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Eine klei­ne Ankün­di­gung bei heute.de hat mich neu­gie­rig gemacht auf einen Bei­trag zu einem The­ma, das ich für sehr wich­tig hal­te bei der Kon­zep­ti­on zukünf­ti­ger Wirt­schafts- und Gesell­schafts­mo­del­le: das Grund­ein­kom­men. Wie man es nun nennt, ist egal — die Absicht ist immer die Glei­che: Jeder Mensch hat Anspruch auf ein Ein­kom­men, das ihm ermög­licht, an die­ser Gesell­schaft teil­zu­neh­men. Und zwar unab­hän­gig davon, ob er Arbeit hat oder nicht.

Das Pro­blem beginnt da schon: Was ist Arbeit? Pflas­ter­stei­ne klop­pen oder Geld­schei­ne rum­schub­sen? Für ande­re Men­schen Dok­tor­ar­bei­ten zusam­men­ko­pie­ren oder deren Kin­der beauf­sich­ti­gen? So lan­ge wir nicht geklärt haben, was eigent­lich Arbeit ist, läuft auch das belieb­te Gegen­ar­gu­ment ins Lee­re: „War­um soll­ten Men­schen arbei­ten, wenn sie sowie­so ein fes­tes Ein­kom­men hät­ten?“ Ja, war­um arbei­ten Men­schen eigent­lich über­haupt?

War­um tun sie es für Geld? Wor­über sich Geg­ner die­ses „Grund­ein­kom­mens“ immer beschwe­ren, näm­lich dass dann nicht genü­gend Anreiz zur Ver­fü­gung stün­de, ent­puppt sich schnell als eine sehr alte Form des Miss­trau­ens gegen­über sich selbst: Men­schen arbei­ten nicht nur für Geld (auch wenn es die Geg­ner die­ses Kon­zepts ger­ne so hät­ten und sich meist in als neo­li­be­ra­le Nach­fol­ger eines bri­ti­schen Uti­li­ta­ris­mus ver­ste­hen, in dem der Mensch als eine selbst­be­stimm­te Maschi­ne agiert). Men­schen arbei­ten für Aner­ken­nung. Die­se Aner­ken­nung kann sich in Geld aus­drü­cken, muss es aber nicht.

Im Gegen­teil, sobald Aner­ken­nung als Rechen­grö­ße ver­stan­den wird, kommt es zur Ver­gleich­bar­keit und damit zum Neid und zur Miss­gunst. Sobald mei­ne Leis­tung sich nur noch über Geld defi­niert, kann ich nie genug davon bekom­men und stel­le sie ein, sobald ich kein Geld mehr erhal­te. Die Rea­li­tät zeigt aber das Gegen­teil: allei­ne der rie­si­ge Bereich der unent­gelt­lich erbrach­ten Über­stun­den, der Ver­eins­tä­tig­kei­ten und Nach­bar­schafts­hil­fe — und nicht zuletzt der Haus­wirt­schaft — zei­gen, dass nur der kleins­te Teil des­sen, was wir als „Arbeit“ bezeich­nen, auch mit Geld ent­lohnt wird.

Ein Grund­ein­kom­men wür­de das viel­leicht wie­der vom Kopf auf die Füße stel­len: Wir arbei­ten dann nicht für unser Exis­tenz­mi­ni­mum und befin­den uns dadurch in einem dau­ern­den Ver­drän­gungs­wett­be­werb mit Nied­rig­lohn­län­dern, son­dern wir arbei­ten, weil es unser Leben berei­chert. Mir scheint, dass die­ses Ver­ständ­nis den Geg­nern eines Grund­ein­kom­mens völ­lig fremd ist. Dort herrscht nack­te Angst, der Mensch kön­ne aus sei­ner selbst­ver­schul­de­ten Unmün­dig­keit auf­wa­chen und und nicht mehr wie eine Mario­net­te am Faden des Lohn­ge­bers hän­gen.