Wie ist Sizi­li­en? Das ist ein­fach beschrie­ben: dre­ckig, heiß, vor allem von Juni bis Sep­tem­ber, laut, chao­tisch, gefähr­lich, arm – mit einem Wort: der Boden­satz Euro­pas.

Aber in Sizi­li­en leben auch lau­ter freund­li­che Men­schen, die ger­ne den lie­ben Gott einen guten Mann sein las­sen, die für ihr täg­li­ches Brot hart arbei­ten müs­sen, die kei­ne Aus­sicht haben, da jemals weg­zu­kom­men, selbst wenn sie woll­ten. Sizi­li­en ist ein sehr armes Land an der Stie­fel­spit­ze Euro­pas. Und wir waren dort. Mit unse­ren Rädern.

Gera­de wenn es in Deutsch­land mal wie­der nicht Som­mer wer­den will, wenn sich die Autos am Mitt­le­ren Ring stau­en und jeder zur Arbeit hetzt, dann kom­men Plä­ne auf, eine klei­ne Flucht zu wagen. So beschlos­sen wir, nach 15-jäh­ri­ger Absti­nenz wie­der mal in das Land zu fah­ren, wo laut Goe­the „im dunk­len Laub die Gold-Oran­gen glühn“. Da unse­re Kin­der auch kul­tu­rell sehr inter­es­siert sind und ger­ne mit uns zum Zel­ten fah­ren, woll­ten wir dies­mal zu Viert fah­ren. Als Fort­be­we­gungs­mit­tel dien­ten uns zwei Tan­dems (sie­he rechts), bela­den mit Zel­ten, Kocher, Schlaf­sä­cken, Iso­mat­ten und diver­sen Uten­si­li­en, die man zum Über­le­ben braucht. da bei nur zwei Rädern der Stau­raum sehr begrenzt ist, muss­ten wir sehr sorg­fäl­tig pla­nen.

Nach län­ge­rem Hin und Her beschlos­sen wir, unse­re alte Tour noch ein­mal zu fah­ren: die Rund­rei­se von Cata­nia nach Syra­kus, Agri­gent und zurück über Piaz­za Arme­ri­na nach Cata­nia.

Der Start mit Hindernissen

Mit ver­pack­ten Tan­dems und meh­re­ren Fahr­rad­ta­schen und -säcken zum Flug­ha­fen zu fah­ren ist natür­lich ungleich kom­for­ta­bler, als es mit Fahr­rä­dern zu tun, die dort in Papp­kar­tons gesteckt wer­den. So war das Ein­che­cken in Mün­chen kein Pro­blem und der Flug ver­lief ruhig. In Cata­nia am Nach­mit­tag ange­kom­men, nah­men wir ein Taxi in ein Hotel, das wir für den ers­ten und den letz­ten Tag der Rei­se gebucht hat­ten wegen der Mög­lich­keit, die sper­ri­gen Hart­scha­len­kof­fer dort sicher zu lagern.

Cata­nia mit Ätna (c) donfeidner.de
So hat­ten wir kurz Zeit, uns am Lido umzu­se­hen und beka­men auch gleich einen ers­ten Ein­druck von dem Lärm­pe­gel, der in Sizi­li­en nor­mal ist. Alle hun­dert Meter schep­pert und wum­mert es aus irgend­ei­nem kof­fer­gro­ßen Krach­schrank mit sol­cher Nach­drück­lich­keit und Aus­dau­er bis spät in die Nacht, dass man den Ein­druck hat, man sei irgend­wo am Bal­ler­mann. Ein ent­setz­li­cher Lärm­pe­gel, von dem wir annah­men, dass er auf den Lido beschränkt sei …

Am fol­gen­den Tag bau­ten wir die Räder zusam­men, pack­ten auf und zogen los auf der Stra­ße Rich­tung Syra­kus, unse­rem nächs­ten Ziel. Laut Stra­ßen­kar­te muss­ten wir dazu zunächst auf der recht viel befah­re­nen Haupt­stra­ße den Sime­to kreu­zen und dann in eine ruhi­ge Neben­stra­ße nach Len­ti­ni ein­bie­gen. Bevor wir die­se jedoch erreich­ten, ende­te die Stra­ße in einer Bau­stel­le und führ­te uns als Umlei­tung auf die Auto­bahn nach Paler­mo. Jetzt war guter Rat teu­er. Die nächs­te Abfahrt der glück­li­cher­wei­se fast gar nicht befah­re­nen Autostra­da neh­mend, kamen wir viel zu weit west­lich ins Lan­des­in­ne­re und muss­ten uns unse­ren Weg zurück nach Len­ti­ni suchen. Da die dor­ti­ge Aus­schil­de­rung aber trotz mitt­ler­wei­le ver­bes­ser­ten Stra­ßen­be­lä­gen immer noch sehr unzu­rei­chend ist, gerie­ten wir auf unter­wegs auf den ost­si­zi­lia­ni­schen Stra­ßen­strich, bei dem sich Schwarz­afri­ka­ne­rin­nen dem triebst­au­ge­plag­ten Mann unter Oran­gen­bäu­men anbie­ten. Goe­the hat­te sich das damals sicher anders vor­ge­stellt …

Für uns aber bedeu­te­te die­ser Umweg bereits das Ende der schö­nen Pla­nung: Abends um sie­ben befan­den wir uns immer noch in den Aus­läu­fern der iblei­schen Ber­ge zwi­schen Cata­nia und Syra­kus und waren vom stän­di­gen Hügel-rauf-Hügel-run­ter müde. Irgend­wo hin­ter Car­len­ti­ni sprach uns dann ein älte­rer Mann an und emp­fahl uns, an einer nahen Was­ser­stel­le „wild“ zu cam­pen statt noch zwei bis drei Stun­den nach Syra­kus zu fah­ren und den ange­peil­ten Cam­ping­platz zu suchen. So zel­te­ten wir auf einer Beton­plat­te mit­ten in einem Was­ser­schutz­ge­biet neben einer klei­nen Quel­le mit Trink­was­ser. Die­se Nacht war erheb­lich ruhi­ger, wenn­gleich die Nach­ti­gall im Baum direkt über uns auch kei­ne Nacht­ru­he zu ken­nen schien. Lei­der hat­ten wir fast nichts zu essen dabei, was aber der Stim­mung kei­nen Abbruch tat.

Auf der ers­ten Etap­pe am ers­ten Tag unse­rer Rei­se waren wir in einem Was­ser­schutz­ge­biet gelan­det, da die Rei­se nach Syra­kus auf­grund der ört­li­chen Beschil­de­rung uns zwar unge­fähr in die rich­ti­ge Rich­tung geführt, jedoch die Fahrt über die Hügel im Hin­ter­land sehr viel Zeit gekos­tet hat­te. Nun aber errei­chen wir Syra­kus und fah­ren nach einer Über­nach­tung dann über Noto an die sizi­lia­ni­sche Süd­küs­te nach Pozz­al­lo.

Am nächs­ten Mor­gen sah die Welt schon anders aus – wenn nicht der nagen­de Hun­ger gewe­sen wäre. So hat­ten wir zwar aus­rei­chend fri­sches Was­ser, aber kein Vor­rä­te mehr. Das hieß: der nächs­te Super­markt muss­te geräumt wer­den. Kurz vor Syra­kus fan­den wir denn auch gleich ein gan­zes Ein­kaufs­zen­trum und hin­ter­lie­ßen eine Schnei­se der Ver­wüs­tung …

Tan­dems

Um als Rad­fah­rer mit Kin­dern auch wirk­lich etwas von der Rei­se zu haben, sind Tan­dems unschlag­bar. Um sie aller­dings nach Sizi­li­en zu bekom­men und per Flug­zeug zu trans­por­tie­ren, gibt es nur die Mög­lich­keit, sie zu zer­le­gen. Kei­ne Flug­ge­sell­schaft beför­dert unzer­leg­te Tan­dems. Zer­leg­ba­re Tan­dems aber gibt es nur von Santa­na. Und die­se in Euro­pa nur in Rosen­heim. So also kamen wir mit zwei zer­leg­ba­ren Tan­dems Mar­ke Santa­na „Arri­va“, ver­packt in zwei Hart­scha­len­kof­fer, in denen die guten Tei­le stoß­fest aus­ein­an­der­ge­nom­men ruhen.

Als sol­che zäh­len sie nicht mehr als „Fahr­rä­der“, son­dern als Sperr­ge­päck. Und da die Hart­scha­len­kof­fer die Sperr­ge­päck-Kri­te­ri­en der IATA erfül­len, fällt höchs­tens eine Gebühr für Über­ge­wicht an (der Kof­fer darf maxi­mal 32 kg wie­gen). Lei­der wis­sen das nur die wenigs­ten Sub­al­ter­nen der Flug­ge­sell­schaf­ten. Mit etwas Übung ist ein sol­ches Rad in einer Drei­vier­tel Stun­de zer­legt und in einer Stun­de zusam­men­ge­setzt und rei­se­fer­tig.

Syrakus

Syra­kus ist vor allem als Hei­mat des wohl bekann­tes­ten grie­chi­schen Erfin­ders und Genies der Anti­ke bekannt gewor­den: dort leb­te Archi­me­des, der nicht nur das Prin­zip der Was­ser­ver­drän­gung ent­deck­te, son­dern neben mathe­ma­ti­schen Erkennt­nis­sen das auch heut­zu­ta­ge noch drän­gen­de Pro­blem der Was­ser­ver­sor­gung zu lin­dern ver­stand: die von ihm ent­wor­fe­nen Was­ser­pum­pen und Hebe­vor­rich­tun­gen kön­nen prin­zi­pi­ell bis auf tech­ni­sche Ver­bes­se­run­gen immer noch so ein­ge­setzt wer­den. Lei­der aber wur­de er ein Opfer der Poli­tik, denn nach­dem Syra­kus im Krieg zwi­schen Kar­tha­go und Rom zwei­mal die Sei­ten wech­sel­te und schließ­lich auf der unter­le­ge­nen Sei­te lan­de­te, plün­der­ten die Römer 212 v. Chr. nach einer ein­jäh­ri­gen Bela­ge­rung die Stadt, wüte­ten, mor­de­ten und brand­schatz­ten und erschlu­gen auch Archi­me­des (des­sen Erfin­dun­gen sie lan­ge auf­ge­hal­ten hat­ten). Davon erhol­te sich die Stadt nie wie­der.

Aus die­ser Zeit stammt auch das berühm­te grie­chi­sche Thea­ter der Stadt, in dem heu­te noch vor­zugs­wei­se klas­si­sche grie­chi­sche Stü­cke auf­ge­führt wer­den. Es zähl­te zu den größ­ten Thea­tern der Anti­ke und hat auch meh­re­re Umbau­ten fast unbe­scha­det über­stan­den, da es am Rand der anti­ken Stadt in den Fel­sen geschla­gen wor­den war. Lei­der aber nagt trotz des Sta­tus als Welt­kul­tur­er­be der Zahn der Zeit uner­bitt­lich an den Gebäu­den und Anla­gen. Dazu kommt die unter­ent­wi­ckel­te Denk­mal­pfle­ge in Sizi­li­en, die durch die Pri­va­ti­sie­rung der Lie­gen­schaf­ten mitt­ler­wei­le kom­plett zum Erlie­gen gekom­men ist. Über­haupt nicht mehr zu gebrau­chen ist daher das römi­sche Amphi­thea­ter ganz in der Nähe, des­sen Zustand nur noch bedau­erns­wert ist: in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren hat bis auf ein paar klei­ne Aus­bes­se­run­gen an den Wegen kei­ne wei­te­re Pfle­ge mehr statt­ge­fun­den und die Natur über­wu­chert die gesam­te Anla­ge.

Nach dem Besuch der anti­ken Bau­ten fuh­ren wir zum Zelt­platz, einem alten Gehöft, des­sen Zustand fast eben­so bedau­erns­wert war wie der der Bau­ten. Immer­hin aber gab es dort flie­ßen­des Was­ser und einen über­dach­ten Bereich mit Bän­ken, so dass wir recht feu­dal zu Abend essen konn­ten. Außer­dem war es sehr ruhig – ein Umstand, den wir spä­ter noch häu­fi­ger her­bei­sehn­ten.

Das römi­sche Amphi­thea­ter. Sizi­li­en macht in Syra­kus den Ein­druck eines armes Lan­des an der Kip­pe Euro­pas, das sich selbst auf­ge­ge­ben hat.

Noto

Unse­re Rei­se führ­te uns am kom­men­den Mor­gen auf die Süd­küs­te zu, wo wir in ein paar Tagen Agri­gent zu errei­chen hoff­ten. Zwi­schen­durch aber kamen wir nach der Abfahrt vom Zelt­platz in Syra­kus an den ein­zi­gen Papy­rus­vor­kom­men Euro­pas am Ufer des Cia­ne vor­bei, den schon die stau­fi­schen Kai­ser im Mit­tel­al­ter schnei­den lie­ßen. Wir lie­ßen die Fel­der aller­dings rechts lie­gen und erreich­ten am frü­hen Nach­mit­tag Noto.

Noto hat in gewis­ser Hin­sicht ein ähn­li­ches Schick­sal erlit­ten wie Syra­kus. Wäh­rend Ers­te­res aller­dings geplün­dert wur­de und dann nie mehr zu sei­ner kul­tu­rel­len Blü­te fand, hat sich Letz­te­res nach kur­zer Blü­te in der Barock­zeit selbst aus der Geschich­te geke­gelt: Noto kann sich zwar auf grie­chi­sche Wur­zeln beru­fen (ver­mut­lich aber älter, nur haben die Grie­chen in kolo­nia­lis­ti­scher Manier alle nicht-grie­chi­schen Völ­ker sys­te­ma­tisch assi­mi­liert und unter­drückt – bis sie an die Römer gerie­ten, die ihnen mili­tär­tech­nisch weit über­le­gen waren). Aller­dings wur­de Noto nicht durch die Römer ver­wüs­tet, son­dern erst 1693 durch ein Erd­be­ben. Wäh­rend Syra­kus jedoch einen natür­li­chen Hafen bot und daher die Besied­lung wie­der auf­ge­nom­men wur­de, errich­te­te man im 18. Jahr­hun­dert Noto nach den damals moderns­ten Grund­ris­sen kom­plett „vom Reiß­brett weg“ neu: mit recht­wink­lig ver­lau­fen­den Gas­sen und brei­ten Stra­ßen, Plät­zen und einer har­mo­ni­schen Gebäu­de­fas­sa­de aus gel­bem Tuff­stein. Da Noto aller­dings sei­ne Rol­le als Ver­wal­tungs­haupt­stadt im 19. Jahr­hun­dert an Syra­kus abge­ben muss­te, hat dort auch kei­ne Indus­tria­li­sie­rung statt­ge­fun­den, die ver­mut­lich die­se kon­stru­ier­te Har­mo­nie zer­stört hät­te. Daher wirkt die Alt­stadt mehr wie ein Frei­licht­mu­se­um.

Die Kathe­dra­le von Noto
Auf­grund der Wei­ge­rung des Adels, die not­wen­di­gen struk­tu­rel­len Ände­run­gen vor­zu­neh­men und sich ein­träg­li­chen Wirt­schafts­zwei­gen zuzu­wen­den, ging auch die Indus­tria­li­sie­rung kom­plett an Noto vor­bei. Für Tou­ris­ten ist das aller­dings ein Glück, denn der Stadt­kern gilt zu Recht als ein Juwel des ita­lie­ni­schen Barock. Tou­ris­ten fan­den wir kaum, dafür konn­ten wir durch die gut erhal­te­nen und gepfleg­ten Stra­ßen um die Kathe­dra­le schlen­dern und ein Eis essen. Dann ging die Rei­se wei­ter nach Pozz­al­lo, unse­rem nächs­ten Ziel und Zelt­platz.

Hat­ten wir in der Gegend mit Noto den zwei­ten geschicht­li­chen Höhe­punkt im Süd­wes­ten hin­ter uns gelas­sen, so waren wir nun unter­wegs zum gro­ßen Ziel der Rei­se, nach Agri­gent. Lei­der aber lie­gen zwi­schen Noto und Agri­gent vie­le Kilo­me­ter Stra­ße, die mit dem Rad zu bewäl­ti­gen meh­re­re Tage dau­ert. Es ist kei­ne land­schaft­lich reiz­vol­le Stre­cke, son­dern ein fast aus­schließ­lich auf Agrar­wirt­schaft und den Tou­ris­mus aus­ge­rich­te­tes Gebiet, das wir durch­que­ren muss­ten. Eine Fahrt durch die sizi­lia­ni­sche Gegen­wart sozu­sa­gen.

Gepäck

Gepäck ist etwas, wor­über man sich nie genug Gedan­ken machen soll­te vor der Abrei­se. Auf zwei Tan­dems wird es natur­ge­mäß sehr beengt, da letzt­end­lich nur fünf Behäl­ter pro Rad zur Ver­fü­gung ste­hen: zwei Gepäck­trä­ger am Vor­der­rad, zwei am Hin­ter­rad und ein Sack über den Gepäck­trä­ger. Dort müs­sen sowohl Zel­te, als auch Schlaf­sä­cke nebst Iso­mat­ten und Kocher unter­ge­bracht wer­den. Außer­dem gehört ein kom­plet­ter Satz Flick­zeug samt Ersatz­schlauch und hand­li­chem Werk­zeug sowie eine Grund­aus­rüs­tung Geschirr (am bes­ten aus Kunst­stoff) hin­ein. Dann ist für Klei­dung nicht viel Platz.

Man soll­te vor der Abrei­se auf jeden Fall pro­be­hal­ber packen und sich unter­wegs ange­wöh­nen, die Sachen immer am glei­chen Ort zu ver­stau­en, vor allem Klei­dungs­stü­cke (Regen­ja­cken), die man häu­fi­ger braucht.

Jeden Mor­gen pack­ten wir zusätz­li­che 4 Liter Was­ser ein, denn das Was­ser in Sizi­li­en, das direkt aus den Was­ser­häh­nen des Lan­des plät­schert, ist von schlech­ter Qua­li­tät (es wird aus See­was­ser auf­be­rei­tet, da durch die inten­si­ve Land­wirt­schaft zuviel Was­ser ver­braucht wird). Abhil­fe schaf­fen nur die all­ge­gen­wär­ti­gen Was­ser­fla­schen, deren Ver­pa­ckung nach Ver­brauch des Inhalts in den Stra­ßen­gra­ben gewor­fen wird. Sizi­li­en ist über­sät mit lee­ren PET-Fla­schen. Ver­mut­lich wür­de das Abfall­auf­kom­men und die Ver­schmut­zung um min­des­tens die Hälf­te ver­rin­gert wer­den kön­nen, wür­de man die Fla­schen einem Wert­stoff­kreis­lauf zufüh­ren. So aber wird der Müll noch in Jahr­hun­der­ten die Gegend ver­un­stal­ten und die Vege­ta­ti­on ersti­cken. Über­haupt scheint der Fach­kräf­te­man­gel in Sizi­li­en vor allem die Abfall­wirt­schaft zu tref­fen: Hier schmeißt man alles in Tüten an den Stra­ßen­rand und hofft dar­auf, dass sich irgend­ein Lum­pen­samm­ler erbarmt – oder ein Hund die Beu­tel zer­reißt auf der Suche nach Nah­rung.

Pozzallo

Über Avo­la ging es nach Ispi­ca, wo wir auf die klei­ne­ren Stra­ßen nach Pozz­al­lo abbo­gen. Pozz­al­lo ist – wie so vie­le Orte im Süden Sizi­li­ens – ein rei­ner Aus­flugs­ort. Dort leben die Men­schen ent­we­der von Toma­ten- oder Tou­ris­ten­plan­ta­gen, letz­te­res meist in Form von Lidi (Plu­ral von Lido), jenen Bal­lun­gen ver­gnü­gungs­wü­ti­ger Spe­zi­es, denen in Form von Strand­schir­men, Laut­spre­cher­be­d­röh­nung und nächt­li­chen Krach­bu­den die klei­ne Flucht aus der täg­li­chen Tris­tesse des Daseins gebo­ten wer­den soll. Und er muss wirk­lich trist sein, die­ser All­tag, wenn der Lärm­pe­gel und die Anspruchs­lo­sig­keit die­ser immer­glei­chen Loka­li­tä­ten ein Grad­mes­ser sein dür­fen. Denn sie sehen über­all auf Sizi­li­en gleich aus – ach was: in ganz Ita­li­en (und auch an der Bis­ka­ya in Frank­reich oder in Brigh­ton Beach). Dar­aus lie­ße sich jetzt schlie­ßen, dass der All­tag den Bewoh­nern die­ser Ecke der Welt in etwa gleich trist und öde erschei­nen muss, wenn sie alle nach einer ähn­lich abstump­fen­den Form der Pas­siv­un­ter­hal­tung suchen …

Aller­dings – das muss zur Ehren­ret­tung Pozz­al­los gesagt wer­den – es ist erst der Anfang, der an der Mari­na di Modi­ca eine wesent­lich aus­drucks­stär­ke­re Form annimmt. Der gan­ze Süden Sizi­li­en hat eigent­lich nur einen Zweck: er dient der Flucht. Und das in mehr­fa­cher Hin­sicht seit Jahr­tau­sen­den. Ob aus Afri­ka oder dem Nor­den des Lan­des, ob aus der Nor­man­die oder dem Nahen Osten – hier lan­de­ten sie alle. Heut­zu­ta­ge eben haupt­säch­lich der Flucht aus dem All­tag wäh­rend der som­mer­li­chen Urlaubs­zeit, die in Sizi­li­en auf Grund den hohen Tages­tem­pe­ra­tu­ren sehr lan­ge dau­ert.

Unser Zelt­platz in Pozz­al­lo dage­gen war recht ruhig gele­gen und sehr ordent­lich von einem Kana­di­er unter­hal­ten, der sich bei uns mal wie­der in sei­ner Mut­ter­spra­che dar­über aus­las­sen durf­te, dass die Geschäf­te mehr schlecht als recht lie­fen, denn die Tou­ris­ten blie­ben aus. Vor allem die mit Zelt. Und in der Tat tra­fen wir dort nur zwei wei­te­re Cam­per, die mit ihren Rädern Sizi­li­en gegen den Uhr­zei­ger­sinn umrun­de­ten.

Gela

Über die wei­te­re Rei­se nach Agri­gent lässt sich nur wenig berich­ten, sie dau­er­te noch zwei Tage immer auf klei­nen Neben­stra­ßen an der Süd­küs­te ent­lang. Lei­der muss man dabei auch an Gela vor­bei, dem dun­kels­ten Loch Sizi­li­ens. Aller­dings fiel uns gera­de dort auf, dass man in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren viel für die Stra­ßen getan hat­te, denn um Gela her­um woll­ten wir in höhe­ren Gän­gen fah­ren, was die Stra­ßen auch zulie­ßen. So erreich­ten wir dann am Abend den Zelt­platz hin­ter Man­fria, einen der bemer­kens­wer­tes­ten Zelt­plät­ze Sizi­li­ens – zum einen wegen sei­ner Bewoh­ner, zum ande­ren wegen des Ambi­en­te.

Manfria

Zunächst ein­mal wur­de es spät. Das lag dar­an, dass der Cam­ping­platz eigent­lich nur dank der guten Vor­be­rei­tun­gen mei­ner Frau und ihres untrüg­li­chen Spür­sinns zu fin­den war – aus­ge­schil­dert war er näm­lich nicht. So aber kamen wir an einer klei­nen Neben­stra­ße zwi­schen Gewächs­häu­sern hin­durch an einem ver­schlos­se­nen Tor zum Ste­hen, das auf einen dahin­ter lie­gen­den Cam­ping­platz ver­wies, der aber nicht zu erken­nen war. Per Han­dy erreich­ten wir den Inha­ber dann doch, der uns nach einer Vier­tel­stun­de das Tor öff­ne­te. Die­ses führt direkt auf eine Bau­stel­le und her­um­ste­hen­de Schrott­au­tos. Kurz, der Cam­ping­platz sah mehr aus wie eine Sperr­müll­hal­de. Dass dazwi­schen auch ein paar Kin­der spiel­ten, ver­stärk­te den Ein­druck eher noch.

Man­fria (c) fabio­ma­ri­no
Dann aber tra­fen wir ein deut­sches Ehe­paar mitt­le­ren Alters, das hier häu­fig zu näch­ti­gen schie­nen – aus den lila Plu­der­ho­sen des Man­nes zu schlie­ßen, bereits seit den frü­hen acht­zi­ger Jah­ren …

Sie schät­zen den Cam­ping­platz wegen der Ruhe, ver­si­cher­ten sie uns (wie Recht sie damit hat­ten, merk­ten wir ers­te spä­ter in Agri­gent). Die­se Ruhe wur­de aber in der Frü­he jäh gestört, als gegen sechs Uhr die Pla­nier­rau­pe direkt an unse­rem Zelt vor­bei­roll­te, um ein wei­te­res Stück des lang gestreck­ten Gelän­de zu ebnen. Uns war das eigent­lich etwas zu früh, aber nicht ganz unlieb, denn so waren wir schnel­ler wach und auf den Rädern.

Sizi­li­en ist im Som­mer uner­träg­lich heiß – vor allem im Lan­des­in­ne­ren. Das ist auch der Grund, war­um Mit­te Juni die Schu­len schlie­ßen und erst Mit­te Sep­tem­ber wie­der öff­nen. Denn ansons­ten hät­ten die Schü­ler ver­mut­lich jeden Tag ab 9 Uhr hit­ze­frei, weil die Tem­pe­ra­tu­ren kurz dar­auf locker über die 30°C-Marke sprin­gen. Und so heiß bleibt es dann bis nach 20 Uhr. Noch aber merk­ten wir davon nicht viel, denn am Meer weht immer eine leich­te Bri­se. Die­se beglei­te­te uns auch auf dem letz­ten Abschnitt nach Agri­gent.

Das Schlimms­te hat­ten wir hin­ter uns, zumin­dest zivi­li­sa­ti­ons­tech­nisch, denn nach Gela wink­te uns das klas­si­sche Grie­chen­land in sei­ner kolo­nia­len Aus­prä­gung. Agri­gent. Schon Goe­the war als Anstif­ter zur Ver­klä­rung des alten Hel­las dort gewe­sen und hat­te die ach so male­risch ver­fal­le­nen Plät­ze und Tem­pel bewun­dert. Allei­ne in die­ser deut­schen Ver­klä­rung zeigt sich die Macht des Geis­tes – hier der Phan­ta­sie – über die Rea­li­tät. Die­se sieht näm­lich nüch­tern betrach­tet ganz anders aus als man es aus dem Schul­un­ter­richt mit­ge­nom­men hat.

Kleine Zivilisationsgeschichte

Wie auch Syra­kus, so war auch Agri­gent das Ergeb­nis rück­sichts­lo­ser Kolo­nia­li­sie­rung: die Grie­chen, damals als eines der ers­ten Mit­tel­meer­völ­ker in der Lage Eisen zu schmel­zen, mach­ten dar­aus haupt­säch­lich Waf­fen. Mit Schwer­tern und Lan­zen und ihren nau­ti­schen Kennt­nis­sen waren sie damals die gefürch­tets­te Mili­tär­macht des medi­ter­ra­nen Raums, die sogar die Per­ser in Schach hal­ten konn­te. Die­se mili­tä­ri­sche Über­le­gen­heit aber führ­te zu einer heu­schre­cken­ar­ti­gen Expan­si­ons­po­li­tik: Nach­dem man in Hel­las selbst alle Böden zer­stört und sich der eige­nen Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on beraubt hat­te, fiel man über die öst­li­chen Nach­barn in Klein­asi­en her – und eben auch die west­li­chen.

Lebens­mit­tel

Dazu muss man sich eigent­lich kei­ne Gedan­ken machen: Solan­ge man sich recht­zei­tig am Tag mit aus­rei­chend Lebens­mit­teln und vor allem viel Was­ser ein­deckt, stellt das abend­li­che Kochen kein Pro­blem dar. Für vier Per­so­nen ver­wen­den wir seit Jah­ren einen klei­nen Ben­zin­ko­cher, der aus­rei­chend Heiz­ener­gie lie­fert, um auch andert­halb Liter Was­ser für Nudeln flott zum Kochen zu brin­gen. Für eine spar­sa­me Ver­wen­dung des Brenn­ma­te­ri­als emp­fiehlt sich aller­dings, auf Nudeln zu ver­zich­ten, da der Kocher nur schlecht dosier­bar ist. Falls man also auf den Brenn­stoff ange­wie­sen ist, sind Nah­rungs­mit­tel bes­ser, die nur ein­mal auf­ge­kocht wer­den müs­sen und dann ohne Hit­ze zie­hen kön­nen – Wei­zen­schrot bei­spiels­wei­se. Die­ses ist auch platz­spa­ren­der beim Trans­port.

Das Sche­ma war immer gleich: man such­te sich mili­tär­stra­te­gisch wich­ti­ge Land­punk­te, die einen siche­ren Hafen und genü­gend frucht­ba­res Hin­ter­land boten, lan­de­te dann mit einer klei­nen Streit­macht und ver­trieb die dort ansäs­si­gen Bewoh­ner. Dann rode­te man die nächst­ge­le­ge­nen Hügel und befes­tig­te sie, um eine Art „Brü­cken­kopf“ zu erhal­ten. Dar­auf­hin zwang man den umlie­gen­den Bewoh­nern die grie­chi­sche Ord­nung auf, indem man sie kur­zer­hand ver­sklav­te und hol­te sich neue Sied­ler aus dem Mut­ter­land. Die­se, immer noch getrie­ben von der zuneh­men­den Ver­step­pung in der Hei­mat, grün­de­ten neue Sied­lun­gen, die sich jedoch eng an die Vor­ga­ben aus der Hei­mat hiel­ten. Sobald das Land nicht mehr genug abwarf, zog man wei­ter land­ein­wärts, immer die ein­hei­mi­sche Bevöl­ke­rung vor sich her­trei­bend.

Die­ses auf Raub­bau aus­ge­rich­te­te Sys­tem konn­te sich natür­lich nicht lan­ge hal­ten (in his­to­ri­schen Dimen­sio­nen gese­hen), denn es gibt dabei immer Jeman­den, der es noch rück­sichts­lo­ser macht. In die­sem Fall waren es dann die alten Römer und auch die Kar­tha­ger, die abwech­selnd die grie­chi­sche Sied­lung „Akra­gas“ erober­ten und dem Erd­bo­den gleich­mach­ten – nicht ohne sie vor­her jeweils zu plün­dern und nie­der­zu­bren­nen. Auf die­se Art ende­te dann auch die Blü­te­zeit Agri­gents (ca. 480 – 210 v.Chr.), das sei­nen heu­ti­gen Namen erst unter den Römern bekam. Nach­dem die Römer die vor­mals zweit­wich­tigs­te Stadt Sizi­li­ens dann end­gül­tig erobert hat­ten, sank sei­ne Bedeu­tung als Macht­zen­trum, bis es in byzan­ti­ni­scher Zeit zu einem ein­fa­chen Dorf ver­kom­men war.

Soweit der zivi­li­sa­ti­ons­ge­schicht­li­che Abriss.

Der Juno-Tem­pel in Agri­gent

Agrigent

Heu­te lebt Agri­gent vom Tou­ris­mus. Die Tem­pel­rui­nen auf dem Berg (der irre­füh­ren­der­wei­se „Val­le dei Tem­pli“ – Tal der Tem­pel – heißt) wer­den nachts mit zahl­rei­chen Schein­wer­fern effekt­voll in Sze­ne gesetzt und leuch­ten majes­tä­tisch über die Ufer­pro­me­na­de, an der sich eine Krach­bu­de und Spei­se­lo­ka­li­tät an die nächs­te reiht. Ganz am Ende die­ser Pro­me­na­de fan­den wir dann auch unse­ren Zelt­platz, der einen etwas abge­schie­de­nen Ein­druck mach­te. Aber nur bis etw 22:30 Uhr. Dann öff­ne­te näm­lich das dem Zelt­platz nächst gele­ge­ne Schiffs­die­sel-Test­ge­län­de sei­ne Pfor­ten. Es klang zumin­dest so, als ob ein Rudel streu­nen­der Kat­zen zum Wum­mern gigan­ti­scher Schiffs­ma­schi­nen gequält wird. Gegen drei Uhr nachts fan­den wir dann her­aus, dass es Karao­ke sein soll­te …

Der nächs­te Tag begann daher etwas lang­sa­mer, da wir noch leicht benom­men und über­mü­det waren. Aber es soll­te ein radel­frei­er Tag wer­den, denn wir hat­ten nur die Besich­ti­gung der Tem­pel­an­la­gen auf dem Tages­pro­gramm. Daher war es natür­lich das rei­ne Ver­gnü­gen, auf den unbe­pack­ten Rädern die weni­gen Kilo­me­ter hin­auf zum „Val­le“ zu radeln.

Über die Tem­pel­an­la­ge selbst ist wenig zu berich­ten, sie war schon zur Blü­te­zeit der Stadt die­ser vor­ge­la­gert und muss den von See kom­men­den Rei­sen­den einen impo­san­ten Anblick gebo­ten haben, vor allem da die Tem­pel nicht so ein­för­mig sand­stein­far­ben wie heut­zu­ta­ge, son­dern in allen Far­ben bemalt schon weit­hin leuch­te­ten. Beson­ders der gera­de­zu hybrisar­ti­ge Tem­pel des Zeus, von dem heut­zu­ta­ge nur noch die Grund­ris­se unter den Trüm­mern rie­si­ger Kapi­tel­le erkenn­bar sind, muss mit sei­nen 300 Metern Sei­ten­län­ge eine ähn­li­che Wir­kung gehabt haben wie die ägyp­ti­schen Pyra­mi­den. Dies umso mehr, als alle Tem­pel über dem see­sei­ti­gen Steil­ufer der Stadt­gren­ze wie Per­len auf einer Schnur neben­ein­an­der auf­ge­reiht waren. Damals reich­te das Meer noch wesent­lich dich­ter an die ehe­ma­li­ge Tem­pel­an­la­ge her­an, deren Fun­da­ment eine stei­le Anhö­he zwi­schen zwei klei­nen Tälern bil­de­ten. Ein Tal ist ein can­yonar­ti­ger Ein­schnitt inner­halb der Stadt­gren­ze, der in frü­he­rer Zeit auch als Was­ser­re­ser­voir dien­te. Jetzt beher­bergt er einen klei­nen male­ri­schen Park mit Zitrus­hain und Blu­men­ra­bat­ten, an denen man gegen einen Obo­lus auch rie­chen darf.

Zurück auf dem Zelt­platz mach­ten wir uns dann auf eine wei­te­re laut­star­ke Nacht gefasst, die den Kin­dern jedoch weni­ger aus­mach­te, da sie nach einem abend­li­chen Bad im Meer so müde waren, dass sie sofort ein­schlie­fen. Vor dem kom­men­den Tag jedoch war uns zu Recht etwas mul­mig: wir ver­lie­ßen die Küs­te und ihren küh­len­den Wind und hat­ten Piaz­za Ame­ri­na als nächs­tes Ziel – 700 Meter über dem Mee­res­spie­gel im Lan­des­in­ne­ren. Bis dahin muss­ten wir in zwei Tagen die fast baum­lo­se Hügel­land­schaft des sizi­lia­ni­schen Hin­ter­lan­des durch­que­ren. Uns schwan­te eine anstren­gen­de und schweiß­trei­ben­de Tour. Die Wirk­lich­keit war jedoch noch schlim­mer als unse­re Befürch­tun­gen …

Im Gegen­satz zu der in einer satu­rier­ten Gesell­schaft wie der uns­ri­gen vor­herr­schen­den Mei­nung ist Kul­tur nicht ein­fach teu­res Essen und edle Wei­ne, son­dern immer auch mit Mühe ver­bun­den. So war es schon im klas­si­schen Alter­tum, als sich nicht jeder Hinz und Kunz Kul­tur leis­ten konn­te – selbst dann nicht, wenn er durch Red­lich­keit zu Geld gekom­men war (unred­lich erwor­be­nes Geld steht dem Zugang zur Kul­tur eigent­lich ent­ge­gen, denn Unred­lich­keit an sich ist kul­tur­los …)

Und dass die­ses Bemü­hen um die Erwei­te­rung des kul­tu­rel­len Hori­zonts in unse­rem Fall sogar mit sehr viel Mühe ver­bun­den war, merk­ten wir schon kurz nach der Abfahrt aus Agri­gent. Denn das Wet­ter war so gut, dass die Son­ne erbar­mungs­los vom Him­mel brann­te und mit Sie­ben­mei­len­stie­feln auf den Som­mer zustreb­te. Im Som­mer wer­den in Sizi­li­en für acht Wochen die Schu­len geschlos­sen und das gesell­schaft­li­che Leben erlahmt. Das ist auch ver­ständ­lich, denn nach etwa neun Uhr vor­mit­tags sind im Frei­en bereits Tem­pe­ra­tu­ren erreicht, die sich locker an der 30 °C-Gren­ze bewe­gen. Selbst abends gegen 21 Uhr lie­gen die Tem­pe­ra­tu­ren noch bei über 30 °C. An Schu­le oder Arbeit ist da gar nicht zu den­ken.

Kar­ten­ma­te­ri­al

Es ist nicht ein­fach, für Sizi­li­en aktu­el­les Kar­ten­ma­te­ri­al zu fin­den, das auch den Ansprü­chen an eine Rad­rei­se genügt. Das liegt zum einen dar­an, dass man nicht in Sizi­li­en radelt. Es ist zu heiß. Und zum ande­ren, dass vor allem das Lan­des­in­ne­re tou­ris­tisch nicht erschlos­sen ist. Dort fin­det man mit Mühe eine klei­ne Unter­kunft, aber fern­ab der übli­chen Aus­flugs­ge­bie­te an der Süd­küs­te wol­len die Stre­cken wohl­ge­plant sein.

Nichts­des­to­trotz gibt es natür­lich Kar­ten und auch Rei­se­füh­rer, die sich eig­nen. Allen vor­an der lei­der etwas schwe­re, aber dafür tie­fer schür­fen­de DuMont-Rei­se­füh­rer Sizi­li­en. Wer nicht nur auf der Suche nach der bil­ligs­ten Piz­za und der ange­sag­tes­ten Eis­die­le ist, der wird hier fün­dig: ob Geschich­te oder Kul­tur, Kir­chen, Muse­en oder Land und Leu­te – der Rei­se­füh­rer rich­tet sich an den deut­schen Bil­dungs­bür­ger.

Zum Radeln ist er aber unge­eig­net. Dazu nah­men wir den hand­li­chen Füh­rer „Sizi­li­en per Rad“ (Fischer/​Walter) mit. Der hat zwar zahl­rei­che Schwä­chen, denn nicht alle Stre­cken sind auch wirk­lich von den Auto­ren abge­fah­ren, aber er ist vor allem klein und mit einer gro­ßen Begeis­te­rung für Rad­rei­sen­de geschrie­ben. Und er hat Stre­cken­pro­fi­le. Man muss ja nicht den gan­zen Text lesen …

Sizi­lia­ni­sche Kin­der wer­den daher über Juli und August bei der Ver­wandt­schaft durch­ge­reicht, die sich abwech­selnd mit der Baga­ge am Strand auf­hält. Dort fin­det das Leben dann erst nach 21 Uhr statt – auch mit den lau­ten Fol­gen, die wir schon erlebt hat­ten. Wer nicht unbe­dingt arbei­ten muss, tut es auch nicht – und wenn, dann zwi­schen fünf und neun Uhr mor­gens und abends weit nach Son­nen­un­ter­gang.

Aufwärts

So also kamen wir nach einer wie­der ein­mal lau­ten Nacht gegen halb zehn Uhr los und fuh­ren auf den bepack­ten Rädern auf­wärts. Vor­bei am Val­le dei Tem­pli war unser nächs­tes Ziel das Städt­chen Piaz­za Ame­ri­na mit sei­ner berühm­ten römi­schen Vil­la, einer weit­läu­fi­gen Muse­ums­an­la­ge, der „Vil­la Casa­le“. Piaz­za Ame­ri­na liegt etwa 700 m über dem Meer, was uns zu der Hoff­nung ver­an­lass­te, dass es dort kli­ma­tisch etwas gemä­ßig­ter zuge­hen könn­te. Aber bis dort­hin ging es durchs ech­te Hin­ter­land, abseits der tou­ris­ti­schen Zen­tren.

Sizi­li­en ist geo­lo­gisch gese­hen ein rie­si­ger Fels­klotz, der bei der Ent­ste­hung des Mit­tel­meers es irgend­wie geschafft hat­te, über Was­ser zu blei­ben – auch dank der vul­ka­ni­schen Kräf­te. Die­se haben den alten unter­mee­ri­schen Kalk­stein nach oben gedrückt und auf eine Höhe von bis zu 1000 m über dem Mee­res­spie­gel auf­ge­fal­tet. Die Tat­sa­che, dass es sich um Kalk­stein han­delt, erklärt zum einen die zahl­rei­chen Höh­len und den guten Wein Sizi­li­ens, zum ande­ren aber auch die rela­ti­ve Karg­heit des Lan­des. Durch jahr­hun­der­te­lan­gen Holz­ein­schlag und die Nut­zung der Insel als „Korn­kam­mer Euro­pas“ ist der Boden völ­lig ver­kars­tet. Die Land­wirt­schaft hat mit den rie­si­gen Wei­zen-Mono­kul­tu­ren ein Übri­ges dazu geleis­tet, dass der Boden, der vor­mals dicht bewal­det war, nun weit­ge­hend aus­ge­wa­schen ist. Was­ser ver­si­ckert sofort.

Die Ebe­ne von Cata­nia
Um dem rapi­den Humus­schwund Ein­halt zu gebie­ten, hat man begon­nen, die schlech­ter land­wirt­schaft­lich nutz­ba­ren Hän­ge auf­zu­fors­ten. Dum­mer­wei­se aber mit schnell­wach­sen­dem Euka­lyp­tus, der zwar mit dem schlech­ten Boden zurecht­kommt, ihn jedoch noch wei­ter aus­laugt. Als Ergeb­nis wech­seln sich end­lo­se son­nen­ver­brann­te Getrei­de­fel­der mit kah­lem Fels und schüt­te­rem Baum­be­wuchs aus Euka­lyp­tus­bäu­men ab. Schat­ten und Abküh­lung ist dort kaum zu erwar­ten.

Schweiß und Tränen

Und ent­spre­chend gering war auch die Abwechs­lung, die sich dem vor Schweiß bren­nen­den Auge bot. Gegen Nach­mit­tag war unser an sich recht gro­ßer – und mitt­ler­wei­le mehr als auf­ge­wärm­ter – Was­ser­vor­rat auf­ge­braucht, an Nach­schub war nicht zu den­ken, da es abseits der tou­ris­ti­schen Gegen­den auch kaum Läden gibt, die tags­über geöff­net haben. Als wir am Sal­so die Pro­vinz­gren­ze in Rich­tung Rie­si über­quer­ten und nach dem stän­di­gen Hügel­auf-Hüge­lab drin­gend eine Pau­se brauch­ten, wähn­ten wir uns dem Ende der Tages­etap­pe schon recht nahe. Laut Kar­te und Rad­füh­rer (der aller­dings eini­ge Tou­ren nur nach dem Hören­sa­gen kann­te oder anhand der Stra­ßen­kar­te zusam­men­ge­steckt hat­te) waren es nur noch weni­ge Kilo­me­ter bis zum Ziel, einem Agro­tu­ris­ti­co. Dort hoff­ten wir, unser Zelt auf­schla­gen zu dür­fen. Wir hat­ten noch in einem Berg­bau­mu­se­um am Ufer des Sal­so Halt gemacht, wo uns das dor­ti­ge Per­so­nal aus lau­ter Mit­leid eine Fla­sche Was­ser schenk­te und uns ver­si­cher­te, es wäre nicht mehr weit: nur noch ein­mal um den Hügel her­um.

Aus­blick über die Pro­vinz­gren­ze hin­über Rich­tung Cal­ta­nis­set­ta.
Mit fri­schem Mut gin­gen wir die letz­ten Kilo­me­ter an in Rich­tung Rie­si – die sich aller­dings als das här­tes­te Stück der gan­zen Stre­cke her­aus­stell­ten. Waren wir vor­her den gan­zen Tag zwar immer gemäch­lich auf­wärts gefah­ren – hun­dert Meter hoch und 50 wie­der ab – so ging es jetzt in sen­gen­der Nach­mit­tags­son­ne unun­ter­bro­chen auf­wärts. Die Kin­der waren am Ende, was auf dem Tan­dem bedeu­te­te, dass wir Erwach­se­ne neben der andau­ern­den Moti­va­ti­ons­för­de­rung („Es kann nicht mehr weit sein!“) auch einen immer grö­ßer wer­den­den Anteil der Fort­be­we­gungs­ar­beit leis­ten muss­ten. Nun ist unse­re Ältes­te eine aus­ge­zeich­ne­te Sport­le­rin und sehr aus­dau­ernd, aber den­noch muss­ten wir immer häu­fi­ger Pau­sen ein­le­gen. Mei­ne Frau, die mit dem Kur­zen fuhr, fiel immer wei­ter zurück, denn der hat­te zuneh­mend Mühe, sich über­haupt noch am Fahr­rad­fah­ren zu betei­li­gen. Kurz: Als ich das Hin­weis­schild zum Agri­tu­ris­ti­co sah, fie­len wir bei­den Ers­ten fast vom Rad. Aber es war geschafft.

Luxus pur

Nur eine Zelt auf­bau­en konn­ten wir nicht. Statt­des­sen war der so beschei­den klin­gen­de Agri­tu­ris­ti­co ein 5-Ster­ne Hotel oben auf dem Berg mit einer gran­dio­sen Sicht nach allen Sei­ten, umge­ben von Oli­ven­baum­plan­ta­gen. Grö­ßer konn­ten wir den Kon­trast kaum vor­stel­len. Nach­dem wir die Rei­se­kas­se kon­trol­liert hat­ten, beschlos­sen wir, uns den Luxus zu gön­nen. Und haben es kei­ne Sekun­de bereut.

Nach dem Aus­flug in die Höhen der sizi­lia­ni­schen Küche und Gast­freund­schaft brach­te uns der nächs­te Tag dann wie­der rasch in den All­tag zurück: Wir muss­ten wei­ter zum his­to­risch und tou­ris­tisch bedeut­sa­men Piaz­za Ame­ri­na hoch über dem sizi­lia­ni­schen Tief­land. Der Ort stellt gewis­ser­ma­ßen die Was­ser­schei­de dar, denn von dort aus geht es nur noch abwärts durch die wei­te Ebe­ne von Cata­nia, die im Nor­den von Etna begrenzt wird. Da das Kli­ma in die­sen Regio­nen vor allem Im Som­mer uner­träg­lich heiß wird, hat­ten schon die wohl­ha­ben­de­ren Römer ein gro­ßes Inter­es­se dar­an, sich in den Som­mer­mo­na­ten nicht wie der Plebs ans Meer, son­dern in die schat­ti­gen und luf­ti­gen Höhen des Berg­lan­des zurück­zu­zie­hen.

Sizi­li­en ist rad­tou­ris­tisch vor allem im Inland nicht sehr erschlos­sen. Das eröff­net dem Rei­ser­ad­ler mit einem gewis­sen Hang zum „Aben­teu­er“ vie­le Mög­lich­kei­ten, Land und Leu­te bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Es erfor­dert aber auch eine gewis­sen­haf­te Pla­nung im Vor­aus und eine hohe Bereit­schaft, die­se wäh­rend der Rei­se kom­plett zu ändern und an die Gege­ben­hei­ten anzu­pas­sen. Sei­en es die Stre­cken, das Tem­po, die Ver­pfle­gung oder die Über­nach­tungs­plät­ze: ohne Impro­vi­sa­ti­ons­ta­lent geht auf Fahr­rad­rei­sen gar nichts oder artet in Stress aus. Das gilt für alle Rei­sen, aber vor allem in Sizi­li­en. Auf der ande­ren Sei­te sind auch die Ein­hei­mi­schen Meis­ter dar­in, so dass man sich bequem etwas abschau­en kann.

Frü­her, also noch im Mit­tel­al­ter, war Sizi­li­en von dich­ten Wäl­dern bestan­den, die in den höhe­ren Lagen das Leben erträg­lich mach­ten, wenn es im Tief­land die 40 °C über­schritt. Gleich­zei­tig sorg­te der Baum­be­wuchs auch für eine aus­rei­chen­de Feuch­tig­keit, so dass es dort auch Was­ser im Über­fluss gab. Bes­te Vor­aus­set­zun­gen also für die römi­schen Patri­zi­er­fa­mi­li­en (und nach Ihnen auch die Nor­man­nen und Stau­fer), die­se Orte für den Bau von Vil­len zu nut­zen. Die Wäl­der – und das ist wirk­lich eine Aus­nah­me im sonst kar­gen Sizi­li­en – ste­hen dort immer noch. Und Vil­len gibt es auch. Unter ande­rem die über meh­re­re Jahr­hun­der­te hin­weg immer wie­der genutz­te und umge­bau­te Vil­la Casa­le.

Nun ist es für den Bus- oder sonst­wie moto­ri­siert Rei­sen­den kaum ersicht­lich, was denn das Beson­de­re an einem Ort sein soll, der mit ein paar Bäu­men mehr aus­ge­stat­tet ist und in des­sen tie­fer lie­gen­den Fluss­tä­lern ein paar alte Rui­nen aus­ge­gra­ben wer­den. Aus Sicht eines Rad­fah­rers stellt sich das natür­lich anders dar. Rad­fah­rer haben kei­ne Kli­ma­an­la­ge, sie erle­ben jeden Anstieg und jede Tal­fahrt und auch die Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren anders. Für uns war es daher ein Glücks­ge­fühl, als wir nach einem hei­ßen Tag im Sat­tel end­lich am Nach­mit­tag in Piaz­za Ame­ri­na anka­men und die schma­le Stra­ße ent­lang eines Flüss­chens roll­ten, das in den Gela fließt. Im engen Tal stan­den Bäu­me und unten rausch­te das kla­re Was­ser – so stell­te ich mir auch die Ankunft des römi­schen Haus­herrn vor, als er nach einer lan­gen Rei­se in sei­ner Som­mer­re­si­denz ankam. Die wohl­tu­en­de Stil­le und Küh­le wur­de jedoch rasch abge­löst von Kolon­nen gepark­ter Rei­se­bus­se, die Tou­ris­ten aller Her­ren Län­der bis vors Ein­gangs­tor zur Vil­la Casa­le kut­schier­ten.

Noch vor dem Ein­gang dann das übli­che Ramschan­ge­bot: von Hüten mit den Auf­druck der „Biki­ni­mäd­chen“ (das wohl am meis­ten foto­gra­fier­te Mosa­ik der Vil­la) bis zu den obli­ga­to­ri­schen Post­kar­ten und Schnell­piz­za­bu­den hat­te sich das ört­li­che Klein­ge­wer­be ein­ge­fun­den. Wir aber mach­ten erst­mal Brot­zeit (Brot, Käse, Obst und Was­ser) und kühl­ten uns ab.

Boden­mo­sa­ik in der Vil­la Casa­le: Man ließ wil­de Tie­re ein­fan­gen, um sie im Zir­kus zur Belus­ti­gung gegen­ein­an­der antre­ten zu las­sen.
Der Besuch der Vil­la ist schnell erzählt: Besu­cher wer­den auf vor­be­rei­te­ten Ste­gen durch die ver­win­kel­te Anla­ge gelei­tet, wo sie den Restau­ra­teu­ren bei der Säu­be­rung und Wie­der­her­stel­lung der zahl­lo­sen Boden­mo­sai­ke zuse­hen dür­fen. Beein­dru­ckend fand ich dabei nicht so sehr das schon ange­spro­che­ne Motiv der baden­den Mäd­chen, son­dern das gigan­ti­sche Mosa­ik, das den „Gang der gro­ßen Jagd“ bedeckt: mit 66 m x 5 m, also ca. 330 qm, nimmt es enor­me Aus­ma­ße an und stellt Sze­nen der Lieb­lings­be­schäf­ti­gung sei­ner Bewoh­ner dar.

Lei­der sind vie­le Räu­me immer noch nicht für den Tou­ris­mus geöff­net, so dass nur ein klei­ner Teil des Kom­ple­xes zu besich­ti­gen ist. Den­noch haben wir eini­ge Stun­den dar­in zuge­bracht (auf uns war­te­te kein Bus), was dazu führ­te, dass man uns buch­stäb­lich kurz vor Son­nen­un­ter­gang hin­aus­wer­fen  muss­te.

Am Aus­gang des Sträß­chens zur Vil­la steht ein Restau­rant, des­sen Besit­zer im Hof Stell­plät­ze für Zel­te anbie­ten. Davon wuss­ten wir, seit­dem wir das letz­te Mal in dunk­ler Nacht dar­an vor­bei gera­delt waren und erst am nächs­ten Mor­gen davon erfuh­ren. Dies­mal jedoch schien das Restau­rant leer: der Besit­zer war gera­de fort, und sei­ne Mut­ter woll­te uns nicht auf­neh­men. Als er zurück kam, erfuh­ren wir den Grund: er hat­te sei­ne Band­mit­glie­der ein­ge­la­den, um für einen Auf­tritt zu üben. Für uns war es nicht schlimm, denn so genos­sen wir einen lau­en Abend im Zelt mit gepfleg­ter Jazz­mu­sik.

Kennst Du das Land, wo Dir die lan­gen Stre­cken blühn?

Wo stram­me Rad­ler­wa­den tap­fer sich im Krei­se dre­hen?

Vom Him­mel hoch ein star­ker West­wind weht,

an jedem Zelt­platz nur »Chi­u­so« steht?

Du kennst es wohl?

Dahin! Dahin! will ich mit Dir, o mei­ne Liebs­te fliehn!

(frei nach Goe­the)

Am Mor­gen dann folg­te die defi­ni­ti­ve Rou­ten­än­de­rung: Wir hat­ten schon län­ger über­legt, wie wir die geplan­te Tour zum Etna quer durch die Ebe­ne von Cata­nia bei die­ser Hit­ze bewäl­ti­gen soll­ten. Die Ant­wort war ein­fach: Zurück nach Cata­nia und von dort aus an einem ande­ren Tag mit dem Bus zum Etna. Das bedeu­te­te, dass wir zunächst von den Hügeln des Erei wie­der nach Osten muss­ten – eine gran­dio­se Abfahrt. Danach ging es dann in mög­lichst gera­der und unspek­ta­ku­lä­rer Fahrt nach Cata­nia zum Zelt­platz, denn das Hotel, in dem wir unse­re Fahr­rad­kof­fer depo­niert hat­ten, war noch aus­ge­bucht.

Außer­dem hat­te dies einen gro­ßen Vor­teil: der Zelt­platz liegt nicht nur ein wenig abseits des Lido und mit­hin ein wenig ruhi­ger, son­dern er besitzt auch einen klei­nen Süß­was­ser­pool, in dem die Kin­der sich aus­to­ben konn­ten. Zwar gestal­te­te sich die Lebens­mit­tel­be­schaf­fung als etwas umständ­lich, da wir jedoch mit den Rädern nur am Lido vor­bei etwa acht Kilo­me­ter in die Stadt fah­ren muss­ten, kamen auch die Erwach­se­nen noch zu etwas Bewe­gung.

Und den Aus­flug zum Etna mach­ten wir auch noch. Aber das ist eine ande­re Geschich­te.

Der Ätna im Abend­licht