Wie auch an der Web­site unschwer erkenn­bar ist: Ich schrei­be gern. Es berei­tet mir kei­ne grö­ße­re Mühe, ein paar flot­te Sät­ze aufs Papier bzw. den Bild­schirm zu wer­fen, zu über­ar­bei­ten und dann nach ein paar inhalt­li­chen Kor­rek­tu­ren (die Recht­schrei­bung über­las­se ich lei­der meist der Soft­ware) zu ver­öf­fent­li­chen. Sei es als Text im Inter­net oder als Text in einer tech­ni­schen Dokumentation.

Letz­te­res ver­langt zwar etwas mehr Nach­den­ken im Vor­feld, also vor Beginn des Schrei­bens, ist aber dann flott pro­du­ziert, wenn mir der Inhalt klar vor Augen steht. Da ich visu­ell ori­en­tiert bin, muss ich den Ablauf oder die Funk­ti­on deut­lich vor mir haben, bevor ich sie mit Wor­ten fest­hal­ten kann.

Wohin mit den Notizen?

Lite­ra­tur

Krea­ti­ves Den­ken und Pro­blem­lö­sen mit bild­li­chen und beschrei­ben­den Reprä­sen­ta­tio­nen, Wolf­gang Schnotz/​Christiane Baadte/​Andreas Müller/​Renate Rasch, S.204ff, in: Bil­der – Sehen – Den­ken. Zum Ver­hält­nis von begriff­lich-phi­lo­so­phi­schen und empi­risch-psy­cho­lo­gi­schen Ansät­zen in der bild­wis­sen­schaft­li­chen For­schung, Klaus Sachs-Hom­bach/­R­ei­ner Trotz­ke (Hrsg.), Her­bert von Halem Ver­lag, Köln 2011

Damit beginnt aber oft ein Hin­der­nis­lauf durch die Abtei­lun­gen und zu den jewei­li­gen SMEs (Sub­ject Mat­ter Experts), also denen, die mir die Infor­ma­tio­nen lie­fern. Im Gegen­satz zu die­sen bin ich näm­lich nicht am Ent­ste­hungs­pro­zess des zu beschrei­ben­den Pro­dukts betei­ligt gewe­sen, ich bekom­me das Ergeb­nis zu sehen ohne die Hin­ter­grün­de erken­nen zu kön­nen. Ich erhal­te unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven auf das glei­che Pro­dukt und teil­wei­se auch unter­schied­li­che Bezeich­nun­gen für ein und den­sel­ben Gegen­stand. Um mir selbst Licht im Dun­keln der Infor­ma­ti­ons­flut zu machen, skiz­zie­re ich oft Abläu­fe oder Funk­tio­nen auf einem Notiz­block. Die­se Noti­zen fas­se ich dann zu einer Art Gedächt­nis­pro­to­koll zusam­men, dass ich mir gege­be­nen­falls sogar von mei­nen Ansprech­part­nern abseg­nen lassen.

Was aber pas­siert mit den Skizzen?

Aus­schnitt aus einem Flussdiagramm
Man­che Kol­le­gen behal­ten die Ver­ständ­nis­skiz­zen oder Visua­li­sie­run­gen der Abläu­fe für sich und geben an den Benut­zer ihrer Doku­men­ta­ti­on fer­ti­ge Bau­teil­zeich­nun­gen oder Mon­ta­ge­zeich­nun­gen oder gar Fotos des Pro­dukts wei­ter. Viel­leicht benö­tigt der Leser kei­ne sol­chen Skiz­zen, mög­li­cher­wei­se ist er so sat­tel­fest in der Benut­zung des Pro­dukts, dass er den gan­zen Text sowie­so für über­flüs­sig hält und allei­ne durch das Anschau­en alles erfasst.

Viel­leicht.

Wenn man aber berück­sich­tigt, dass bei vie­len Maschi­nen die gera­de doku­men­tier­te nicht die ein­zi­ge ist, die der Benut­zer zu bedie­nen und zu war­ten hat, könn­te es Sinn machen, die gera­de gewon­ne­ne Visua­li­sie­rung in über­ar­bei­te­ter Fas­sung auch wei­ter­zu­ge­ben. Ob es ein Fluss­dia­gramm (in ver­ein­fach­ter Form) oder aber eine Prin­zip­dar­stel­lung eines Bau­teils ist: auch der Benut­zer freut sich dar­über, wenn er nicht län­ger als nötig über einer Dar­stel­lung brü­ten muss, um das für ihn Wesent­li­che zu erken­nen. Selbst wenn der Benut­zer „vom Fach“ ist und eigent­lich das Lesen kom­ple­xer tech­ni­scher Zeich­nun­gen zu sei­nem All­tag gehört, erleich­tert es sein Ver­ständ­nis, wenn ihm rele­van­te Infor­ma­tio­nen unmit­tel­bar zugäng­lich sind. Oder, um es wis­sen­schaft­li­cher auszudrücken:

Bil­der wer­den direkt als bild­li­che men­ta­le Reprä­sen­ta­tio­nen oder men­ta­le Model­le enko­diert, wohin­ge­gen bei dem Erfas­sen von Tex­ten eine Reko­die­rung statt­fin­den muss, damit ein men­ta­les Modell erzeugt wer­den kann.“ (Schnotz/​Baadte/​Müller/​Rasch, S. 222, s.o.)

Auf deutsch: Wenn wir ein Bild sehen, kön­nen wir uns den kon­kre­ten Gegen­stand leicht vor­stel­len, einen Text dage­gen müs­sen wir erst in ein Bild über­set­zen. Das geht einem Lai­en aber genau­so wie einem Pro­fi. Es dau­ert län­ger, einen Text zu ver­ste­hen als ein Bild – im All­ge­mei­nen. Ein Bild jedoch stellt nur einen unver­rück­ba­ren Zustand dar, es bil­det kei­ne Bewe­gung und kei­ne Rei­hen­fol­ge ab. Bei­des muss man in das Bild hin­ein­ge­ben – meist in Form von Text oder Num­mern oder mit zusätz­li­chen Bil­dern wie Richtungspfeilen.

Wie viel Information darf sein?

Jede zusätz­li­che Infor­ma­ti­on aber erhöht die Anzahl der Infor­ma­tio­nen, die im Bild ent­hal­ten sind, und erhöht damit auch die Kom­ple­xi­tät. Dar­über hin­aus sind zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen meist red­un­dant und nur auf eine bestimm­te Aus­prä­gung (Modell­rei­he, Vari­an­te etc.) anwend­bar.  Die Dar­stel­lung wird damit immer genau­er, der Detail­reich­tum nimmt zu, aber die All­ge­mein­gül­tig­keit sinkt. Je spe­zi­fi­scher aber die Infor­ma­tio­nen sind, die mit dem Bild ver­mit­telt wer­den, des­to grö­ßer wird auch der gedank­li­che Auf­wand, den der Betrach­ter leis­ten muss, um die für die dar­ge­stell­te Situa­ti­on wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen zu erken­nen: Für einen Ölwech­sel am Getrie­be spielt die Grö­ße der Rit­zel kei­ne Rol­le. Außer­dem kann es für die Pfle­ge einer Doku­men­ta­ti­on aus Sicht des Redak­teurs sehr auf­wän­dig wer­den, wenn er für jede Vari­an­te einen kom­plet­ten Kata­log an Dar­stel­lun­gen vor­hal­ten muss, selbst wenn sich die­se nur um unwe­sent­li­che Details unter­schei­den. Das sind Kos­ten und auch Fehlerquellen.

Dar­stel­lung in der Funk­ti­ons­be­schrei­bung und in der Instand­set­zung: ein­mal in Far­be zur Über­sicht, ein­mal im Hin­ter­grund als Schwarz-Weiß-Zeich­nung zur Orientierung

Prinzipskizzen

Es geht bei Dar­stel­lun­gen daher um die Balan­ce zwi­schen Genau­ig­keit und All­ge­mein­gül­tig­keit, zwi­schen Auf­wand und Ver­ständ­lich­keit. Einen recht brauch­ba­ren Weg stel­len dabei die so genann­ten „Prin­zip­skiz­zen“ dar, bei denen eine tech­ni­sche Zeich­nung in eine tech­ni­sche Illus­tra­ti­on umge­setzt wird. Prin­zip­skiz­zen ver­zich­ten absicht­lich auf zahl­rei­che Infor­ma­tio­nen, und stel­len den Gegen­stand wie­der­erkenn­bar, aber stark ver­ein­facht dar. Sie kön­nen dann mehr­fach in einer Doku­men­ta­ti­on ver­wen­det wer­den und machen den Benut­zer zunächst mit den grund­le­gen­den Funk­tio­nen ver­traut, hel­fen ihm aber in einem ande­ren Zusam­men­hang dabei, ein Detail an dem Pro­dukt zu fin­den, dass in einer expli­zi­ten Dar­stel­lung beschrie­ben wird (bei­spiels­wei­se einem Instand­hal­tungs­schritt). In der ers­ten Erstel­lung ist zwar der Auf­wand hoch, da ja vom Illus­tra­tor eine bewuss­te Ver­ein­fa­chung ange­strebt wird, durch die mehr­fa­che Ver­wen­dung aber sinkt der Auf­wand beträchtlich.

Aller­dings soll­te man nicht ver­schwei­gen, dass der Illus­tra­tor einen guten Über­blick über das Pro­dukt und alle Vari­an­ten – und eine genaue Kennt­nis der Anwen­dungs­fäl­le haben soll­te. Eine klei­ne Her­aus­for­de­rung, die sich aber beson­ders im Son­der­ma­schi­nen­bau schnell bezahlt macht.