In die­sem Land hat jeder Mensch im Rah­men des Grund­ge­set­zes das Recht auf eine freie Mei­nungs­äu­ße­rung. Das ist en hohes Gut, dass sich auch nicht durch poli­ti­sches Macht­kal­kül schmä­lern lässt. Ich war in mei­nem Leben schon auf zahl­rei­chen Demos – vor allem im „hei­ßen Herbst“ 1983 und allen mög­li­chen Oster­mär­schen. Ich fin­de das gut und rich­tig, schon um sich zu ver­ge­wis­sern, dass man nicht allei­ne mit sei­ner Mei­nung steht. Man soli­da­ri­siert sich auf sol­chen Demos. Bewir­ken tun sie gewöhn­lich nichts. Das ist ein immer noch ver­brei­te­ter Irr­glau­be.

Demons­tra­tio­nen wer­den gewöhn­lich dazu benutzt, in einem logi­schen Zir­kel auf die Ohn­macht (und dar­aus gefol­ger­ten „unfer­ti­gen“ Argu­men­te) der Demons­trie­ren­den hin­zu­wei­sen. Man geht auf eine Demons­tra­ti­on, um sich Gehör zu ver­schaf­fen. Dies wird von den Macht­ha­bern als „Druck der Stra­ße“ emp­fun­den, da man sich nicht mit ihnen „auf Augen­hö­he“ unter­hal­ten kann. Da man sich aber nicht mit ihnen „auf Augen­hö­he“ unter­hal­ten kann1, gehen die Men­schen auf die Stra­ße und erfah­ren dort ihre Ohn­macht.

Es nutzt nichts. Es nutzt auch nichts, sei­nem Abge­ord­ne­ten Tau­sen­de von Mails zu schi­cken, um ihn dazu zu bewe­gen, bei­spiels­wei­se den Tier­mast­wahn­sinn  der Agrar­in­dus­trie zu stop­pen. Es beru­higt das eige­ne Gewis­sen. Der Zäh­ler auf face­book oder sons­ti­gen Inter­net­platt­for­men, die eine jun­ge Pro­test­ge­ne­ra­ti­on anspre­chen, sind nur der tech­ni­sche Wider­hall der Abso­lu­ti­on: Du hast hier geklickt, jetzt sind Dir Dei­ne (Umwelt-)sünden erlas­sen.

Das ein­zig Wirk­sa­me ist die Tat: nicht die des Schot­terns, son­dern die des akti­ven Ver­zichts auf Atom­strom, die des Ver­zichts auf gen­ma­ni­pu­lier­ten Fraß, die des Ver­zichts auf das Auto als Umwelt­schwei­ne­rei Num­mer 1. Das kann jeder. Statt irgend­wo im Inter­net sein Häk­chen zu set­zen soll­ten wir mal vor der eige­nen Tür keh­ren. Auch wenn es viel­leicht umständ­li­cher und wahr­schein­lich für den Fort­gang der Mensch­heits­ge­schich­te wir­kungs­los ist: Aktiv den eige­nen Stall aus­mis­ten ist eine nach­hal­ti­ge­re Abso­lu­ti­on als die Teil­nah­me an einer Demo. Das kann man machen, wenn dann noch Zeit bleibt.


  1. wel­cher Minis­ter­prä­si­dent unter­hält sich ernst­haft mit einem sei­ner gewöhn­li­chen Wäh­ler?