Da wird der doo­fen deut­schen Stamm­tisch­be­völ­ke­rung mal wie­der so rich­tig eins aus­ge­wischt: Minis­ter tönen vom „kon­trol­lier­ten Zuzug“ aus­län­di­scher Arbeits­kräf­te. Man wol­le kei­ne poten­zi­el­len Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger ins Land las­sen, die die Sozi­al­sys­te­me belas­ten, son­dern „inte­gra­ti­ons­wil­li­ge“ Fachkräfte.

Also mal ehr­lich: Allein der Tat­sa­che, dass der DIHK wie seit Jah­ren schon stän­dig Alarm schlägt, es gäbe zu wenig Fach­kräf­te, nur um dann mal wie­der mit gigan­ti­schen Zah­len beim Wirt­schafts­wachs­tum zu glän­zen, ist gro­tesk. Wenn es so einen Fach­kräf­te­man­gel gäbe, wer wür­de dann die tol­len Zah­len erwirt­schaf­ten? Die gebeu­tel­ten Hartz-IV-Emp­fän­ger vielleicht?

Nein, es geht hier um bil­li­ge „inte­gra­ti­ons­wil­li­ge Fach­kräf­te“. Es geht um gut aus­ge­bil­de­te Men­schen, die ihre Fami­lie zurück las­sen, um hier für einen Hun­ger­lohn ohne Sozi­al­ver­si­che­rung zu arbei­ten und dann schnell wie­der nach Hau­se abge­scho­ben wer­den kön­nen, wenn es nicht so rich­tig gut läuft.

Und mal abge­se­hen davon: aus­ge­bil­de­te Fach­kräf­te (was immer man dar­un­ter ver­steht) wach­sen auch im Aus­land nicht auf Bäu­men. Die muss man aus­bil­den. Und zwar hier. Denn dort, wo sie her­kom­men, gibt es ja kei­ne Arbeit und mit­hin auch kein funk­tio­nie­ren­des Bil­dungs­sys­tem, denn sonst kämen sie ja nicht hierher.

Mir scheint, es geht um zwei Sachen: man will den Druck hier­zu­lan­de erhö­hen auf die Men­schen, indem man ihnen vor­gau­kelt, vor den Lan­des­gren­zen stün­den Hee­re Arbeits­su­chen­der, aus denen man sich die Qua­li­fi­zier­tes­ten her­aus­pi­cken kön­ne. Und die dann noch nicht ein­mal geschult wer­den müs­sen — und so  kann man sich die Mit­tel für den Schul­aus­bau spa­ren und den sowie­so schon mage­ren Bil­dungs­etat noch wei­ter kür­zen, um „not­lei­den­den Ban­ken“ unter die Arme grei­fen zu können.

Und man will die Not der Men­schen aus­nut­zen, die her­kom­men, um hier ein­fach in Frie­den leben wol­len, ohne Angst vor Krieg, Hun­ger und Ver­fol­gung. Mit einer Per­spek­ti­ve. Und nicht mit bil­li­gen Sprü­chen, die nur denen gefal­len, die mal wie­der 30 Jah­re zurück­ge­blie­ben sind.

Das ist prak­tisch. Durch­sich­tig ist es auch. Es zeigt aber, für wie dumm man den Bür­ger hält oder machen will. Ob aber die Rech­nung auf­geht auch jen­seits der Weißwurstäquators?