Für das Arbei­ten mit struk­tu­rier­ten Doku­men­ten wie auch her­kömm­lich unstruk­tu­rier­ten Arbei­ten stellt die ein­ge­schränk­te Funk­tio­na­li­tät der Buch­erstel­lung ein gro­ßes Hin­der­nis dar – bis­her. Mit Frame­Ma­ker 9 hat sich Ado­be end­lich der Pro­ble­ma­tik ange­nom­men, dass bei­spiels­wei­se die Ver­wal­tung von Quer­ver­wei­sen bis­her nicht ver­nünf­tig lös­bar war außer mit zusätz­li­chen Skripts und Tricks.

In der Tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on, wo Frame­Ma­ker immer noch sei­nen Schwer­punkt hat und Ado­be ihn auch sehen möch­te, kommt die Erstel­lung umfang­rei­cher Doku­men­ta­tio­nen für Druck und/​oder Online nicht gera­de sel­ten vor. Beson­ders im Anla­gen­bau wer­den gedruck­te Doku­men­ta­tio­nen aus­ge­lie­fert, die man in Regal­me­tern misst, nicht in Sei­ten: 40 dicke Ord­ner sind da kei­ne Sel­ten­heit. Da müs­sen die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten einer Anla­ge beschrie­ben wer­den über ihren gan­zen Lebens­zy­klus hin­weg ein­schließ­lich War­tungs­plä­nen und Zulie­fer­do­ku­men­ta­ti­on. Viel Stoff, den der Frame­Ma­ker eigent­lich spie­lend bewäl­tigt, wenn da nicht die gera­de­zu inku­nab­u­lö­se Buch­funk­ti­on wäre.

Denn um sol­che Men­gen an Infor­ma­tio­nen zu ver­ar­bei­ten, wer­den sie in ein­zel­ne Bän­de oder Bücher auf­ge­teilt, je nach Nut­zer­grup­pe oder Ein­satz­zweck unter­schie­den. Es gibt Hand­bü­cher für die Steue­rung, die Bedie­nung, die Instand­hal­tung, die Inbe­trieb­nah­me und die Anla­gen­si­cher­heit.

Nun ist so man­che Infor­ma­ti­on nicht nur in einer Situa­ti­on wich­tig, wie bei­spiels­wei­se die Betriebs­ar­ten einer Anla­ge oder die Posi­ti­on der Not-Aus-Tas­ter. Ganz zu schwei­gen von der Über­sicht der Betriebs­stö­run­gen und ihrer Besei­ti­gung. Die­se ste­hen aber meist in unter­schied­li­chen Büchern.

Pech gehabt!“ sagt da der Redak­teur, „ent­we­der neh­men wir die Infor­ma­ti­on mehr­mals auf, also für jedes Buch, oder aber wir machen einen Text­ver­weis wie ‚sie­he Hand­buch Inbe­trieb­nah­me‘“. Tja. Bei­des ist nun nicht gera­de das, was man „das Gel­be vom Ei“ nen­nen kann, denn ent­we­der ist die Infor­ma­ti­on red­un­dant vor­han­den – auch wenn sie per Text­ein­schub leicht auf glei­chem Stand gehal­ten wer­den kann – oder man brummt dem Leser müh­sa­mes Suchen im Hand­buch zu.

Es gibt Kapi­tel, die es gar nicht gibt: Aus­schlie­ßen im Buch

In einem klei­nen Hand­buch mag das durch­ge­hen, bei Hun­der­ten von Ver­wei­sen und Tau­sen­den von Sei­ten ist das ein gedruck­ter Ana­chro­nis­mus.

End­lich Schluss damit. Frame­Ma­ker 9 bie­tet mit sei­nen neu­en Buch­funk­tio­nen eine Viel­zahl von Ver­bes­se­run­gen, von denen ich hier nur ein paar erwäh­ne.

Hier­ar­chi­sche Bücher mit Ord­nern und Grup­pen. Bereits im neu­en Buch­fens­ter fal­len die Ände­run­gen auf, die mit der Kapi­tel­or­ga­ni­sa­ti­on zu tun haben: Inner­halb eines „Buchs“ – der Name ist mitt­ler­wei­le irre­füh­rend, denn es han­delt sich mehr um eine Ver­weis­lis­te oder Orga­ni­sa­ti­ons­ta­bel­le – kön­nen ein­zel­ne Kapi­tel in „Ord­nern“ zusam­men­ge­fasst wer­den, um sie bei­spiels­wei­se bei der Kapi­tel­num­me­rie­rung oder For­ma­tie­rung anders zu behan­deln. Der „Ord­ner“ ist dabei nur ein logi­sches Ele­ment inner­halb des Buchs und nicht in der tat­säch­li­chen Ver­zeich­nis­struk­tur.

Etwas weni­ger Funk­tio­nen bie­tet die „Grup­pe“ an. Auch mit ihr kön­nen Doku­men­te zusam­men­ge­fasst wer­den, aller­dings nur zu orga­ni­sa­to­ri­schen Zwe­cken, bei­spiels­wei­se um die Grup­pe zu dru­cken oder von der Buch­ak­tua­li­sie­rung aus­zu­schlie­ßen.

Aus­schlie­ßen ein­zel­ner Kapi­tel. Das ist mei­nes Erach­tens eine recht zweck­mä­ßi­ge Funk­ti­on beson­ders wäh­rend der Erstel­lung, denn mit der Funk­ti­on „Aus­schlie­ßen“ bie­tet Frame­Ma­ker eine gelun­ge­ne Mög­lich­keit, Infor­ma­tio­nen und noch nicht rele­van­te Kapi­tel bereits anzu­le­gen und zu bear­bei­ten, ohne sie expli­zit bei einer zwi­schen­zeit­li­chen Buch­erstel­lung wie­der löschen zu müs­sen. Kapi­tel mit der Kenn­zeich­nung „Aus­schlie­ßen“ (erkenn­bar an einem roten Rähm­chen um das Doku­ment­sym­bol) wer­den bei der Gene­rie­rung von Inhalts­ver­zeich­nis­sen und Büchern ein­fach über­sprun­gen. So kann das Kor­rek­tur­ex­em­plar auch ein Kapi­tel zum Trans­port und Lage­rung erhal­ten, das erst in einer kom­men­den Ver­si­on benö­tigt wird.

Buch im Buch“. Und – damit kom­men wir zu der ein­gangs erwähn­ten Quer­ver­weis­funk­tio­na­li­tät zurück – auch Bücher kön­nen in ein Buch auf­ge­nom­men wer­den, das damit als „Eltern­teil“ (von Ado­be mit „par­ent book“ bezeich­net) fun­giert. Die auf­ge­nom­me­nen Bücher sind zwar rei­ne Platz­hal­ter, kön­nen also nicht vom über­ge­ord­ne­ten Buch aus bear­bei­tet wer­den, sie sind damit aber zen­tral zu ver­wal­ten.

In unse­rem Fall könn­te also von einer Anla­ge ein Buch ange­legt wer­den, das neben den all­ge­mei­nen Kapi­teln wie Impres­sum und recht­li­chen Hin­wei­sen auch die Bücher zu Funk­ti­on, Sicher­heit, Bedie­nung und Instand­hal­tung beinhal­tet. Danach wer­den alle unter­ge­ord­ne­ten Bücher und die Kapi­tel des über­ge­ord­ne­ten Buchs geöff­net und aktua­li­siert. Danach kön­nen die ein­zel­nen unter­ge­ord­ne­ten Bücher gespei­chert und gedruckt wer­den. Wich­tig ist dabei nur, die Hier­ar­chie zu beach­ten, bei der „Frau­en und Kin­der“, als unter­ge­ord­ne­te Bücher zuerst gespei­chert wer­den müs­sen.

Natür­lich kann jedes unter­ge­ord­ne­te Buch ein eige­nes Inhalts­ver­zeich­nis besit­zen. Sei­ne Kapi­tel wer­den trotz­dem in das Inhalts­ver­zeich­nis des über­ge­ord­ne­ten Buchs auf­ge­nom­men.

Fazit. Auch wenn es noch vie­le Bugs gibt, weist gera­de die Buch­funk­ti­on die rich­ti­ge Rich­tung für kom­men­de Ver­sio­nen von Frame­Ma­ker. So kom­for­ta­bel und schnell war die Ver­wal­tung wirk­lich lan­ger Doku­men­te noch nie.