Es gibt Apps, bei denen sich die Anschaf­fung lohnt. Apps, die ihr Geld wert sind und für die man es auch ger­ne aus­gibt. Es gibt Apps, die hat man ein­fach, damit man gege­be­nen­falls eine wei­te­re Funk­ti­on des Smart­pho­nes nut­zen kann. Apps zum Zeit­ver­treib und Apps zum Ange­ben. Es gibt sogar Apps, die dem Gedan­ken des Smart­pho­nes, näm­lich die sozia­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­bes­sern, recht nahe kom­men.

Und es gibt Apps, für die es lohnt, ein Smart­pho­ne zu besit­zen. Das sind die Apps, für die man sich beim Kauf eines Smart­pho­nes lei­ten lässt, so wich­tig sind sie. In so einem Fall bestimmt die App die Wahl des Smart­pho­nes. Für Bahn­fah­rer sind das die bei­den Apps der Deut­schen Bahn, „Navi­ga­tor“ und „Tickets“*.

Natür­lich kann man dar­über strei­ten, war­um die Bahn nicht bei­de Apps im Paket anbie­tet, son­dern den Navi­ga­tor dazu benutzt, Zug­fahr­plä­ne und Anschlüs­se zu ermit­teln, und der ande­ren App den Fahr­kar­ten­kauf über­lässt. Immer­hin braucht ja jeder, der mit der Bahn fährt, auch eine Fahr­kar­te. Mög­li­cher­wei­se wird dies in abseh­ba­rer Zukunft auch gesche­hen, aber in der Zwi­schen­zeit kann man von einer App schnell und unkom­pli­ziert in die ande­re sprin­gen – sofern man bei­de instal­liert hat. Um die Funk­ti­ons­wei­se zu beschrei­ben, neh­men wir ein typi­sches Anwen­der­sze­na­rio zu Hil­fe.

Navigator

Der „Navi­ga­tor“ ist die App zum Aus­bal­do­wern der Fahr­plä­ne in ganz Deutsch­land. Um die Suche zu ver­ein­fa­chen, soll­te man der App erlau­ben, die GPS-Daten des Smart­pho­nes zu ver­wen­den, weil die App dann die nahe­ge­le­ge­nen Bahn­hö­fe und Hal­te­stel­len auto­ma­tisch fin­den kann. Jetzt muss man nur noch den Ziel­ort ein­ge­ben und die App zeigt neben den Adres­sen des Adress­buchs auch die mög­li­chen Hal­te­stel­len in ganz Deutsch­land an. Häu­fi­ger gewähl­te Adres­sen wer­den dabei zuerst vor­ge­schla­gen.

Im zwei­ten Schritt legt man die gewünsch­te Abfahrt- oder Ankunfts­zeit und das Datum fest und grenzt – gege­be­nen­falls – die Such­pa­ra­me­ter ein: bei­spiels­wei­se nur Nah­ver­kehrs­zü­ge. Die anschlie­ßen­de Suche geht dabei erstaun­lich schnell und wirft schon nach weni­gen Sekun­den die nächs­ten Anschlüs­se aus. Tip­pen auf einen Ein­trag öff­net die Detail-Anga­ben wie Zug- oder Gleis­num­mer und Zug­typ.

Zwar kann man sich bereits im Navi­ga­tor ein eige­nes Pro­fil anle­gen (ob man bei­spiels­wei­se eine Bahn­Card besitzt) und auch ange­ben, wie vie­le Per­so­nen rei­sen wer­den; wich­tig ist dies aber erst beim Kauf der Fahr­kar­te.

Wer den Namen der nächst­ge­le­ge­nen Hal­te­stel­le nicht kennt, tippt auf die Orts­su­che und kann sich nicht nur die umlie­gen­den Hal­te­stel­len anzei­gen las­sen, son­dern auch, wo das nächs­te Car­sha­ring-Fahr­zeug steht oder das nächs­te Call-a-Bike-Rad vor sich hin düm­pelt. Da die­se Daten auch auf das Kar­ten­ma­te­ri­al des Smart­pho­nes zurück­grei­fen, lässt sich neben einer gro­ben Rou­ten­dar­stel­lung auch die gegen­wär­ti­ge Posi­ti­on abru­fen. Sehr bequem, wenn man den nächs­ten Bahn­hof sucht…

Hat man end­lich aus der Lis­te der nächs­ten Ver­bin­dun­gen die Gewünsch­te aus­ge­wählt, genügt der Tipp auf „Ticket kau­fen“ und die App „Tickets“ wird gestar­tet. Wer auf dem Smart­pho­ne auch sei­ne Kalen­der ver­wal­tet (was man ja tun soll­te, weil das Smart­pho­ne sonst eben nicht so smart ist), kann die Rei­se­da­ten direkt im Kalen­der able­gen.

Als Selbst­stän­di­ger ver­wen­det man sinn­vol­ler­wei­se zahl­rei­che Kalen­der, da sich damit auch die Pro­jekt­pla­nung und das Auf­ga­ben­ma­nage­ment betreu­en las­sen. Die­se Kalen­der wie­der­um kön­nen auch für ande­re Benut­zer frei­ge­ge­ben wer­den, so dass schon allei­ne mit der Rei­se­pla­nung alle ande­ren Kalen­der-Teil­neh­mer über die Zei­ten und Ver­bin­dun­gen infor­miert wer­den.

Tickets

Die App „Tickets“ ist etwas kom­ple­xer, was viel­leicht auch die Tren­nung von der „Navigator“-App erklärt: Hier sind sen­si­ble Daten abge­legt. Vor­aus­set­zung zur Nut­zung ist näm­lich die Regis­trie­rung auf dem Ser­ver der Bahn – ein­schließ­lich Kre­dit­kar­ten­num­mer. Da ist ein ordent­li­ches Pass­wort erfor­der­lich. Wer bereit ist, die­se Pro­ze­dur über sich erge­hen zu las­sen, wird mit einem Benut­zer­kon­to belohnt, das den Fahr­kar­ten­kauf und die Ver­wal­tung beson­ders ein­fach macht.

Aber zurück zum Fahr­kar­ten­kauf: die Daten des gewünsch­ten Zugs wer­den an die App „Tickets“ über­ge­ben und dem ange­leg­ten Pro­fil zuge­ord­net. Da in dem Benut­zer­kon­to nicht nur der Name und die Kre­dit­kar­ten­num­mer, son­dern auch eine even­tu­ell vor­han­de­ne Bahn­Card gespei­chert wird, zeigt die App den kor­rek­ten Fahr­preis an und bie­tet auch gleich die Rück­rei­se an (die man dann natür­lich wie­der in der App „Navi­ga­tor“ plant).

Vor dem Kauf der Fahr­kar­te lässt sich noch ange­ben, ob man der E-Mail über Ver­spä­tun­gen oder Ände­run­gen des Rou­ten­ver­laufs infor­miert wer­den möch­te, dann folgt die Ein­ga­be der Sicher­heits­num­mer der Kre­dit­kar­te. Die­se muss aus Sicher­heits­grün­den immer ange­ge­ben wer­den und kann (und darf) nicht gespei­chert wer­den. Damit ist der Kauf abge­schlos­sen. Es folgt der Down­load einer spe­zi­el­len PDF mit dem typi­schen QR-Code der Fahr­kar­te im Dis­play­be­reich des Smart­pho­nes.

Wer zur Über­sicht aller gela­de­nen Tickets navi­giert, fin­det sie säu­ber­lich sor­tiert nach den am aktu­el­len Tag gül­ti­gen, den in die­sem Monat noch gül­ti­gen und allen gül­ti­gen Tickets. Bereits abge­lau­fe­ne Tickets wer­den nicht ange­zeigt (außer man stellt das so ein, was aber wenig Sinn macht). Das bedeu­tet, dass alle Tickets, die nicht am Rei­se­tag benutzt wer­den, auto­ma­tisch ver­fal­len (außer sie wer­den im Vor­feld stor­niert). Eine Rei­se, die um einen Tag nach hin­ten ver­scho­ben wird, erfor­dert daher zwin­gend eine Stor­nie­rung und einen Neu­kauf. Die Stor­nie­rung lässt sich am bes­ten im Online-Por­tal der Bahn erle­di­gen. Bei einer Stor­nie­rung der Kar­te wird sie auch auf dem Smart­pho­ne als nicht mehr gül­tig ange­zeigt und der Kauf­be­trag wird zurück­ge­bucht.

Gleich­zei­tig mit dem Kauf des Tickets auf dem Smart­pho­ne wird eine PDF und eine Kalen­der­da­tei (ICS) an die bei der Regis­trie­rung ange­leg­te E-Mail-Adres­se geschickt. Damit lässt sich die Rei­se nicht nur Finanz­amt-taug­lich spei­chern und archi­vie­ren, sie ist auch auf der Abrech­nung der Kre­dit­kar­te mit einer ein­deu­ti­gen Num­mer ver­merkt.

Die Fahrkarte bitte!“

Es emp­fiehlt sich, bei­de Apps („Navi­ga­tor“ und „Tickets“) zu instal­lie­ren. Bei­de Apps sind kos­ten­los im App Store erhält­lich – und not­falls auch für Gerä­te mit dem Andro­id-Betriebs­sys­tem im Goog­le Store („Goog­le Play“).

Jetzt folgt der Ernst­fall: Um mit der App-Fahr­kar­te auch im rich­ti­gen Zug blei­ben zu dür­fen, benö­tigt man neben dem Smart­pho­ne auch die Legi­ti­ma­ti­on des Kaufs, also bei­spiels­wei­se Kre­dit­kar­te oder Bahn­Card. Dies gilt aller­dings nicht nur für die Smart­pho­ne-App, son­dern für alle online gekauf­ten Fahr­kar­ten der Bahn. In der Pra­xis sieht das dann so aus, dass der Zug­be­glei­ter sei­nen Scan­ner aus dem Half­ter zieht, ein­schal­tet und ver­sucht, das Smart­pho­ne so in der Hand zu balan­cie­ren, dass das spie­geln­de Dis­play nicht beim Scan­nen stört. Meist gelingt das auch. Dann zieht der Zug­be­glei­ter noch die Kar­te zur Kon­trol­le durch den Scan­ner und die Fahrt ist geritzt.

Der Vor­teil des Fahr­kar­ten­kaufs per Smart­pho­ne ist eigent­lich ein­fach zu erklä­ren: Man kann noch in buch­stäb­lich letz­ter Sekun­de sei­ne Fahr­kar­te kau­fen (bei­spiels­wei­se wenn der Zug­be­glei­ter schon am ande­ren Ende des Groß­raum­ab­teils auf­taucht), denn es muss ja nichts gedruckt wer­den.

Der ein­zi­ge Wer­muts­trop­fen für Benut­zer von iOS-Gerä­ten ist aller­dings, dass die Bahn es immer noch nicht geschafft hat, die Tickets in die „Passbook“-App zu inte­grie­ren (wie es Flug­ge­sell­schaf­ten schon län­ger tun). Ansons­ten gehö­ren „Navi­ga­tor“ und „Tickets“ zu den wirk­lich wich­ti­gen Apps auf dem Smart­pho­ne.

*) UPDATE: Seit dem Früh­jahr 2014 steht eine Ver­si­on der App „Navi­ga­tor“ zum Down­load bereit, die nun an iOS 7 ange­passt und ent­spre­chend ange­neh­mer zu benut­zen ist. Die App „Tickets“ ist bereits län­ger obso­let gewor­den, da die Funk­ti­on der Fahr­kar­ten­spei­che­rung vom „Navi­ga­tor“ über­nom­men wur­de. Es reicht also eine App.