… bis er bricht.

Ich beob­ach­te nun schon seit ein paar Wochen mit sehr gemisch­ten Gefüh­len den „Stel­lungs­krieg“, der zur Zeit zwi­schen Apple und Ado­be, zwei Gigan­ten der IT-Welt so vor sich geht — und den Aus­wir­kun­gen, die dies für den End­an­wen­der wie mich hat.

Es beginnt damit, dass Apple für sei­ne mobi­len Klein­ge­rä­te wie iPod und iPho­ne kein Flash erlaubt, obwohl dies doch ein weit ver­brei­te­tes For­mat ist. Auf dem Flash-For­mat hat Ado­be die Fin­ger. Wäh­rend man PDF lizen­sier­te und auch mitt­ler­wei­le einen Anschluss an den Exchan­ge Ser­ver von Micro­soft zulässt, sperrt man sich in Kali­for­ni­en bei Apple, wenn es um Flash geht.

Zu Recht?Viel­leicht, denn Flash steht in den berech­tig­ten Ruf, sehr pro­zes­sor- und leis­tungs­hung­rig zu sein. Leis­tung aber ist etwas, von dem die Mobil­ge­rä­te nicht viel haben, zumin­dest nicht für lan­ge Zeit, denn Flash frisst Akkus. Das mag der Grund sein, war­um man bei Apple zwar Flash auf dem Lap­top und den sta­tio­nä­ren Rech­nern erlaubt, aber nicht auf iPho­ne und iPad. Die heu­ti­gen Lap­tops kön­nen das ab.

Dafür spricht auch, das — zumin­dest in der Sicht­wei­se der Inge­nieu­re und Ent­schei­dungs­trä­ger in Cup­er­ti­no — Lap­tops und Desk­top-Rech­ner der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Die­se sind Tech­nik von ges­tern, sie sind klo­big und kom­pli­ziert, haben vie­le Schnitt­stel­len und müs­sen dau­ernd gewar­tet wer­den. Ja, selbst ein Mac will ab und zu mal ein Update. Mit ande­ren Wor­ten: trotz des ange­streb­ten Schrump­fungs­pro­zes­ses las­sen sich die­se Tei­le nicht wei­ter mini­tu­ri­sie­ren. Da ist beim Net­book Schluss, und wer schon mal einen erwach­se­nen Men­schen gese­hen hat, wie er in sich gekrümmt auf einen rasier­spie­gel­gro­ßen Bild­schirm starrt und auf etwas mehr als steck­na­del­gro­ße Tas­ten tippt, der weiß, dass auch Net­books die Gren­ze des ergo­no­misch Zumut­ba­ren schon über­schrit­ten haben.

Daher dreht man bei Apple mit dem iPad den Spieß um. Statt wei­ter zu ver­klei­nern, hat man ver­grö­ßert. Näm­lich das Smart­pho­ne. Her­aus­ge­kom­men ist das iPad, von dem man­che Zei­tungs­ver­la­ge schon spre­chen, als han­de­le es sich um den hei­li­gen Gral. Es ist ein neu­es (und zugleich altes) Tech­nik­pa­ra­dig­ma: Ein Net­book ist der Sieg der Inge­nieurs­leis­tung über die Natur, ein Smart­pho­ne ist eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­schi­ne. Die­se braucht mehr als nur eine wei­te­re „Opti­mie­rung“ vor­han­de­ner Tech­nik oder bei pro­gram­men eine neue Oberfläche.

Den Feh­ler hat Micro­soft mit Vista/​Longhorn ler­nen müs­sen: Irgend­wann beginnt man damit Tech­nik hin­ter Tech­nik her­zu­wer­fen: Tol­le Effek­te und Pro­gram­me ver­lan­gen nach neu­en Rech­nern, die­se wie­der­um nach neu­en Trei­bern, die­se nach neu­en Spie­len, die­se nach schi­cke­rer Soft­ware … usw. usf. Das Moore’sche Gesetz gilt nicht mehr. Intel hat es erkannt, man strickt seit jah­ren an ganz ande­ren Pro­zes­so­ren als noch zur Pentium-Zeit.

Nur bei Ado­be ist da etwas ste­hen geblie­ben. Man ver­bes­sert das Flash-For­mat und gibt sich gro­ße Mühe, es hard­ware-naher zu kodie­ren, bes­ser bestimm­te Gra­fik­kar­ten aus­zu­nut­zen um mehr Leis­tung her­aus zu kit­zeln1.

Ich muss zuge­ge­ben, dass ich lan­ge gebraucht habe, um Ado­be die Ein­stel­lung der Mac-Ver­si­on des Frame­ma­ker zu ver­zei­hen (das ist jetzt kein Pro­blem mehr dank Vir­tua­li­sie­rung), aber Frame­ma­ker war nicht das ein­zi­ge Pro­dukt, dass man dort auf­grund der gerin­gen Ver­brei­tung des Mac ein­stell­te — obwohl gera­de im Medi­en­be­reich der Mac tra­di­tio­nell zahl­rei­che Anhän­ger hat.

Das ver­gisst ein Ste­ve Jobs aber nicht. Vor fünf Jah­ren schrieb John Gru­ber, der wahr­lich nicht als Mac-Fan­boy bezeich­net wer­den kann, über Adobe:

Ado­be is clear­ly beha­ving like a mono­po­list in the print and ima­ging cate­go­ries. It strikes me as much more plau­si­ble that they’ve acqui­red Macro­me­dia to streng­t­hen their hold on the mar­kets they alre­ady domi­na­te than as an effort to expand into new mar­kets like the web.

When is the last time Ado­be has unvei­led any­thing tru­ly inno­va­ti­ve for the gra­phics-and-design mar­ket? InDe­sign 1.0? That was near­ly five years ago.

[…]. But the main rea­son Ado­be Sys­tems has been a suc­cess is that they crea­ted and deve­lo­ped ter­ri­fic, inno­va­ti­ve soft­ware. Engi­nee­ring talent isn’t enough; you need pas­si­on for inno­va­ti­ve pro­ducts at the top of a company.

If that spi­rit con­ti­nues to wither, Ado­be will con­ti­nue its sli­de into medio­cri­ty, and will beco­me just ano­t­her soft­ware com­pa­ny. (Dar­ing Fireb­all: The Fish rots from the Head)

Ich bewun­de­re die Fir­ma immer noch für die Fähig­keit der Pro­gram­mie­rer, Effi­zi­enz und Ästhe­tik mit­ein­an­der zu ver­bin­den, und für die Erfin­dung des PDF und die Revo­lu­tio­nie­rung der Druck­in­dus­trie. Aber bei Apple scheint man wei­ter zu bli­cken. Mit Flash stirbt Ado­be. Und ohne auch.

UPDATE: Ado­be AIR ist eine gran­dio­se Sache. Es ver­bin­det Flash, PDF und HTML zu einer tol­len neu­en Funk­ti­on wie der Online-Hil­fe, bei der man direkt auf das druck­ba­re PDF aus­wei­chen kann, ein­zel­ne Tex­te kom­men­tie­ren und die Kom­men­ta­re ande­rer Nut­zer lesen kann. Für Redak­teu­re ein Traum, die inter­ak­ti­ve Doku­men­ta­ti­on ein­schließ­lich Film. Aber eben nur ein Traum, denn es basiert auf Flash und zahl­rei­che Kun­den in der Indus­trie leh­nen das ab, weil sie sich eine eige­ne Run­ti­me instal­lie­ren müs­sen oder der IT-Ver­ant­wort­li­che kein Flash zulässt.

Da steckt noch viel Poten­zi­al und Auf­klä­rungs­ar­beit für Ado­be drin. Das iPad ist nur ein klei­ner Teil. Lei­der hat Ado­be dar­auf bis­lang sehr viel Res­sour­cen ver­wen­det. Und nun kommt der Leber­ha­ken


  1. Nicht nur Mac-User sind von der feh­len­den Unter­stüt­zung des umge­strick­ten Flash 10.1 betrof­fen, auch Besit­zer von weni­ger ver­brei­te­ten Gra­fik­kar­ten haben auf­grund man­geln­der Unter­stüt­zung das Nach­se­hen