Wenn ein Arzt sich bei einem AIDS-Pati­en­ten ansteckt und dar­an stirbt, ist der dann ein Held? Wenn ein Dach­de­cker aufs Haus klet­tert und dabei her­un­ter­fällt, ist er dann ein Held? Nein, es ist ein Berufs­ri­si­ko. Wie aber ist es dann mit Men­schen, die eine Waf­fe in die Hand neh­men und dafür bezahlt wer­den, auf ande­re zu schie­ßen — aus wel­chen Grün­den auch immer — und dabei erschos­sen wer­den? Sie ster­ben den „Hel­den­tod“. Dabei ist es immer noch ein Berufs­ri­si­ko.

Es hat sie nie­mand gezwun­gen, dort nach Afgha­nis­tan oder sonst­wo in die Welt hin­aus­zu­ge­hen, um ihr Leben zu ris­kie­ren. Viel­leicht liegt es dar­an, dass ich Zivil­dienst gemacht habe und des­halb nicht ver­ste­hen kann, wie Men­schen auf­ein­an­der schie­ßen. Die­se Sol­da­ten machen ihren Job: ent­we­der sie erschie­ßen ande­re oder sie wer­den erschos­sen. Das ist nicht hel­den­haft, das ist ein Beruf. Es ist genauso trau­rig wenn sie dabei ums Leben kom­men wie ein ver­un­glück­ter Fern­fah­rer, der von der Stra­ße abge­kom­men ist .

Dahin geschickt wer­den sie aber von eben den Leu­ten, die ihnen nun post­hum den Hel­den­tod zubil­li­gen wol­len. Wegen des eige­nen schlech­ten Gewis­sens ver­mut­li­ch, denn es sind ja nicht die Abge­ord­ne­ten des Bun­des­tags, die dort am Hin­du­kusch oder irgend­wo in der Welt bis unter die Zäh­ne bewaff­net den Men­schen „den Frie­den brin­gen“ sol­len. Den gibt es dort näm­li­ch so wenig wie hier. Nur dass man hier vom Schreib­ti­sch aus schwa­dro­niert.

For­ward! he cried from the rear — and the front rank died“ sang ein­st Roger Waters von Pink Floyd („Us and Them“ aus „Dark Side of the Moon“).

Nie­mand hat eine Lösung. Aber die einen sind bereit, für ihre Nicht­lö­sung Sol­da­ten ster­ben und töten zu las­sen. Der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter nennt dann die, die das für ihn tun: Hel­den. (Frank­fur­ter Rund­schau online)