te unter der Titel­leis­te ver­ber­gen sich aber die ande­ren Funk­tio­nen, die sonst am unte­ren Bild­schirm­rand zu fin­den waren. Bei­spiels­wei­se die Suche oder der Wech­sel der Ansicht zwi­schen allen Auf­ga­ben, bereits erle­dig­ten und noch anste­hen­den.

Weitergedacht

Die neu­en Far­ben des Sys­tems haben jedoch nicht nur Ein­zug in die unter­schied­li­che Farb­ko­die­rung der Schalt­flä­chen auf dem Start­bild­schirm gefun­den, son­dern auch in die Sta­tus­fel­der. So wer­den anste­hen­de Auf­ga­ben (bei­spiels­wei­se für die nächs­ten 24 Stun­den oder die nächs­te Woche) farb­lich durch einen oran­ge­ro­ten Kreis her­vor­ge­ho­ben. In der Pro­jekt­über­sicht wird aus die­sen Auf­ga­ben eine Ket­te klei­ner Punk­te, die ent­spre­chend farb­lich her­vor­ge­ho­ben wer­den, so dass ein Blick auf das Pro­jekt (also die Samm­lung der zusam­men gehö­ren­den Auf­ga­ben) des­sen Sta­tus anzeigt: Gibt es Auf­ga­ben, die im gewähl­ten Zeit­traum anste­hen?

Die­se Details sind es, die aus einer guten Soft­ware eine sehr gute Soft­ware machen. Und das ist Omni­Fo­cus ohne Zwei­fel gewor­den.