Schon drei­mal habe ich in die­ser Rubrik über die Text­ver­ar­bei­tung Nisus Wri­ter berich­tet. Zunächst den ers­ten recht ange­streng­ten Ver­such, ein ehr­wür­di­ges Pro­gramm mit zahl­rei­chen Fea­tures aus der Ver­sen­kung eines unter­ge­gan­ge­nen Betriebs­sys­tems namens Mac OS 9 auf den Stand des OS X zu brin­gen. Dann über die neu­en Fea­tures und die Spal­tung zwi­schen einer „Express“ und einer „Pro“-Version und dem ernst­zu­neh­men­den Anspruch, auch für alt­ge­dien­te Mac-Benut­zer eine Alter­na­ti­ve zu den voll­ge­pfropf­ten Office-Pake­ten anzu­bie­ten. Auch das ist schon wie­der drei Jah­re her. So wur­de es mal wie­der Zeit nach­zu­se­hen, was in der Zwi­schen­zeit aus die­sem Vete­ran gewor­den ist. Die gute Nach­richt: Nisus Wri­ter ist „ali­ve and kicking“.

Über die Unter­schie­de zwi­schen der „Express“-Version und der „Pro“-Version infor­miert auch die Web­site von Nisus.

Nisus Wri­ter Pro: USD 79, im App Store für 62,99 €

Nisus Wri­ter Express: USD 45, im App Store für 35,99 €

Benö­tigt wird mitt­ler­wei­le OS X ab Ver­si­on 10.6.6

(c) Nisus Inc.
Zwar ist die aktu­el­le Ver­si­on 2 auch schon wie­der eini­ge Mona­te alt, aber in einer schnell­le­bi­gen Zeit, in der sich Pro­gramm­ver­sio­nen gegen­sei­tig über­ho­len und man kaum noch zum Arbei­ten kommt wegen der stän­di­gen Aktua­li­sie­run­gen, ist es eigent­lich wohl­tu­end, wenn sich eine tra­di­ti­ons­be­wuss­te Soft­ware­schmie­de Zeit nimmt. Vor allem wenn die Zeit dazu genutzt wur­de, das Flagg­schiff immer wie­der sorg­fäl­tig zu tes­ten und zu polie­ren, damit es kei­nen Rost ansetzt und auch nicht mit Schnick­schnack über­frach­tet zur „Bloat­wa­re“ ver­kommt. Nur Fea­tures um der Fea­tures wil­len führt auch in der Soft­ware zu nach­las­sen­der Qua­li­tät. Fokus ist das Stich­wort.

Und wor­auf hat man sich bei Nisus kon­zen­triert? Nach dem Doku­men­ten­ma­na­ger in Ver­si­on 1 wur­den in Ver­si­on 2 die Bear­bei­tungs­mög­lich­kei­ten ver­bes­sert und am Import-​/​Exportfilter zum all­ge­gen­wär­ti­gen MS-Word gefeilt. Außer­dem wur­den ein paar rudi­men­tä­re Zei­chen­funk­tio­nen hin­zu­ge­fügt, die es unter ande­rem erlau­ben, Text- und Bild­ob­jek­te an der Sei­te oder im Text zu ver­an­kern. Dazu aber spä­ter mehr.

Fokus auf Textverarbeitung

Zunächst fällt die Mög­lich­keit auf, sich auf der rech­ten oder lin­ken Sei­te des Text­fens­ters die „Navi­ga­tor“ genann­te Leis­te dar­stel­len zu las­sen. Damit wird ent­we­der eine Glie­de­rungs­an­sicht in Form eines vor­läu­fi­gen Inhalts­ver­zeich­nis­ses ange­zeigt oder eine Über­sicht der Lese­zei­chen. In der Glie­de­rungs­an­sicht, die die Über­schrift­ebe­nen hier­ar­chisch dar­stellt (ähn­lich der Navi­ga­ti­ons­an­sicht in Word) lässt sich bequem zwi­schen Absät­zen navi­gie­ren, so dass auch lan­ge Tex­te ihren Schre­cken ver­lie­ren. Ähn­lich ver­hält es sich mit der Lese­zei­chen­lis­te, nur dass die­se vom Autor selbst gesetzt wer­den und er sich damit unab­hän­gig vom spä­te­ren Inhalts­ver­zeich­nis oder der Über­schrif­ten­hier­ar­chie eige­ne Sprung­zie­le defi­nie­ren kann. Das ist gera­de beim Auf­set­zen eines Manu­skripts von Vor­teil, wenn die Stel­len mar­kiert wer­den sol­len, die noch über­ar­bei­tet wer­den müs­sen. Wie auch in der Glie­de­rungs­an­sicht führt ein Klick dar­auf zu der gewünsch­ten Stel­le.

Um eine Text­stel­le her­vor­zu­he­ben, lässt sich aber auch das Kom­men­tar­werk­zeug ein­set­zen, das in einer zusätz­li­chen Leis­te ange­zeigt wird. Da dies recht bequem zu errei­chen ist, ver­lockt der Ein­satz auch für Noti­zen zum Text. Die Kom­men­ta­re kön­nen beim Export als PDF mit aus­ge­ge­ben wer­den und so für Kor­rek­tur­läu­fe genutzt wer­den.

Eine wei­te­re Unter­stüt­zung vor allem für die Online-Redak­teu­re unter uns, die neben der Recht­schrei­bung auch auf die Zahl der Absät­ze, Zei­chen und Wör­ter ach­ten müs­sen, ist die Sta­tis­tik-Funk­ti­on gedacht, die per­ma­nent über den aktu­el­len Umfang infor­miert.

Aber auch schon das rei­ne Schrei­ben ist kein Hexen­werk mehr: Nisus Wri­ter unter­stützt über eine umfang­rei­che Biblio­thek den Ein­satz von Son­der­zei­chen und Platz­hal­tern für Seri­en­brie­fe und Doku­ment­in­for­ma­ti­on – in allen Spra­chen.

Und ist die ers­te Über­ar­bei­tung fer­tig und das Doku­ment soll geän­dert wer­den, las­sen sich mit einem Klick die Ände­run­gen auf­zeich­nen. Nisus zählt dabei alle Ände­run­gen mit, so dass auch bei lan­gen Tex­ten kei­ne Ände­rung über­se­hen wer­den kann.

Die Soft­ware gibt es selbst­ver­ständ­lich auch in loka­li­sier­ten Fas­sun­gen.

Text- und Bildobjekte

Die Ver­wen­dung von Text- und Bild­ob­jek­ten gehört eigent­lich in den Bereich Lay­out und nicht in den Bereich Text­ver­ar­bei­tung. Das ist die Domä­ne der Lay­out­pro­gram­me. Hier kann und will Nisus Wri­ter nicht mit­hal­ten. So kommt Nisus Wri­ter mit einer umfang­rei­chen Biblio­thek an For­men und Pfei­len, die sich mun­ter über die Sei­ten ver­schie­ben und auch in ihrer Grö­ße und Aus­se­hen weit­ge­hend modi­fi­zie­ren las­sen, aber es ersetzt eben kein Zei­chen­pro­gramm wie Omni­Graff­le und ähn­li­che Soft­ware. Trotz vie­ler Mög­lich­kei­ten, den Text optisch zu fri­sie­ren bleibt das Pro­gramm auf dem Niveau einer Text­ver­ar­bei­tung – und das ist auch gut und rich­tig so.

Fazit

Gera­de die mitt­ler­wei­le zahl­rei­chen Bear­bei­tungs- und Mar­kie­rungs­mög­lich­kei­ten machen Nisus Wri­ter Pro zur ers­ten Wahl bei der Text­ver­ar­bei­tung, da damit zuver­läs­sig und schnell auch umfang­rei­che­re Tex­te erstellt wer­den kön­nen. In der Tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on und auch gene­rell inner­halb eines Redak­ti­ons­pro­zes­ses lässt sich die Soft­ware gleich­wer­tig zu einem wesent­lich teu­re­ren Office-Pro­gramm ein­set­zen, wel­ches für die redak­tio­nel­len Ansprü­che völ­lig über­frach­tet ist. Ich set­ze es daher vor­wie­gend für die schnel­le Text­be­ar­bei­tung ein und zum „Säu­bern“ von Tex­ten, in denen wohl­mei­nen­de Kol­le­gen mal wie­der mit Hil­fe von Leer­zei­chen und einem bun­ten Gemisch aus Absatz­mar­kern und har­tem Umbruch vor sich hin for­ma­tiert haben. Dabei kommt vor allem die her­vor­ra­gen­de Suchen- und Erset­zen-Funk­ti­on um Ein­satz – aber die ist ja schon hin­rei­chend beschrie­ben wor­den …