Die ZDF-Media­thek bie­tet ja nun ver­stärkt Inhal­te auch über das Inter­net  an. Eine recht löb­li­che Erfin­dung für Jeman­den wie mich, der weit­aus mehr Zeit vor dem Rech­ner ver­bringt als vor der Glot­ze. Die­se Bei­trä­ge sind auch als RSS-Feeds zu abon­nie­ren und damit sofort per Feed-Reader (oder Brow­ser, wen man den Fire­fox benutzt) abrufbar.

So auch ein Bei­trag unter dem Titel „Online-Sucht„. Autsch! Da fühl­te ich mich doch gleich ange­spro­chen: Wer vie­le Stun­den am Tag vor dem Rech­ner ver­bringt (weil er damit bei­spiels­wei­se auch die Bröt­chen ver­dient), dabei auch das Inter­net nutzt als Infor­ma­ti­ons­quel­le und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um, der hat einen ordent­li­chen Inter­net­an­schluss und ist daher auch stän­dig online. So wie ich. Bin ich jetzt krank?
Schnell aber wird mir beim Betrach­ten klar, dass es sich um einen Bei­trag aus der Wasch­kü­che des Herrn Pfeif­fer han­delt, der sich recht undif­fe­ren­ziert mit den mög­li­chen Aus­wir­kun­gen bestimm­ter MMORPGs („Mas­si­ve Mul­ti­play­er Online Role Play“) wie „WoW“ („World of War­craft“) auf Jugend­li­che und ihre sozia­le Ein­bin­dung beschäf­tigt. Die­se Spie­le besit­zen ein gewis­ses Sucht­po­ten­zi­al vor allem bei labi­le­ren Natu­ren, die ver­mut­lich von Haus aus gewis­se Pro­ble­me mit ihrer Sozia­li­sie­rung haben. Dar­un­ter fal­len auch puber­tie­ren­de Jungs.

 

Drei Gedan­ken zu dem Beitrag:

  • Ich bin auch dafür, dass man Spie­le mit einem ein­deu­tig gewalt­tä­ti­gen Inhalt restrik­ti­ver indi­ziert und nicht ab 12 Jah­ren frei­gibt. Das aber ist nur ein Sym­ptom: die Jungs ver­ein­sa­men ja nicht, weil sie WoW spie­len, son­dern weil sie vor­her bereits Sozia­li­sa­ti­ons­de­fi­zi­te hat­ten und nun end­lich eine Gemein­schaft Mit­lei­den­der fin­den. Da wackelt ja der Schwanz mit dem Hund. Hier geht es um gesell­schaft­li­che Erzie­hung, nicht um Online-Games.
  • Ein Bei­trag, der sich mit dem Sucht­po­ten­zi­al von Online-Spie­len beschäf­tigt, kann nicht „Online-Sucht“ hei­ßen, son­dern höchs­tens „MMORPG-Sucht“. Ver­mut­lich war das der Redak­teu­rin etwas zu unhand­lich. Schon beim Schrei­ben des Dreh­buchs. Also füh­le ich mich durch den Titel und den auch im Bei­trag erwähn­ten Namen irre­ge­führt. Das ist sehr scha­de, denn es besteht da durch­aus Hand­lungs­be­darf. Und sei es nur bei der Vor­bild­funk­ti­on der Erwach­se­nen in punk­to Sozia­li­sie­rung1.
  • Mehr am Ran­de: es erfüllt mich als Mac-User natür­lich schon auch mit einem gewis­sen Stolz, wenn in einem Bei­trag, der zwar nicht im Titel aber doch inhalt­lich sich mit Spie­len befasst, der­art häu­fig das Logo eines bekann­ten Com­pu­ter­her­stel­lers aus Cup­er­ti­no, CA, gezeigt wird. Vor allem, da den Maschi­nen nach­ge­sagt wird, dass sie für ernst­haf­te Spie­le gar nicht zu gebrau­chen sei­en. Wahr­schein­lich fand die Redak­ti­on beim Zusam­men­schnei­den des Film­ma­te­ri­als die Auf­nah­men aber schicker.

Kurz und gut: Ein Bei­trag aus der Sau­re-Gur­ken-Zeit. Scha­de. Das The­ma ist ja durch­aus wert, ernst­haft sich damit zu beschäf­ti­gen. Nur lei­der betrach­te ich mich trotz Flat­rate nicht als süch­tig. Soll­te ich das?


  1. Das aber ist beson­ders unter den selbst­er­nann­ten Vor­bil­dern in unse­rer Gesell­schaft eher ein Rand­the­ma ver­gli­chen mit dem Kar­rie­re und der finan­zi­el­len Absi­che­rung.