Komisch, wie so die zeit­li­chen Koin­zi­den­zen statt­fin­den: Heu­te mor­gen lese ich bei heute.de, dass Minis­te­rin Scha­van, also die Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin (da soll­te man jetzt ein beson­ders hohes Maß an päd­ago­gi­schen Kennt­nis­sen ver­mu­ten) gefor­dert hat, das Ein­schu­lungs­al­ter „fle­xi­bler“ zu hand­ha­ben:

Mit dem Ler­nen sol­le frü­her begon­nen wer­den, „etwa im Alter von vier statt erst mit sechs Jah­ren“. (heute.de)

Wir haben Kin­der so in dem Alter, bei­de sind auf­grund ihres Geburts­da­tums dem Wahn ent­kom­men, mög­lichst früh schon dres­siert zu wer­den. Ges­tern — und jetzt die Koin­zi­denz — dage­gen erfah­re ich, dass die baye­ri­schen Behör­den erwä­gen, die frü­he Ein­schu­lung rück­gän­gig zu machen.

Bis­lang hat­te man ver­sucht, sich dem Gebär­ter­min anzu­nä­hern, indem Kin­der ein­ge­schult wer­den dür­fen, die zum Zeit­punkt des Schul­be­ginns nocht nicht sechs Jah­re alt sind. Der Geburts­tag durf­te zunächst im Okto­ber lie­gen, lag jetzt im Novem­ber und soll­te auf den Dezem­ber aus­ge­dehnt wer­den. Mit ande­ren Wor­ten: die Kin­der sind mit­un­ter erst Weih­nach­ten alt genug für die Klas­se, die sie seit drei Mona­ten besuch­ten. Da die kind­li­che Ent­wick­lung kein pro­gram­mier­ba­rer Akt ist1, kann die eigent­li­che „Schul­rei­fe“ indi­vi­du­ell unter­schied­lich sein. Meist wer­den Kin­der drei bis sechs Mona­te _nach_ Errei­chen des sechs­ten Lebens­jahrs schul­reif.

Damit aber nicht Kin­der aus einer ver­bis­se­nen Pro­fil­neu­ro­se der Eltern schon ein­ge­schult wer­den, obwohl sie noch nicht schul­reif sind — mit allen Kon­se­quen­zen wie Über­for­de­rung und Ver­sa­gens­angst –, schie­ben die Behör­den einen Test vor, bei dem Leh­rer her­aus­fin­den sol­len, ob die Kin­der auch wirk­lich die not­wen­di­ge Rei­fe mit­brin­gen, und nicht gleich in der zwei­ten Klas­se eine „Ehren­run­de“ dre­hen müs­sen. Und die Ergeb­nis­se haben die Behör­den allen poli­ti­schen Vor­ga­ben zum Trotz zum Ein­brem­sen gezwun­gen: 70% aller Kin­der, die auf die Mög­lich­keit und Fähig­keit zur frü­hen Ein­schu­lung beob­ach­tet wur­den, haben die Rei­fe nicht. 

Leis­tungs­ge­dan­ke hin oder her, aber hier weh­ren sich die Kin­der erfolg­reich: sie ver­wei­gern sich den Anfor­de­run­gen einer Bil­dungs­mi­nis­te­rin. Da stirbt der Scha­van am Schul­tor.


  1. Davon gehen Schul­be­hör­den aus