Ich bin ja nun schon län­ger drau­ßen aus der Uni und habe damals trotz anste­hen­der Stu­di­en­ge­bühr, gegen die wir uns gewehrt hat­ten, mein Stu­di­um genos­sen. Zumin­dest den Teil, den ich nicht wegen der völ­li­gen Ver­schu­lung abge­legt hat­te. Denn die Unmög­lich­keit, in einem ver­schul­ten Bil­dungs­ap­pa­rat auch an sei­ner eige­nen Per­sön­lich­keit, sei­ner Inte­gri­tät und sei­nem eige­nen Leben zu bas­teln, erschie­nen mir damals schon als gering. Also habe ich was geis­tes­wis­sen­schaft­li­ches gewählt, auch und weil die Semi­na­re mit 12 Leu­ten fast schon über­be­setzt waren1
Nun gehen sie wie­der auf die Stra­ße. Und sie haben recht. Mehr denn je. Wenn wir in die­sem Land eigen­ver­ant­wort­lich han­deln­de und selbst­stän­dig den­ken­de Men­schen wol­len, Men­schen, die auch bereit sind, ein Leben lang für ihr Leben zu ler­nen und sozi­al enga­giert sind, dann dür­fen wir ihnen die Mög­lich­keit nicht neh­men, die eige­nen Fähig­kei­ten aus­zu­lo­ten.
Schon die Schu­le beraubt sie die­ser Mög­lich­keit, und die Arbeits­ver­hält­nis­se tun ihr Übri­ges. Her­aus kommt dabei dann näm­lich das, was bei Hein­rich Mann den „Unter­tan“ cha­rak­te­ri­siert.
Nur: die Poli­tik, sonst ger­ne und über­all bereit, sich ein­zu­mi­schen, auch wenn sie lie­ber nicht tun soll­te, legt in einem der sen­si­bels­ten Bereich der kul­tu­rel­len Errun­gen­schaf­ten der letz­ten 500 Jah­re die Hän­de in den Schoß — oder ver­schlim­mert mit ihrer Anbie­de­rung an oppor­tu­nis­tisch-neo­li­be­ra­le Ideo­lo­gi­en die Sache auch noch.
Bil­dung ist viel zu kom­pli­ziert, als dass man sie sol­chen Poli­ti­kern über­las­sen soll­te.
In der FAZ fand ich das ganz ein­fach beschrie­ben:

Hat man im Refor­mesta­blish­ment noch eine Anschau­ung von der Uni­ver­si­tät?
Nein, hat man nicht. (FAZ online)


  1. Immer noch kein Ver­gleich zu den Vor­le­sun­gen in Maschi­nen­bau, in der 1200 Stu­den­ten sich zwäng­ten. Mit dem Resul­tat, dass die Vor­le­sun­gen ein­fach ver­ta­ne Zeit war, denn man bekam rein gar nichts mit.