Hier nun der zwei­te Teil unse­rer Fahr­rad­tour durch Süd­frank­reich. Im ers­ten Teil waren wir von Avi­gnon aus gen Süden und dann west­lich des Rhô­ne­del­tas wie­der zurück über Pont du Gard nach Avi­gnon gefah­ren. Die­ses aller­dings bei der Rück­kehr umge­hend nutz­ten wir die fol­gen­den Tage für einen Abste­cher in die Hau­te Pro­vence: auf dem Spei­se­plan stand Sén­an­que und Fon­tai­ne-de-Vau­clu­se. Im Gegen­satz zu den rie­si­gen Wei­ten der Camar­gue bedeu­te­te dies aber auch ein paar hüb­sche Stei­gun­gen, denn die Hau­te Pro­vence trägt ihren Namen durch­aus zu Recht.

Pernes-les-Fontaines

Als wir an Avi­gnon nörd­lich vor­bei radel­ten, war es noch frü­her Nach­mit­tag, und wir hat­ten noch einen wei­ten Weg durch die öst­li­chen Gebie­te hin­ter Avi­gnon vor uns. Das Etap­pen­ziel lau­te­te Per­ne-les-Fon­tai­nes. Um dort­hin zu gelan­gen, muss­ten wir nach der nörd­li­chen Umrun­dung von Avi­gnon in öst­li­cher Rich­tung wei­ter­fah­ren über Saint-Satur­nin-lès-Avi­gnon, was aus Avi­gnon kom­mend eine klei­ne Hügel­über­que­rung dar­stell­te. In einer medi­ter­ra­nen Gegend wie Süd­frank­reich sind Hügel oder Anhö­hen eine zwei­schnei­di­ge Ange­le­gen­heit: Auf der einen Sei­te bedeu­tet es immer eine grö­ße­re und meist auch schweiß­trei­ben­de Anstren­gung, in der Mit­tags­hit­ze oder im nach­mit­täg­li­chen Glut­ofen eine län­ge­re Zeit mit Gepäck auf­wärts zu fah­ren. Auf der ande­ren Sei­te jedoch  führt der Anstieg immer auch aus den sump­fig-feucht­war­men Nie­de­run­gen her­aus in ange­neh­me­re Kli­ma­zo­nen. Man atmet frei­er, selbst wenn es nur um 500 Höhen­me­ter geht. Das wuss­ten natür­lich auch die Men­schen im frü­he­ren Zei­ten, wes­halb schon die Römer ihre Som­mer­re­si­den­zen nicht wie auch noch der heu­ti­ge Pöbel an den Strand, son­dern in die Ber­ge ver­legt hat­ten. Ob Sizi­li­en, Apu­li­en oder die Lom­bar­dei: in der Hit­ze am Strand kann man sich nicht erho­len, son­dern nur das Hirn ver­brut­zeln las­sen. Und auch die Men­schen im Mit­tel­al­ter ver­leg­ten ihre Kur­or­te und Klös­ter in die Som­mer­fri­sche der Ber­ge. Da macht auch die Pro­vence kei­ne Aus­nah­me, denn eine Tour durch die Hau­te Pro­vence ist nicht nur eine Fahrt durch kli­ma­tisch ange­neh­me­re Zonen, son­dern auch in die Res­te der mit­tel­al­ter­li­chen Besiedlungen.

Per­nes-les-Fon­tai­nes, Aus­gangs­punkt für Rad­ler in die Hau­te Provence

In Saint-Satur­nin-lès-Avi­gnon tran­ken wir nur kurz einen Kaf­fee, dann ging es wei­ter nach Per­ne, wo wir vor Son­nen­un­ter­gang ankom­men woll­ten, da auf der Kar­te zwar ein Cam­ping­platz ange­ge­ben war, wir aber aus Erfah­rung wuss­ten, dass dies immer nur unge­fäh­re Anga­ben sind. Wir fan­den ihn auch – natür­lich auf der ande­ren Sei­te des Ortes – und ver­spra­chen den Kin­dern lei­der etwas zu viel, als wir in Aus­sicht stell­ten, ob der lan­gen Tour dies­mal in eine Piz­ze­ria zu gehen statt den Kocher anzu­wer­fen (schließ­lich war es ja schon spät, als wir anka­men). Allei­ne: es gibt nichts in Per­ne. So schön der klei­ne mit­tel­al­ter­li­che Ort auch ist mit sei­nem trut­zi­gen Stadt­tor und den alten Stra­ßen und Brun­nen am Hang eines Hügels, wir fan­den dort kein Eta­blis­se­ment, das nach einer Piz­ze­ria aus­sah. So also kehr­ten wir mit lee­rem Magen zum Cam­ping­platz zurück, der nörd­lich des Sport­zen­trums am öst­li­chen Orts­rand liegt, und koch­ten im Schein der Taschen­lam­pe unser beschei­de­nes Mahl.

Sénanque

Mont Ven­toux

Eigent­lich ist der „Berg der Win­de“ kein schö­ner Berg und daher auch für Genuss­rad­ler kein wirk­li­cher  Anzie­hungs­punkt. Im Gegen­teil, der größ­te Teil des Anstiegs ist eine elen­de Schin­de­rei vor­bei an baum­lo­sen Schotter­hän­gen, wobei im obe­ren Teil noch hef­ti­ge Win­de dazu kom­men, die dank der expo­nier­ten Lage aus allen Him­mels­rich­tun­gen kom­men kön­nen. Gera­de jedoch die­se Vege­ta­ti­ons- und Trost­lo­sig­keit und der damit ver­bun­de­ne Anspruch an das Durch­hal­te­ver­mö­gen machen für einen Renn­rad­fah­rer den Reiz aus. Auch wenn man den Anstieg nicht mit 30 km/​h hoch­jagt wie die mit Adre­na­lin und sons­ti­gen Sub­stan­zen voll­ge­pump­ten Berufs-Renn­rad­ler, stellt das Errei­chen des Gip­fels ein Sieg des Wil­lens über den eige­nen inne­ren Schwei­ne­hund dar.

Aller­dings ist die­se Tour nicht unge­fähr­lich und erfor­dert eine schier unmensch­li­che Kon­di­ti­on und damit viel Erfah­rung und Vorbereitung.

Zunächst begann der fol­gen­de Mor­gen noch recht ange­nehm, obwohl wir nun den Anstieg in die Hau­te Pro­vençe vor uns hat­ten. Bis Mit­tag woll­ten wir in Sén­an­que sein, was auf der Rad­kar­te zwar eini­ger­ma­ßen nah aus­sah, auf­grund aber der arg kur­vi­gen Stre­cke und der Höhen­pro­fi­le ein paar kna­cki­ge Anstie­ge ver­sprach. Und in der Tat wur­de die Stra­ße immer stei­ler. Unter­wegs kamen uns im Lau­fe des­Vor­mit­tags emsi­ge Renn­rad­ler ent­ge­gen, die die frü­hen Mor­gen­stun­den zu einem klei­nen Aus­flug in die Ber­ge ver­wen­det hat­ten. Die Räder kann man pro­blem­los in Per­ne mie­ten, wenn es den ambi­tio­nier­ten Sport­ler nach ein paar schö­nen bis anstren­gen­den Stei­gun­gen gelüs­tet. Dabei reicht das Spek­trum von lan­gen Rit­ten durch die Hau­te Pro­vençe bis hin zum Mont Ven­toux (sie­he rechts). Per­nes’ Rad­tou­ris­mus lebt eigent­lich vom Mont Ven­toux, des­sen kah­le Hän­ge wir auf unse­rem Weg nach oben aller­dings links lie­gen ließen.

Denn schon unse­re Stre­cke nach Sén­an­que war für unse­re voll­ge­pack­te Tan­dems anspruchs­voll. Immer­hin saßen ja nicht zwei Erwach­se­ne auf jedem Draht­esel. Die wenig befah­re­nen Rou­ten zwän­gen sich all­mäh­lich in immer enge­ren Kur­ven in die Ber­ge. Irgend­wann kurz vor dem Gip­fel ste­hen die Fel­sen dann so eng, dass man mit dem Rad in der Mit­te der Stra­ße fah­ren muss, um bei der Kur­ven­nei­gung nicht anzu­schram­men. Eine wil­de und weit­ge­hend unbe­wohn­te Gegend, die in einem Hoch­pla­teau endet, dem Ziel der Rad­ler. Ab hier dre­hen die Sport­li­chen wie­der um und jagen die Schluch­ten hin­ab, die sie gera­de erklom­men haben. Wir aller­dings fuh­ren wei­ter und auf der ande­ren Sei­te zum Klos­ter ins Tal der Sénanque.

Sén­an­que. Im Hin­ter­grund der Hügel, den wir hin­auf­fuh­ren. Im Vor­der­grund Lavendel

Das Klos­ter lag frü­her sehr abge­schie­den in einem klei­nen Tal, das nach Süden offen ist und den Mön­chen seit dem Mit­tel­al­ter ein beschei­de­nes Aus­kom­men bot.  Heu­te ist Sén­an­que ein Aus­flugs­ziel: die Abtei mit Klos­ter ist reno­viert, die Laven­d­el­fel­der, die wäh­rend der Blü­te einen betäu­ben­den Duft ver­brei­ten müs­sen, sind wohl­be­stellt. Da das Klos­ter wie­der bewohnt ist, hat der inter­es­sier­te Besu­cher nach der Besich­ti­gung der Außen­an­la­gen nur noch die Mög­lich­keit zur Ein­kehr. Die übri­gen Gebäu­de sind ihm bis auf weni­ge Aus­nah­men ver­schlos­sen. Wir hat­ten aller­dings unglaub­li­ches Glück, denn ein Fern­seh­team hat­te gera­de eine Über­tra­gung aus der Kir­che been­det und war damit beschäf­tigt, die zahl­rei­chen Kabel abzu­räu­men, die man für die Tech­nik benö­tigt hat­te. So stand die Tür offen und ein Mönch erlaub­te uns groß­zü­gig, einen Blick ins Inne­re der Kir­che zu wer­fen, bevor er die Türen wie­der schloss.

Abwärts nach Fontaine-de-Vaucluse

Was wir auf der Kar­te nicht bemerkt hat­ten: hin­ter Sén­an­que gen Süden gibt es kei­ne offi­zi­el­le Stra­ße. Die schma­le asphal­tier­te Ver­bin­dungs­stre­cke aus dem Tal her­aus ist aus nahe lie­gen­den Grün­den – eine Ein­bahn­stra­ße. So hät­ten wir als kor­rek­te Deut­sche natür­lich auf der offi­zi­el­len Rou­ten­füh­rung die drei Kilo­me­ter bis zum Gip­fel wie­der zurück fah­ren müs­sen, um dann die ande­re Abzwei­gung nach Süden neh­men zu kön­nen. Was für Auto­fah­rer gut und auch rich­tig sein mag, lie­ßen wir aber nicht für uns gel­ten: wir fuh­ren die Ein­bahn­stra­ße in ent­ge­gen­ge­setz­ter Rich­tung den Hügel hin­auf, schließ­lich waren wir in Frank­reich. Erstaun­li­cher­wei­se kam uns auch nur ein klei­nes Auto ent­ge­gen, des­sen Fah­rer uns Geis­ter­fah­rer jedoch gar nicht erbost anstarr­te, son­dern auch noch Platz mach­te. Frankreich.

Ober­halb des Tals wur­de die Stra­ße dann doch wie­der in bei­de Rich­tun­gen befahr­bar. Und zwar abwärts, so dass wir es locker rol­len las­sen konn­ten. Vor­bei an den tra­di­tio­nel­len Behau­sun­gen der Schä­fer, den Bories, die aus kunst­voll auf­ein­an­der geschich­te­ten Stei­nen bestehen. Dort­hin konn­ten sich die Schä­fer flüch­ten, wenn es drau­ßen in Strö­men goss und sich an einem klei­nen Feu­er wär­men. Und wie stark es gie­ßen kann, erfuh­ren wir dann noch am sel­ben Abend…

Zunächst aber mach­ten wir eine Kaf­fee­pau­se in Gor­des. Wir kamen an dem male­risch gele­ge­nen Ort vor­bei und bemerk­ten eigent­lich erst auf dem mit­tel­al­ter­li­chen Markt­platz, das der Ort sei­ne Exis­tenz aus­schließ­lich den Tou­ris­ten­strö­men ver­dankt, die hier täg­lich in Bus­sen hin­auf­ge­karrt wer­den. Und je mehr Tou­ris­ten kom­men, des­to höher stei­gen die Prei­se. Unser Fazit: man kann einen klei­nen Abste­cher nach Gor­des machen, aber kau­fen soll­te man dort nichts, denn der Euro schien dort nichts mehr wert zu sein.

Die Pest

Der „schwar­ze Tod“ war im Mit­tel­al­ter eine der gefürch­tets­ten Epi­de­mi­en, die in meh­re­ren Wel­len durch Mit­tel­eu­ro­pa schwapp­te und gan­ze Land­stri­che ent­völ­ker­te. Über­tra­gen wird die Pest durch Flö­he, die auf Rat­ten als Wirtstie­re leben. Und Rat­ten gab es in den Städ­ten vie­le. Enge Bebau­ung, kein sau­be­res Trink­was­ser, kei­ne Hygie­ne: die Kom­bi­na­ti­on die­ser Zustän­de sorg­ten vor allem in den Städ­ten im Mit­tel­al­ter für gera­de­zu idea­le Ver­hält­nis­se – aus Sicht der Bak­te­ri­en. Dar­über hin­aus tru­gen die infi­zier­ten Bewoh­ner durch Han­del und Ver­kehr zur Ver­brei­tung bei. Da man über den eigent­li­chen Grund für die epi­de­mi­sche Ver­brei­tung nicht Bescheid wuss­te, zog man in der Hau­te Pro­vençe eine „mur de pes­te“ quer durch die Land­schaft, um die Mobi­li­tät der Bewoh­ner ein­zu­schrän­ken. Ein sinn­lo­ses Unter­fan­gen, denn die Rat­ten klet­ter­ten nachts unge­hin­dert über die Mauer.

Ande­rer­seits pro­fi­tier­te gera­de die Pro­vençe vom schwar­zen Tod, denn in Unkennt­nis der eigent­li­chen Ursa­chen ver­trau­ten die Bewoh­ner auf die hei­len­den Kräf­te der Kräu­ter und des Gebets. Ers­te­res sorg­te für einen ver­mehr­ten Anbau und Han­del mit medi­ter­ra­nen Kräu­tern (die man in die so genann­te „Pest­na­se“ steck­te). – Viel­leicht ist es ein Witz der Geschich­te, dass das, was heut­zu­ta­ge als wohl­schme­cken­de Kräu­ter­mi­schung aus der süd­fran­zö­si­schen Küche nicht mehr weg­zu­den­ken ist, eigent­lich eine Maß­nah­me gegen die Pest war…

Aber auch die Kir­che pro­fi­tier­te davon, denn nach dem vor­zei­ti­gen Able­ben zahl­rei­cher Land­be­sit­zer und Adli­ger über­nahm die Kir­che gro­ßen Grund­be­sitz gegen eine himm­li­sche Fürsprache.

Aber wir hat­ten ja Feri­en, also geneh­mig­ten wir uns einen klei­nen Rund­gang ent­lang der alten Stadt­mau­er unter der engen mit­tel­al­ter­li­chen Bebau­ung hin­durch. Das pit­to­res­ke Stadt­bild führ­te uns wie­der vor Augen, wie eng im Mit­tel­al­ter in Euro­pa Reich­tum und Ver­elen­dung bei­ein­an­der lagen: Zwar mach­te Stadt­luft frei von der Leib­ei­gen­schaft, ande­rer­seits konn­ten die hygie­ni­schen Ver­hält­nis­se in den engen Städ­ten in kür­zes­ter Zeit die Bewoh­ner durch Epi­de­mi­en wie die Pest (sie­he auch rechts) fast kom­plett aus­rot­ten. Gera­de in Süd­frank­reich wüte­te die Pest ganz beson­ders, denn das Ein­falls­tor nach Euro­pa waren die völ­lig ver­dreck­ten Hafen­städ­te von Genua und Marseille.

In einer rasen­den Abfahrt fuh­ren wir nach der kur­zen Besich­ti­gung dann hin­un­ter ins Tal, um uns unten west­wärts nach Fon­tai­ne-de-Vau­clu­se durch­zu­schla­gen, dem Ziel unse­rer Etap­pe. Rie­si­ge Obst­baum­plan­ta­gen säum­ten dabei den Weg und die Kirsch­bäu­me bogen sich unter der saf­ti­gen Last. Am Weg­rand stan­den mehr als ein­mal klei­ne Ver­kaufs­stän­de, von denen wir nicht genau wuss­ten, ob die Kir­schen, die dort ange­bo­ten wur­den, auch wirk­lich mit Erlaub­nis vom Baum geholt wor­den waren. All­mäh­lich jedoch zog der Him­mel zu und als wir in das enge Tal der Sor­gue hin­ab­roll­ten, war von der Son­ne nichts mehr zu sehen. Fon­tai­ne-de-Vau­clu­se an den Quel­len der Sor­gue liegt male­risch ein­ge­bet­tet in einem Can­yon, an des­sen Fels­rän­der man bei­der­seits einer klei­nen Brü­cke die Häu­ser förm­lich an die Fel­sen geklebt hat. Am Ende des Can­yons, den man nur zu Fuß errei­chen kann, öff­net sich das Tal und gibt einen male­ri­schen Blick auf den kla­ren Fluss frei, der von zahl­rei­chen Quel­len gespeist wird, die erstaun­li­che Was­ser­men­gen frei­set­zen. Daher wur­den sie schon sehr früh ein­ge­fasst und von Was­ser­müh­len zur Papier­her­stel­lung genutzt. Davon kün­det auch ein Muse­um, das wir am fol­gen­den Tag besich­tig­ten. Vor­her aber wur­den wir Zeu­gen einer Sintflut.

Wir hat­ten kaum die Zel­te auf­ge­stellt und beschlos­sen, uns zur Fei­er des Tages eine Mahl­zeit in einem der ört­li­chen Loka­li­tä­ten zu gön­nen, als es zu tröp­feln begann. Inner­halb weni­ger Minu­ten wur­de aus dem Tröp­feln jedoch ein tro­pi­scher Sturz­bach, der vom Him­mel fiel. Mir sind sub­tro­pi­sche Unwet­ter im afri­ka­ni­schen Busch durch­aus ver­traut, aber in dem engen Tal ström­te das Was­ser von allen Sei­ten her­ein wie in einen Trich­ter. Minu­ten nach Beginn der Dusche (und das kommt dem Guss sehr nahe) begann die Sor­gue zu stei­gen. In etwa zehn Minu­ten war sie um einen hal­ben Meter ange­schwol­len und don­ner­te nun über die klei­nen Weh­re der ehe­ma­li­gen Mühl­bä­che. Die Stra­ßen selbst stan­den knö­chel­tief unter Was­ser, was aber die Besu­cher nicht dar­an hin­der­te, in den offe­nen Cafés den ver­zwei­fel­ten Pas­san­ten zuzu­se­hen, denen das Was­ser aus den Hosen­bei­nen rann. Für die Kin­der war es jeden­falls ein Schauspiel.

Zurück nach Avignon

Die Zel­te hat­ten den Guss jeden­falls klag­los über­stan­den, wie wir bei unse­rer Rück­kehr auf den Cam­ping­platz fest­stell­ten. So ver­brach­ten wir eine tro­cke­ne und woh­li­ge Nacht in dem guten Gefühl, dass es sich aus­zah­len kann, beim Zelt­kauf nicht zu knausern.

Der Mor­gen nach dem Guss war jeden­falls vom Feins­ten: als ob der Regen den Him­mel blank­ge­putzt hät­te, strahl­te uns die Son­ne gera­de­zu unver­schämt an und wir mach­ten auch red­lich Gebrauch davon: ein klei­ner Spa­zier­gang an der Sor­gue, dann ein grö­ße­rer Spa­zier­gang hin­auf zu den Quel­len der Sorgue.

Die Quel­len der Sorgue

Im strah­len­den Blau des Him­mels glit­zer­te das Was­ser und schäum­te gar ein­la­dend, wor­auf wir aller­dings ange­sichts der nied­ri­gen Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren und der fort­ge­schrit­te­nen Tages­zeit ver­zich­ten muss­ten, denn es stand noch die Rück­fahrt nach Avi­gnon auf dem Pro­gramm. Und so ris­sen wir die Kin­der fort vom Zie­gen­füt­tern und schwan­gen uns wie­der auf die Räder, um west­wärts nach Avi­gnon zurück zu fahren.

Lei­der ist die Tour nach Avi­gnon wesent­lich unspek­ta­ku­lä­rer als die Hin­fahrt, denn die Besied­lungs­dich­te steigt schnell an, sobald man drau­ßen und in der Ebe­ne unter­wegs ist – und damit nimmt auch der Auto­ver­kehr zu.

In Avi­gnon hat­ten wir noch in dem klei­nen Hotel unse­re Fahr­rad­kof­fer abge­stellt, die ich noch am glei­chen Tag wie­der mit den zer­leg­ten Rädern fül­len muss­te, denn die Abfahrt am nächs­ten Mor­gen war recht früh, und das Zer­le­gen eines Tan­dems dau­ert gut und ger­ne eine Stun­de. Und wäh­rend die Kin­der und mei­ne Frau noch einen Stadt­bum­mel mach­ten, war auch das im Hand­um­dre­hen erle­digt und die Hän­de schwarz. Der Rück­fahrt stand nun nichts mehr im Weg außer dem unan­ge­neh­men Gefühl, dass der Urlaub wie­der vor­bei war …