Ich bin unent­schlos­sen, wie ich zu der Debat­te ste­hen soll, die im Zuge des „Gen­der Main­strea­ming“ gera­de durchs Dorf gejagt wird: Frau­en in Vorstandsetagen/​Aufsichtsräten“. Und die Quo­te als All­heil­mit­tel. Da geis­tern dann Begrif­fe wie die „glä­ser­ne“ Decke“, „Män­ner­clubs“ und „Durch­set­zungs­fä­hig­keit“, „Kon­flikt­scheu“ und „ver­maust“ durch die Dis­kus­si­on, die eigent­lich kei­ne ist.

Denn sei­en wir mal ehr­lich: um wel­chen Bevöl­ke­rungs­an­teil geht es hier? Um ein paar lei­ten­de Ange­stell­te in mul­ti­na­tio­na­len Kon­zer­nen, die sich ger­ne mit dem Nim­bus des „Too Big to fall“ umge­ben.1

Ist es nicht eher ganz banal so, dass die Indus­trie in ihrer Orga­ni­sa­ti­on ganz eng an die Struk­tur eines mili­tä­ri­schen Appa­ra­tes gekop­pelt ist? Schon in der geschicht­lich grö­ße­ren Betrach­tung ging und geht es bei bei­den um Macht und ihre Aus­übung. Dazu benö­tigt ein Unter­neh­men wie auch eine Armee gut aus­ge­bil­de­te Sol­da­ten, die ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te und das eige­ne Leben die von oben vor­ge­ge­be­nen Zie­le durchsetzen.

Auch der Jar­gon ist der Glei­che: „Beherr­schung“, „Stel­lung“, „Ein­hei­ten“, „Hier­ar­chi­en“, „Befehls­ket­ten“. In bei­den Fäl­len wird von den Untergebenen/​Angestellten nicht ver­langt, ihr eige­nes Den­ken ein-, son­dern aus­zu­schal­ten. Effi­zi­enz ist gefragt. Kri­tik als unbot­mä­ßig abge­stem­pelt. Nach­hal­tig­keit von Übel. Wenn das nicht reicht, wird „das Wohl des Staates/​der Wirt­schaft“ betont.

Und wie ein mili­tä­ri­scher Appa­rat eben beson­ders die als „männ­lich“ bezeich­ne­ten Eigen­schaf­ten wie Rück­sichts­lo­sig­keit, Ent­schei­dungs­schnel­lig­keit, Durch­set­zungs­fä­hig­keit und eben Kon­flikt­fä­hig­keit ein­for­dert, wird dies auch in Unter­neh­men betont – sonst kann man nicht wach­sen und gewin­nen.2

Und das wol­len Frau­en auch — man­che zumin­dest. Ach wirklich?

Statt in einer den Män­nern aner­zo­ge­nen (und oft auch auf­ge­nö­tig­ten) Welt unbe­dingt mit­zu­ma­chen, in der sie nur ver­lie­ren kön­nen, soll­ten Frau­en viel­leicht lie­ber das Übel an der Wur­zel packen und eine ande­re Wirt­schaft ent­wi­ckeln, eine, bei der es nicht um die archai­schen Jagd- und Kampf­in­stink­te geht. Da wür­de ich ger­ne mit­ma­chen. Aber nur im Vorstand…

😉


  1. Dass das nicht stimmt, haben wir in den letz­ten Jah­ren öfters erlebt – ob Con­ti­nen­tal oder Man­nes­mann. 

  2. Da haben Män­ner ein­fach einen enor­men Start­vor­teil. Ihnen wer­den von ihren Müt­tern schon genau die­se „Tugen­den“ aner­zo­gen.