Um es gleich vor­weg zu schi­cken: die­ser Arti­kel befasst sich trotz sei­ner inhalt­li­chen Nähe nicht mit den gro­ßen Web-Appli­ka­tio­nen in der „Cloud“ wie bei­spiels­wei­se Micro­soft „Sky­Drive“ oder Goog­le „Text&Tabellen“. Die haben wir schon an ande­rer Stel­le beschrie­ben. Nein, dies­mal geht es viel ein­fa­cher um einen alten Bekann­ten aus der Zeit des File­sha­rings: die „Drop­box“.

(c) Drop­box Inc.

Drop­box ist eigent­lich nichts Neu­es: Die Idee ist näm­lich so ein­fach wie sie geni­al ist. Man neh­me eine Inter­net­fest­plat­te, tei­le sie in Ord­ner auf, die einem Benut­zer zuge­wie­sen wer­den. Die­ser kann sich per Inter­net-Zugriff eine Kopie auf sei­ne loka­le Fest­plat­te legen und dort­hin­ein Daten schrei­ben. Die­se Daten wer­den dann auto­ma­tisch auf den Inter­net-Ser­ver kopiert. Wie frü­her, aber viel ele­gan­ter und benutzerfreundlicher.

Für den Benut­zer kommt daher auf sei­ner Fest­plat­te nur ein zusätz­li­cher Ord­ner dazu, in den er wei­te­re Ord­ner legen kann. Die­sen Ord­ner kann er als Berech­tig­ter auf meh­re­ren Rech­nern (aka Fest­plat­ten) gleich­zei­tig benut­zen, da jedes Mal nur eine Kopie der Daten im Inter­net abge­legt wird. Das ist der ers­te Teil der Idee.

Der zwei­te Teil ist aber span­nen­der: Jedem Ord­ner kann der Benut­zer nun wei­te­re Benut­zer zuwei­sen, auch sol­chen, die selbst über kei­nen eige­nen Drop­box-Ord­ner ver­fü­gen. Neh­men wir ein Bei­spiel: Benut­zer Mül­ler legt einen Drop­box-Ord­ner an und dar­in legt er den Ord­ner „Aus­tausch mit Mei­er“. Nur die­sem Ord­ner sagt er, dass auch Kol­le­ge Mei­er dar­auf zugrei­fen darf und schickt Mei­er eine E-Mail samt Ein­la­dung. Mei­er kann nun per Brow­ser oder – sofern er sich einen eige­nen Account anlegt – lokal auf sei­nem Rech­ner in die­sen Ord­ner hin­ein­schau­en. Die ande­ren Ord­ner des Kol­le­gen Mül­ler sieht er dabei nicht.

Mül­ler kann dies für alle Kol­le­gen anle­gen oder meh­re­ren Kol­le­gen einen ein­zi­gen Ord­ner zuwei­sen, damit alle dar­auf schau­en dür­fen. Ob sie nun nur hin­ein­schau­en oder auch selbst Daten dar­auf kopie­ren kön­nen, ent­schei­det Müller.

Und nun der drit­te Teil: sofern jeder Teil­neh­mer einen eige­nen Account hat, wer­den die Daten im Hin­ter­grund auto­ma­tisch abge­gli­chen. Sobald also Mei­er eine neue Datei auf sei­ner Fest­plat­te in die­sen Ord­ner legt oder direkt in die­sem Ord­ner erstellt, wird sie mit dem loka­len Ord­ner von Mül­ler syn­chro­ni­siert und Mül­ler sieht sofort, wel­che Datei­en Kol­le­ge Mei­er ange­legt hat.

Auf die­se Wei­se las­sen sich Daten ohne wei­te­res Zutun zwar in nor­ma­ler Geschwin­dig­keit auf dem Rech­ner bear­bei­ten (sie lie­gen ja als Kopie auf der eige­nen Fest­plat­te), aber gleich­zei­tig mit allen ange­schlos­se­nen Rech­ner abgleichen.

Der eige­ne Drop­box-Order: ein­mal im Brow­ser, ein­mal auf der Festplatte

Der Wert für klei­ne Arbeits­grup­pen ist ent­spre­chend: alle arbei­ten an einem Pro­jekt und sind immer auf dem glei­chen aktu­el­len Stand. Die Siche­rung der Daten muss aller­dings getrennt erfol­gen, da jeder ent­spre­chend Zugriffs­be­rech­tig­te natür­lich auch Daten löschen kann. Zwar bie­tet die Drop­box in der Basis-Ver­si­on einen beschei­de­nen Schutz vor unbe­ab­sich­tig­tem Löschen, es wer­den aber nur die Zugrif­fe (und Datei­en) der letz­ten 30 Tage gespei­chert. Bei den kos­ten­pflich­ti­gen Accounts wer­den jedoch auch älte­re Doku­men­te gela­gert, ohne dass dies auf Kos­ten des Spei­cher­plat­zes geht.

Sofern kein Netz­werk­an­schluss besteht, setzt Drop­box die Syn­chro­ni­sie­rung aus. Auch fin­det kei­ne Zugriffs­steue­rung statt: wenn zwei Benut­zer gleich­zei­tig die sel­be Datei bear­bei­ten, hat der ver­lo­ren, der als ers­ter spei­chert. Es han­delt sich nicht um eine ech­te Kol­la­bo­ra­ti­ons­schnitt­stel­le wie sie „Sky­Drive“ vor­hält. Dafür ist der Benut­zer­ac­count in der Basis­ver­si­on auch kos­ten­los und auf 2 GB beschränkt. Er kann aller­dings auf bis zu 8 GB erwei­tert wer­den, sofern es einem Benut­zer gelingt, genü­gend Nut­zer zu fin­den, die sich nach der Ein­la­dung einen eige­nen Account zulegen.

Für grö­ße­re Pro­jekt ist das also eher unge­eig­net (außer man inves­tiert in zusätz­li­chen Spei­cher­platz). Für klei­ne Jobs zwi­schen­durch („Kannst Du mir mal eben die Ein­la­dung lay­ou­ten?“ oder „Kor­ri­gier’ mir bit­te mal das Schrei­ben!“) klappt das her­vor­ra­gend, da man auch per Brow­ser auf die Daten zugrei­fen kann – also auch, wenn man nicht an sei­nem eige­nen Rech­ner sitzt.

Als beson­de­res Schman­kerl bie­tet sich die Drop­box nicht nur an, um Daten zwi­schen Rech­ner unter­schied­li­cher Betriebs­sys­te­me (Win­dows, Mac) zu syn­chro­ni­sie­ren, son­dern auch Smart­pho­nes wie dem Black­ber­ry, den Andro­ids oder dem iPho­ne. Damit lässt sich dann ein Smart­pho­ne auch nut­zen: Die Daten wer­den von Kol­le­gen Mei­er bear­bei­tet, mit dem Smart­pho­ne von Mül­ler syn­chro­ni­siert und Mül­ler kann die Daten dann auf sei­nem Smart­pho­ne kor­ri­gie­ren (sofern die­ses über die geeig­ne­te Soft­ware ver­fügt) und wie­der mit der Drop­box abglei­chen, Mei­er macht die Ände­run­gen (da nur er an einem Rech­ner sitzt mit dem rich­ti­gen Pro­gramm) und Mül­ler hat dann auf sei­nem Rech­ner wie­der die aktu­el­le Ver­si­on. Kei­ne Mails, kein Spam, kei­ne Viren.

Es gibt aller­dings einen Wer­muts­trop­fen: die reak­ti­ons­schnel­len Kol­le­gen Mül­ler und Mei­er kann man nicht laden. Die muss man haben.

Kos­ten der Drop­box
  • Basis­ac­count 2 bis 8 GB: kostenlos
  • Pro 50 (50 GB): 10 $ pro Monat oder 99 $ per annum
  • Pro 100 (100 GB): 19,99 $ pro Monat oder 199 $ per annum

Alle Sys­te­me benö­ti­gen zur Nut­zung ein klei­nes kos­ten­lo­ses Pro­gramm, das das jewei­li­ge Datei­sys­tem um einen Link auf den Ser­ver erweitert.

Außer­dem eine knap­pe Beschrei­bung bei Quo­ra:

Well, let’s take a step back and think about the sync pro­blem and what the ide­al solu­ti­on for it would do:
The­re would be a folder.
You’d put your stuff in it.
It would sync.
They built that.