Es gibt Pro­gram­me, die sind so tri­vi­al, dass Sie fast nicht auf­fal­len, weil sie etwas bie­ten, was seit Urzei­ten eigent­lich Bestand­teil der Betriebs­sys­te­me sein soll­te. FTP, das „File Trans­fer Pro­to­col“ bei­spiels­wei­se, das seit 25 Jah­ren den ein­fa­chen Datei­trans­fer zwi­schen Rech­nern über das Inter­net erlaubt, ist so ein Kan­di­dat. Umso erstaun­li­cher, dass es da für Ent­wick­ler immer noch Poten­zi­al gibt, den Trans­fer mit mehr Kom­fort oder mehr Fea­tures aus­zu­stat­ten.

Natür­lich gibt es auch kos­ten­lo­se Pro­gram­me bzw. Share­ware wie „Cyber­duck“ (das ich lan­ge benutzt habe), das ich für ein her­vor­ra­gen­des Pro­gramm hal­te – nur eben nicht so komfortabel.Oder den Vete­ra­nen „Fetch“, bei dem es mich immer wie­der wun­dert, dass es das Pro­gramm noch gibt. Aller­dings wirkt das Inter­face doch recht ange­staubt. Und kos­ten­los ist es auch nicht (29 Dol­lar).

Trans­mit liegt bei 34 Dol­lar, direkt zu bezie­hen beim Her­stel­ler.

© Panic Inc.

Jeder, des­sen Rech­ner einen Inter­net­an­schluss besitzt, kennt das Phä­no­men: das Inter­net besteht nicht nur aus bun­ten Sei­ten, die der Brow­ser dar­stellt und mit­ein­an­der ver­knüpft, son­dern vor allem aus Unmen­gen von Daten, die in den unter­schied­lichs­ten Ver­zeich­nis­sen der unter­schied­lichs­ten Rech­nern lagern und ver­scho­ben wer­den sol­len. Sei es eine Prä­sen­ta­ti­on oder Bil­der, die ein­fach für einen E-Mail-Anhang zu groß sind, oder Pro­gram­me, die zum Down­load ange­bo­ten wer­den: sie alle müs­sen irgend­wie auf einen Ser­ver kopiert wer­den und dann auch von dort wie­der her­un­ter­ko­piert wer­den. Dafür ist FTP da. FTP fragt nicht, wel­che Datei es über das Inter­net ver­schickt, ob sie vom Benut­zer geöff­net wer­den kann, FTP stellt ein­fach nur fest, ob der Benut­zer eine Berech­ti­gung zum Upload oder Down­load besitzt – und dann schiebt es die Daten an.

Das klingt wie ein tris­tes Geschäft aus grau­en Unix-Vor­zei­ten: Man hängt sich an einen Rech­ner und sieht dort nur eine Lis­te von Daten, gera­de wie auf der eige­nen Fest­plat­te. Das ist aber auch das Fas­zi­nie­ren­de, denn ohne jeden Schnör­kel besteht eine sta­bi­le Daten­ver­bin­dung auf jeden belie­bi­gen Ser­ver, der den Zugriff erlaubt. Die meis­ten Pro­gram­me neh­men auf die­se Tris­tesse Rück­sicht und stel­len auch wirk­lich nur Daten dar. Man klickt sie an, wählt „Down­load“ und schon rut­schen die Bits und Bytes auf die Fest­plat­te. Damit macht Trans­mit Schluss.

Quicklook und Cover Flow

Im Kern ist es natür­lich trotz­dem ein rei­nes FTP-Pro­gramm, das die­sen Ansprü­chen auch genü­gen muss: schnell und unkom­pli­zier­ten Zugriff auf die frem­den Ver­zeich­nis­se zu ermög­li­chen. Damit man dort aber nicht die sprich­wört­li­che „Kat­ze im Sack“ kauft, greift Trans­mit tief in die Trick­kis­te des Betriebs­sys­tems Mac OS X und bie­tet allen Benut­zern der Sys­tem­ver­si­on 10.5 und neu­er die Opti­on an, sich die auf dem frem­den Rech­ner lagern­den Daten per „Quick­look“ anzu­schau­en, bevor man ans Down­loa­den geht. Und um den Kom­fort zu erhö­hen, nutzt es die „Cover Flow“-Funktion gleich mit. Damit geht dann das Stö­bern auf frem­den Rech­nern in etwa so kom­for­ta­bel wie in iTu­nes.

Trans­mit zeigt die Daten eines Ser­vers (hier FTP-Ver­zeich­nis des Inter­net-Ser­vers) wie iTu­nes an.

Fensterteilung

Die Daten wol­len aber auch bewegt wer­den, denn dazu ist das Pro­gramm ja gemacht. Natür­lich geht es per „Drag & Drop“ direkt aus dem Fin­der bzw. einem geöff­ne­ten Fens­ter direkt in das Trans­mit-Fens­ter hin­ein. Aber bei Panic-Soft­ware hat man sich auch Gedan­ken gemacht um wie­der­keh­ren­de Daten­trans­fers in die glei­chen Ver­zeich­nis­se. Das ist bei­spiels­wei­se bei Pro­jek­ten der Fall, wo man dem Kun­den meh­re­re Doku­men­te in einem Ver­zeich­nis zur Ver­fü­gung stel­len will. Bei Trans­mit rich­tet man sich dazu einen Favo­ri­ten ein, also einen Link auf ein beson­ders bevor­zug­tes Ver­zeich­nis. Nach­dem dies aus­ge­wählt wur­de, teilt sich das Fens­ter („Split-Panes“) in zwei Spal­ten, wobei eine Spal­te das Datei­sys­tem des frem­den Rech­ners abbil­det, das ande­re das Ver­zeich­nis des eige­nen Rech­ners. Jetzt muss man nur noch hin- und her­schie­ben. Wer gleich das gan­ze Ver­zeich­nis syn­chro­ni­sie­ren will, klickt auf den „Sync“-Knopf, dann über­nimmt das Trans­mit auch selbst­tä­tig nach einer Abfra­ge der Optio­nen. Das funk­tio­niert auch zwi­schen zwei ent­fern­ten Ser­vern.

Ganz Schlaue müs­sen dazu aber gar nicht einen frem­den Ser­ver bemü­hen, es geht auch schlicht auf Datei­sys­tem-Ebe­ne mit dem eige­nen Rech­ner oder einem ande­ren Rech­ner im eige­nen Netz­werk, sofern er bereits ange­mel­det ist. Oder einer ange­schlos­se­nen Fest­plat­te.   Dabei wer­den auch die für das Mac OS so typi­schen Eti­ket­ten (Ein­fär­bung der Datei­en) ange­zeigt.

Sehr bequem ist auch die Mög­lich­keit, die Fest­plat­te eines Ser­vers direkt als Fest­plat­te auf dem Schreib­tisch des eige­nen Rech­ners anzei­gen zu las­sen. So kann man dar­in navi­gie­ren, als ob es loka­le Ver­zeich­nis­se wären.

Protokolle

Als Über­tra­gungs­pro­to­koll kommt neben FTP aber auch sFTP („secu­re FTP“), die S3-Ser­ver von Ama­zon oder das Web­DAV-Pro­to­koll zum Zuge. Vor allem Letz­te­res ist für die Team­ar­beit ein ganz beson­ders Schman­kerl, denn ein Web­DAV-Ser­ver erlaubt neben dem Daten­trans­fer auch das Ein­che­cken und Aus­che­cken von Doku­men­ten, so dass eine aus­ge­check­te Datei für alle andern Grup­pen­mit­glie­der zur Bear­bei­tung gesperrt ist, bis sie wie­der ein­ge­checkt wird.

Fazit

Dass die­se Funk­tio­nen mit viel Lie­be zum Detail und einer per­fek­ten Ein­bin­dung in das „Look & Feel“ des Betriebs­sys­tems ein­her­ge­hen, ver­steht sich schon von selbst. Die Bedie­nung ist daher ein­fach und intui­tiv. Aber auch nicht kos­ten­los …

Im Gegen­zug aller­dings nimmt einem Trans­mit den Schre­cken des Datei­trans­fers. Egal mit wem. Haupt­sa­che, man sitzt vor einem Mac. Denn auch hier gilt: „Sor­ry, we don‘t do Win­dows.“