Es herrscht Sau­re-Gur­ken-Zeit in den Redak­tio­nen: der Wahl­kampf ver­kommt zu einem -krampf, kein ver­nünf­ti­ger Mensch inter­es­siert sich noch für die An- und Absich­ten von Kanz­le­rin und Kan­di­da­ten, kei­ner will wis­sen, wel­cher Par­tei der nächs­te Finanz­mi­nis­ter ange­hört, weil zah­len müs­sen wir’s ja doch.

Nun aber hat heute.de ein tol­les The­ma aus­ge­bud­delt: Immer mehr Arbeit­ge­ber durch­fors­ten auch das Inter­net nach Anga­ben zu den Bewer­bern für die teil­wei­se immer noch vor­han­de­nen offe­nen Stel­len und laden de Bewer­ber gar nicht erst ein, die sich all­zu offen­her­zig über ihren Job oder ihr Pri­vat­le­ben ver­brei­ten. Das ist nicht neu, es war­nen seit Jah­ren Ver­brau­cher­schüt­zer davor, unbe­küm­mert sei­ne Daten ins Inter­net zu stel­len.

Ja, das soll­te doch selbst­ver­ständ­lich sein: ich habe auch kei­ne Glas­wän­de um mein Klo und hocke mich mit mei­nem Han­dy nicht ins Café, um Kun­den zu akqui­rie­ren oder Pro­jek­te zu bespre­chen. Beruf­lich gese­hen soll­te man sich immer um eine gewis­se Pri­vat­sphä­re küm­mern und nicht davon aus­ge­hen, dass die ande­ren auch weg­hö­ren. Und pri­vat erst recht.

Ein Vier­tel der Unter­neh­men gab in der Umfra­ge an, dass Bewer­ber wegen Infor­ma­tio­nen aus dem Netz nicht zum Vor­stel­lungs­ter­min ein­ge­la­den wor­den sei­en. 76 Pro­zent der Arbeit­ge­ber bewer­ten es dem­nach als nega­tiv, wenn sich Bewer­ber im Netz abfäl­lig über ihre Job­situa­ti­on äußern. Auch etwa all­zu per­sön­li­che Inhal­te, wie etwa Fotos von pri­va­ten Par­tys, bringt Nach­tei­le.

Klar, wenn ich mei­nem Chef in aller Öffent­lich­keit in den Aller­wer­tes­ten tre­te, kann das Fol­gen für mich haben. Das ist so. Ande­rer­seits gibt es kaum eine effek­ti­ve­re Metho­de als die öffent­li­che „Hin­rich­tung“. Nur darf ich mich nicht wun­dern, wenn die Betrof­fe­nen das nicht beson­ders erbau­lich fin­den.

Ande­rer­seits zeigt die­se Nach­richt auch, dass das Inter­net in den Unter­neh­men tat­säch­lich dazu genutzt wird, sich zu infor­mie­ren — und nicht, wie von Arbeit­ge­bern immer pos­tu­liert — nur ein „Pro­duk­ti­vi­täts­kil­ler“ ist, der die Leu­te von der Arbeit abhält.