Zwei Ansichten des Reeders auf dem iPhone: ungelesene Feeds nach Datum sortiert und was man mit einer Nachricht anstellen kann.

RSS ist nichts wirk­lich Neu­es, und auch nichts wirk­lich Bahn­bre­chen­des. Umso erstaun­li­cher, wie wenig Zeit­ge­nos­sen den Pro­duk­ti­vi­täts­ge­winn durch die Nut­zung von RSS erken­nen. Und wie wenig Zeit­ge­nos­sen über­haupt wis­sen, was RSS ist. Wie? Sie auch nicht? OK. Bevor ich also eine eigent­lich simp­le und doch genia­le App zum Lesen und Ver­wal­ten der „RSS Feeds“ vor­stel­le, soll­te ich ein paar ein­lei­ten­de Wor­te zum The­ma RSS ver­lie­ren. Wer sich damit aus­kennt – der über­springt die­sen tech­ni­schen Teil ein­fach und macht gleich bei der App wei­ter.

RSS: Really Simple Syndication

Tech­nisch gese­hen bezeich­net RSS eine Art des Daten­for­mats im Inter­net, das vor allem auf For­ma­tie­rung ver­zich­tet und in der Urform den nack­ten Text einer Inter­net­sei­te zusam­men­fasst (daher „Syn­di­ca­ti­on“, die gleich­zei­ti­ge Ver­öf­fent­li­chung eines Zei­tungs­ar­ti­kels). Stel­len Sie sich ein­fach vor, Sie sei­en direkt an die Text­ver­ar­bei­tung des Online-Redak­teurs ange­schlos­sen: Er schreibt den Text, ver­passt ihm eine Über­schrift und ein Datum und schickt ihn zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung in eine Daten­bank, die den Inhalt dann mit Bil­dern, Ani­ma­tio­nen, Lay­out, Wer­be­ban­nern usw. auf­peppt und auf einer Inter­net­sei­te prä­sen­tiert. Sie als Leser wür­den nor­ma­ler­wei­se den Text auf der Inter­net­sei­te lesen und stän­dig von die­sen fla­ckern­den Wer­be­ban­nern abge­lenkt wer­den.

Nun aber muss der Text ja nicht nur zwi­schen die geld­brin­gen­de Wer­bung gequetscht wer­den, son­dern kann auch ganz oder teil­wei­se in sei­ner rei­nen Form gele­sen wer­den. Dazu lei­tet die Daten­bank den Inhalt („Feed“) als „wirk­lich ein­fa­che Ver­öf­fent­li­chung“ (RSS) auf eine ande­re Sei­te, die Sie mit einem nor­ma­len Brow­ser gar nicht dar­stel­len kön­nen (mitt­ler­wei­le ver­fü­gen Brow­ser über eine sol­che Schnitt­stel­le, sie ver­fügt aber nur über rudi­men­tä­re Funk­tio­nen). Eigens dafür pro­gram­mier­te Appli­ka­tio­nen kön­nen mit zahl­rei­chen sinn­vol­len Zusatz­fea­tures auf­war­ten.

Zwei Ansichten des Reeders auf dem iPhone: ungelesene Feeds nach Datum sortiert und was man mit einer Nachricht anstellen kann.

Wozu RSS?

Was aber bringt es, nur den Text zu lesen (außer den Ver­la­gen hohe Ver­lus­te, denn die Wer­be­ban­ner wer­den nicht ange­klickt, weil sie nicht mehr da sind)? Ein zuge­ge­be­ner­ma­ßen hin­ken­der Ver­gleich mit einer Zei­tung sei erlaubt: Stel­len Sie sich vor, Sie haben ein Dut­zend Zei­tun­gen abon­niert, die Sie täg­lich lesen, um über das aktu­el­le Gesche­hen gut infor­miert zu sein. Statt nun jede Zei­tung Sei­te für Sei­te zu durch­blät­tern auf der Suche nach inter­es­san­ten (oder the­ma­tisch ver­wand­ten) Arti­keln, fas­sen Sie alle Titel und Anrei­ßer auf einer Sei­te zusam­men und sor­tie­ren Sie nach Erschei­nungs­zeit­punkt oder Her­kunft. Als Ergeb­nis erhal­ten Sie eine über­sicht­li­che Lis­te der Arti­kel, die Ihnen ange­bo­ten wer­den. Aus die­sen kön­nen sie sich dann die Gewünsch­ten schnell her­aus­pi­cken und lesen.

Toll – wenn es nicht so müh­se­lig wäre, die­se Lis­te aus Zei­tungs­ar­ti­keln zusam­men­zu­stel­len. Das aber über­nimmt die Soft­ware: sie durch­fors­tet die abon­nier­ten Inter­net­sei­ten, fischt die aktu­el­len Arti­kel her­aus und zeigt nur die Titel und die Anrei­ßer an. Pro­gram­me dafür gibt es schon seit Jah­ren, sie lau­fen auf allen Com­pu­ter­platt­for­men und bie­ten unter­schied­li­che Funk­tio­nen zusätz­lich zum rei­nen Sam­meln und Sor­tie­ren an: Fil­tern, kom­men­tie­ren, wei­ter­lei­ten und bewer­ten bei­spiels­wei­se. Sie wer­den unter der Bezeich­nung „RSS-Aggre­ga­to­ren“ oder „Feed­re­ader“ zusam­men­ge­fasst.

Die App

Auch den „Ree­der“ für den Mac gibt es schon seit zwei Jah­ren. Es han­delt sich dabei um eine beson­de­re Spe­zi­es, die die Daten­sam­mel­wut der Goog­le-Ser­ver nutzt und die abon­nier­ten „Feeds“ mit dem Goog­le-Reader abgleicht. Die­se Syn­chro­ni­sa­ti­on mit dem Goog­le-Reader macht durch­aus Sinn, vor allem, wenn man meh­re­re Gerä­te benutzt, also bei­spiels­wei­se den Ree­der auf dem Mac und den Ree­der für das iPho­ne. Was auf dem Mac haupt­säch­lich durch eine ange­neh­me Nut­zer­ober­flä­che und Reduk­ti­on aufs Wesent­li­che auf­fällt, kommt in der iPho­ne-Ver­si­on erst rich­tig zur Gel­tung: Hier muss mit Platz und Inhal­ten noch viel spar­sa­mer umge­gan­gen wer­den, schließ­lich ist der Bild­schirm nicht gera­de groß.

Wie auch der gro­ße Bru­der auf dem Mac erlaubt auch der klei­ne Ree­der die viel­fäl­ti­ge Ver­wal­tung und Bear­bei­tung der Inhal­te: Arti­kel kön­nen auf die eige­ne Face­book-Sei­te oder auf Twit­ter geschickt wer­den, als E-Mail ver­schickt oder auf sons­ti­ge Wei­se bewer­tet und kom­men­tiert wer­den. Vor allem aber glänzt Ree­der auf dem iPho­ne mit dem inte­grier­ten Plug-In „Reada­bi­li­ty“. Wo näm­lich nor­ma­le RSS-Pro­gram­me nur die Titel und die Anrei­ßer der Arti­kel dar­stel­len und man zum wei­ter­le­sen dann doch wie­der auf die Inter­net­sei­te gelockt wird, lässt sich mit dem Ree­der auf dem iPho­ne auch der kom­plet­te Inhalt ohne stö­ren­de „Neben­ge­räu­sche“ dar­stel­len: Nur Text und das dazu gehö­ren­de Bild – sofern vor­han­den.

Nutzen

Wer meint, aus Zeit­grün­den über das täg­li­che Gou­tie­ren der ein­schlä­gi­gen Gos­sen- und Revol­ver­blätt­chen nicht hin­aus­kom­men zu kön­nen, der hat jetzt kei­ne Aus­re­de mehr: auch anspruchs­vol­le­re Infor­ma­tio­nen als zum Auto­dieb­stahl in Oug­adou­gou oder der Ober­wei­te tie­fer­be­gab­ter Fern­seh­stern­chen las­sen sich mit die­ser App schnell und ziel­si­cher ansteu­ern, kon­su­mie­ren und wei­ter­lei­ten. Selbst ein Plug-In für den uni­ver­sel­len Notiz­zet­tel „Ever­no­te“ ist vor­han­den – aber das ist ein ande­rer Arti­kel. Und die Zei­tun­gen kön­nen Sie ja immer noch zum Drauf­set­zen ver­wen­den.