Hier wie­der ein klas­si­sches Bei­spiel beab­sich­tig­ter Ver­kür­zung: Inner­halb Euro­pas kann kein Land mehr auto­nom sei­ne Finanz­po­li­tik bestim­men. Sie hän­ge mitt­ler­wei­le alle von Deutsch­land ab, denn ehr­lich: wohin fließt wohl der Löwen­an­teil der Unter­stüt­zung für Län­der wie Grie­chen­land? Na? Er bleibt hier. Es sind näm­lich unse­re Waf­fen und Güter, die sie bezah­len müs­sen. Daher sind die in Brüs­sel auch so schnell dabei, Töp­fe auf­zu­ma­chen: sie stüt­zen die eige­ne Wirtschaft.

Das funk­tio­niert sogar gut, denn mit dem Argu­ment, man müs­se den armen Grie­chen hel­fen1 kann man pri­ma Gel­der locker machen, die man aus Steuer­töp­fen finan­zie­ren kann (sobald die ver­spro­che­nen Sum­men auch wirk­lich abge­fragt wer­den), ohne dass dazu innen­po­li­tisch irgend­was durch­ge­setzt wer­den muss: Wir ver­spre­chen Grie­chen­land Hil­fe, um sie dann Krauss-Maff­ei, Heckler&Koch und wie die Jungs noch so hei­ßen, zu geben.

Wie das geht? Ganz ein­fach: Stell‘ Dir vor, Du ver­kaufst Dei­nem Nach­bar Dein neu­es Auto, obwohl Du ahnst, dass er es nicht bezah­len kann. Dann bekommt er bei der Bank kein Geld, weil die sei­ne pre­kä­re Lage ken­nen und sagen: „Hey, Du bist doch klamm. Wie­so kaufst Du denn so ein Auto?“. Jetzt legen sie ihm ein paar zünf­ti­ge Auf­schlä­ge drauf, schließ­lich ist er ein hohes Aus­fall­ri­si­ko. Nun kommt der Nach­bar wie­der zu mir und ich bie­te ihm die Finan­zie­rung auch noch an. Nicht weil ich so nett bin, son­dern weil ich das Geld bei der Bank viel bil­li­ger krie­ge. Ich bür­ge für ihn. Soweit, so gemacht. Jetzt der zwei­te Teil: Bei der nächs­ten Dis­kus­si­on um einen neu­en Fern­se­her oder war­me Schu­he kann ich mich zu Hau­se aus der Zah­lungs­ver­prf­lich­tung zie­hen, indem ich sage, ich stün­de ja noch bei den Ban­ken in der Krei­de, schließ­lich könn­te es ja pas­sie­ren, dass der Nach­bar sein zuge­si­cher­tes Geld auch braucht.2 Jetzt muss ich mich nicht mehr damit her­um­schla­gen, dass die Fami­lie mir Geld aus der Ach­sel lei­ern wol­len, son­dern kann mich auf Ban­ken und den Nach­barn raus­re­den. Nein, ich ver­ord­ne allen stren­ges Sparen.

Wohl­ge­merkt: es ist noch kein Geld geflos­sen. Auch nicht an die Fami­lie. Die geht jetzt sogar zusätz­lich job­ben, um die war­men Schu­he kau­fen zu kön­nen. Geil, oder? Nicht nur, dass ich gar kein Geld brau­che, um Ande­re finan­zi­ell abhän­gig zu machen, ich kann sie auch gleich mund­tot machen.

[…]

Sie sang das alte Entsagungslied,
das Eiapo­peia vom Himmel,
womit man ein­lullt, wenn es greint,
das Volk, den gro­ßen Lümmel.

Ich ken­ne die Wei­se, ich ken­ne den Text,
ich kenn‘ auch die Her­ren Verfasser;
ich weiss, sie tran­ken heim­lich Wein
und pre­dig­ten öffent­lich Wasser.

[…]“

(Hein­rich Hei­ne, 1797-1856)


  1. Obwohl man nur die eige­nen Aus­stän­de bezahlt. 

  2. Damit er es nicht wirk­lich macht, habe ich ihm  alle Schecks sper­ren las­sen. Er ist jetzt völ­lig abhän­gig von mir.